Netzwelt-Ticker: Die größten Netzbeschmutzer der Welt

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...sitzen in den USA und China - doch die Polen holen auf. Außerdem im Nachrichtenüberblick: IT-Fachkräftemangel, Nokia kooperiert mit US-Armee, First Life versus Second Life, Googles Problem mit dem Antphishing-Tool und mehr.

Böse Buben aus Ost und West

Die größten Netzverschmutzer sitzen nach wie vor in den USA. Das jedenfalls behauptet das IT-Sicherheitsunternehmen Sophos: Insgesamt sei das dämonische Duo USA/China im letzten Jahr für fast zwei Drittel aller unerwünschten Werbe-Mails, Viren und anderer Bedrohungen für die Sicherheit der Computer verantwortlich gewesen. Nach Angaben der Computersicherheitsfirma kamen 34,2 Prozent dieser so genannten Malware aus den USA, 31 Prozent aus China. Auf Platz drei lag Russland mit 9,5 Prozent. Aufgrund der hohen Zahl der Computer in Nordamerika sei das Ergebnis keine Überraschung, heißt es in dem Bericht.

Begrenzt man die Analyse jedoch auf Spam-Mails, den schier unerträglichen Werbemist, der täglich 80-90 Prozent aller verschickten E-Mails ausmacht, entdeckt man, dass die Chinesen Konkurrenz bekommen haben: Auf Platz 2 der schlimmsten Spam-Nationen entdeckt der Münchener E-Mail-Dienstleisters Retarus derzeit Polen. Nahezu jede zehnte Spam-Mail habe demnach einen polnischen Absender. Doch auch auf diesem interessanten Markt, über den angeblich noch immer mächtig viel schmutziges Geld zu verdienen ist, sind die USA unangefochtener Marktführer. Rund 16 Prozent aller weltweiten Werbemist-Mails kommen aus den USA, wo auch einige der führenden Spamfilter-Entwickler sitzen. Kann man so etwas schon als Perpetuum Mobile bezeichnen?

pat/AFP/AP

Cisco bessert beim iPhone nach

Erst letzte Woche ging Armijn Hemel vom GPL-Violation-Project mit der Meldung an die Presse,, Cisco verstoße im iPhone-Handy WIP300 gegen die GNU General Public License. Das Unternehmen verwende Open-Source-Software, die unter der GPL-Lizenz stehe, ohne den selbstentwickelten Quellcode offen gelegt zu haben. Jetzt scheint Cisco den Fehler eingesehen zu habe. Im Firmenblog schreibt John Earnhardt von Cisco: "Herr Hemel hat uns auf das Cisco iPhone WIP300 aufmerksam gemacht. Auf Grund unserer Nachforschungen werden wir das einzige Problem lösen, das dieses Produkt mit der GPL-Lizenz kollidieren ließ."

Nokia kooperiert mit der U.S. Army

Das finnische Unternehmen Nokia hat bekannt gegeben, zu seinen 66 3G-Kunden noch einen sehr prominenten Käufer von HSDPA (High Speed Download Packet Access) gefunden zu haben. Die amerikanische Armee überlegt einer Meldung von Techweb zufolge nämlich, ihr altes Datennetzwerk auf das neue Hochgeschwindigkeitsnetzwerk aufzurüsten. HSDPA beruht auf dem selben Übertragungsverfahren, das auch bei UMTS eingesetzt wird. Mit der Umrüstung auf das Nokia-System könnten bei der Armee Betriebskosten von 30 bis 70 Prozent eingespart werden.

Doch bleibt offen, ob nicht Nokia durch diesen Deal zumindest beim öffentlichen Ansehen draufzahlen muss. Der ehemalige Gummistiefelhersteller gilt ja eher ganz harmlos als Volkswagen unter den Handy-Bauern – und weniger als Unterstützer und Anbieter von Kriegstechnologie.

Googles Antiphishing-Tool leckt Passwörter

Das auf Websicherheit spezialisierte Unternehmen Finjan ist einem simplen aber dennoch gefährlichen Sicherheitsloch in Googles Antiphishing-Erweiterung für Firefox auf die Schliche gekommen.

Google veröffentlicht eine offene, schwarze Liste mit Webseiten, die von Usern verdächtigt werden, in Wahrheit Phishing-Seiten zu sein. Doch in diesen von Usern eingesendeten URLs waren oft genug Zugangsdaten zu Websites eingebettet: Benutzernamen und Passwörter, wie ein Screenshot von Finjan noch bezeugt. Google hat bereits reagiert und die User-Informationen mit einem einfachen Update entfernt und wird künftig sicherstellen, dass solche Infos nicht mehr zu sehen sind.

Doch Finjan deutet mit einem Warnhinweis auf ein anderes, potenziell sehr großes Problem hin: Surfer sollten bei ähnlichen URL-meldenden Tools die automatische Übertragung von URLs deaktivieren. Das Google-Sicherheitsloch ist theoretisch bei allen solchen Diensten denkbar. Doch auf solche Methoden bauen gerade viele Web-2.0-Tools auf, die beispielsweise Surferfahrungen von Usern zusammenführen.

IT ist out

Computern dürfte in deutschen Kinder- und Jugendzimmern zwar Beschäftigung Nummer 1 sein, aber auf tieferer, anspruchsvollerer Ebene hat der liebe Nachwuchs immer weniger Lust, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Angesichts massiv rückläufiger Studentenzahlen sorgt sich die Informations- und Kommunikationsbranche jedenfalls um ihren Nachwuchs.

Seit dem Boomjahr 2000 ist die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik um 30 Prozent zurückgegangen, wie das Job- und Wirtschaftsmagazin "karriere" in seiner neuen Ausgabe berichtet. Zudem brechen mehr als die Hälfte aller Informatikstudenten an der Universität und 45 Prozent an der Fachhochschule ihr Studium ab oder wechseln den Fachbereich. Kaum ein anderes Fach leide "unter einem ähnlichen Schwund wie die Informatik", heißt es in dem Bericht.

Derweil ist die IT-Branche schon fast wieder soweit wie zu Zeiten der so genannten Green-Card-Initiative von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Die war eigentlich vom Bitkom initiiert worden, aber vom Kanzler freudig adoptiert: Das "Sofortprogramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs" sollte 20.000 hoch qualifizierte IT-Experten nach Deutschland locken. Rund 17.000 kamen tatsächlich und blieben zumindest zeitweilig. Als Erfolg gilt das 2004 beendete Programm dennoch nicht: Die wirklichen Top-Kräfte zog es eher in die USA, der Fachkräftemangel wurde nicht nachhaltig behoben.

Das gilt bis heute. "Die High-Tech-Industrie sucht dringend nach Informatikern und Ingenieuren", sagt dazu der Chef des Branchenverbandes Bitkom, Willi Berchtold. Bei einer Ausstiegsquote von rund 50 Prozent würden bald weniger als 14.000 Informatik-Absolventen pro Jahr die Hochschulen verlassen. Vor allem die Softwarebranche und die großen Beratungsunternehmen suchen dem Bericht zufolge derzeit massiv nach qualifizierten Informatikern.

pat/AFP

McAfee stört Lotus Mail

Wer IBM Lotus Notes 6 oder 7 und McAfee VirusScan Enterprise 8.5i gemeinsam einsetzt, kann nach einem Upgrade der Antivir-Software möglicherweise nicht mehr auf seine Mails zugreifen. Derzeit gibt es keine Reparatur-Möglichkeiten, es bleibt nur eine Neuinstallation des Mail-Programms. IBM und Lotus haben das Problem erkannt und arbeiten an einer Lösung, so CNET News.com. Derweil empfiehlt McAfee, vorläufig die Funktionen "Scan all server databases" und "scan server mailboxes" zu deaktivieren.

China: SMSen erweichen Dieb

Ein chinesischer Dieb hat ein Mobiltelefon und tausende Yen im Wert von knapp 500 Euro dem Diebesopfer zurückgegeben, nachdem er von diesem 21 rührende Textnachrichten erhalten hatte, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua laut Reuters.

Ein Motorradfahrer stahl Pan Aiyings Tasche, als sie mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. Doch statt die Polizei zu informieren, rief sie ihr eigenes Handy an und sendete Textnachrichten: "Ich bin Pan Aiying, eine Lehrerin an der Wutou Middle School. Du musst dich schrecklich fühlen. Wenn dem so ist, will ich Dir nichts vorwerfen", schrieb Pan in ihrer ersten Nachricht – ohne eine Antwort zu bekommen. Dann: "Behalte die 4,99 Yen wenn Du sie wirklich brauchst, aber bitte bring mir die anderen Sachen zurück. Du bist noch Jung. Irren ist menschlich. Deine Fehler zu korrigieren ist wichtiger als alles andere."

Nach 21 Nachrichten fand Pan Aiying dann schließlich ihre Tasche vor der Wohnung. Anbei eine Nachricht: "Liebe Pan: Es tut mir leid. Ich habe einen Fehler gemacht. Bitte verzeih mir. Du bist so tolerant, obwohl ich dich bestohlen habe. Ich werde mich bessern und eine aufrichtige Person werden."

Goldfarmer gründen Lobby-Gruppe

Zwei der führenden Goldfarmer haben sich in Korea zu der Lobby-Gruppe "Digital Asset Distribution Promotion Association" zusammengetan, um ihre Interessen gegenüber der koreanischen Regierung durchzusetzen. Die plant laut Electronic Timesden Handel mit Gegenständen und Charakteren aus Online-Rollenspielen – dem sogenannten Goldfarming – einzuschränken.

Goldfarming ist besonders in China und Südkorea weit verbreitetund dort auch ein Markt für Arbeit und virtuelle Güter, jenseits staatlicher Kontrolle. Über Verkaufsplattformen wie eBay werden die Helden und Hellebarden zum Beispiel für World of Warcraft eher halblegal international veräußert. Auch wurde nach Berichten über Kinderarbeit und enorm schlechte Bedingungen in Goldfarmen nach mehr Kontrolle gerufen – nicht zuletzt von Seiten der Spiele-Hersteller, die den Handel innerhalb ihrer Spielwelten erst recht nicht wollen. Die Lobbygruppe will nun gegenüber der koreanischen Regierung eine Regulierung des Handels mit digitalen Gütern zu ihren Gunsten beeinflussen.

Das ist die Reklamation, ich will mein Leben zurück

Wer braucht schon ein Second Life, wenn er auch ein Erstes haben kann? Mit echter 3D-Welt, ohne Server-Lag und mit über sechseinhalb Milliarden Mitspielern? Get a first life! Vor die Tür gehen, wirklich leben, sich fortpflanzen, herausfinden, wo man wirklich lebt. Darren Barefoot, darauf weist er ausdrücklich hin, ist kein Second-Life-Hasser. Aber er denkt sich, dass etwas Seltsames in der Onlinewelt vorgeht – und dass sie völlig überhypt wird.

Die Second-Life-Verantwortlichen finden den Spaß mit ernstem Unterton jedenfalls toll und schickten, sozusagen, eine Nicht-Unterlassungserklärung: Du verstößt gegen unsere Urheberrechte, mach bitte weiter so!

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