Netzwelt-Ticker Duft für Technosexuelle

Ein Virenscanner, der Mails killt, und eine Weste, die den Spieler jeden Schuss fühlen lässt. Außerdem: Wohlgeruch für Cyber-Freaks und GPS-Überwachungschips unter der Haut. Das und mehr im Überblick.

Von Sönke Jahn


Virenscanner haut Mailordner weg

Windows Live ist Microsofts Handelsmarke, unter der der Softwaregigant Programme und Service online vermarkten will. Einige Angebote liegen erst als Beta-Version vor, aber das scheint im Web 2.0 zum guten Ton zu gehören. Flickr, YouTube und andere sind offiziell auch erst im Betastatus. Ausgerechnet beim "Windows Live OneCare Safety Scanner" scheint dies nun problematisch zu werden: Wer mit dem kostenlosen Dienst seine Mails auf Virenbefall scannt, hat in seiner Korrespondenz mit herben Verlusten zu rechnen. Denn anstatt die befallene Post in Quarantäne zu schicken, soll der Virenscanner komplette Ordner unwiederbringlich in den digitalen Orkus gespült haben. Schon vor einem Jahr sei dieses Problem aufgetaucht, danach habe Microsoft es in einem Update behoben. Und morgen, am 13. März, will die Firma es mit einem weiteren Update versuchen, meldete ZDNet am Wochenende.

Killing me softly

Ihnen fehlt das gewisse Etwas, Ballerspiele richtig mitzuerleben? Vorrausichtlich ab November kann ihnen da geholfen werden. Denn im Herbst soll die pneumatische Gaming-Weste "ForceWear" auf den Markt kommen. Dieses genaue Gegenteil einer kugelsicheren Weste lässt den Gamer wirklich spüren, ob ihm sein Gegner gerade eine Kugel verpasst hat. Für den "Inquirer" durfte sich Reporter Charlie Demerjian die USB-Joppe auf einer Spielemesse in San Francisco schon einmal überziehen. Er schwärmt von den acht Einschussmöglichkeiten ("Vier vorn, vier hinten") und verrät: "Man kann damit auch Gravitationskräfte simulieren und andere Dinge, die nicht direkt mit einem einzelnen Einschlag zu tun haben." Angeblich sei die Technik ursprünglich für die Telemedizin entwickelt worden und dürfte zudem längst auch auf ihre Pornotauglichkeit untersucht worden sein.

Die Nase voll von Computern

Parfümherstellung: Nasenkunst für Nerds

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Sie wissen wahrscheinlich noch nicht, was "CK in2u" ist. Aber ein herkömmlicher Computerheini wird damit plötzlich so richtig dufte. Denn es handelt sich um das neue Parfum für verliebte Blogger und Technik-Nerds, das ab April in der Computerabteilung ihrer Drogerie stehen soll. "Wir haben uns das als den ersten Duft der technosexuellen Generation vorgestellt", zitiert die "New York Times" den Calvin-Klein-Chef Tom Murry. Dieser ließ sich den Neologismus - eine Mischung aus technophil und (hetro, metro, retro-)sexuell - sogar als Markenzeichen eintragen, wie der ORF auf einer Sonderseite verrät.

Guter Kopierschutz, schlechter Kopierschutz

Der IBM-Kopierschutzexperte Don Leakes glaubt fest daran, dass ausgerechnet der Kopierschutz der Video-DVD zum Druchbruch verhalf. Und seiner Meinung nach wird es wird bei HD-DVD und Blue-ray-Scheiben wieder so sein. Apples iTunes Music Store gelang irgendwie auch der Durchbruch - gerade wegen des Kopierschutzes. Und deswegen hat Apple in der Europäischen Union und in Norwegen ganz schönen Ärger am Hals. Übermorgen, am Weltverbraucherschutztag, veranstaltet Horst Seehofers Verbraucherschutzministerium nun den Berliner Digitalisier-Kongress "Herausforderungen und Chancen in einer digitalisierten Welt: Beiträge der Verbraucherpolitik"; ein Treffen von Daten- und Verbraucherschützern mit Industrievertretern. Netzpolitk.org bereitet uns inhaltlich schon mal auf dieses großkopferte Treffen vor. Es soll dort auch um den Kopierschutz gehen.

Big Brother würde Chips spendieren

Sie wurden gerade von einer Mücke gestochen? Noch können Sie sich relativ sicher sein, dass es wirklich nur eine Mücke war. Bald könnte es nämlich auch der "IDSniper" gewesen sein, ein Scharfschützengewehr. Diese Waffe kann mit Hilfe einer Gasladung einen winzigen GPS-Überwachungschip unter ihre Haut pflanzen. Und das über die Distanz von einem Kilometer. Als Getroffener soll man dabei nicht viel mehr als einen Insektenbiss spüren. Zum Glück ist dieser IDSniper bisher nur ein ein Kunstobjekt. Das bleibt jedenfalls zu hoffen. Überwachungsgegner haben die Waffe unter dem Deckmantel der Scheinfirma "Empire North" auf einer Polizeimesse in Peking gezeigt: Das Interesse der Behörden war groß. Hoffentlich hat man mit dieser Idee niemanden auf dumme Ideen gebracht.

Das glaubt einem wieder keine Sau

Steng geheime Forschungsvideos, die angeblich erst kürzlich aus englischen Laptoplabors entschlüpften, zeigen, wie weit der chinesische Computerbauer Lenovo der Konkurrenz voraus ist. Lenovo hatte vor einigen Jahren die renommierte IBM-Computersparte übernommen. Jetzt soll der asiatische Computerhersteller den guten alten Düsenantrieb für das Notebook adaptiert haben. Ebenso soll es Kaffee-abweisende Stealth-Oberflächen geben - und ein holografisches System, das sogar den Nutzer ersetzt.

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