Netzwelt-Ticker: Ex-Schurke plaudert

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Ein Ex-Angestellter eines Werbe-Software-Unternehmens plaudert, Yahoo muss wegen Hilfe bei der Dissidentenjagd vor Gericht, Filmdownloads kommen jetzt legal - und das Web verrät die besten Aprilscherze. Das und mehr im Überblick.

180solutions (Adware) Insider-Interview

Fast gleichzeitig mit den Gerüchten um das Ende von 180solutions erschien im Revenews.com-Blog ein Interview mit einem anonymen Ex-Mitarbeiter des Adware–Vertreibers. Zuletzt kam 180solutions in die Schlagzeilen, da betrügerische Seitenbetreiber Surfern unwissentlich die Werbe-Software unterjubeln. 180solutions versprach, gegen diese sogenannten Schurken-Zwischenhändler ("Rogue Distributors") vorzugehen. Aus dem nun erschienenen Interview geht hervor, dass das nicht nur scheiterte, sondern auch zu herben Umsatzeinbußen geführt haben soll. Ein Zusammenhang mit den kürzlich erfolgten Entlassungen liegt nahe. Auch sonst scheint bei 180solutions nicht alles im Reinen zu sein. Das Interview gewährt einen interessanten Einblick in ein Unternehmen von der dunklen Seite – und das Seelenleben eines Mitarbeiters, der sich der (un-)ethischen Aspekte seiner Mitarbeit bei einem solchen Laden bewusst ist.

Familie des eingesperrten Journalisten verklagt Yahoo

Die Familie des in China wegen "Weitergabe von Staatsgeheimnissen an ausländische Stellen" gefangen gehaltenen chinesischen Journalisten Shi Tao will den amerikanischen Suchmaschinenbetreiber Yahoo vor Gericht bringen. "Wir glauben, dass das, was (Yahoo) getan hat, illegal ist", wird Zhang Yu, Repräsentant der Familie Shi Taos von AFX News zitiert. Yahoo habe jedes Gespräch mit Zhang Yu verweigert. Shi wurde im April vergangenen Jahres zu 10 Jahren Haft verurteilt, nachdem er im Internet Anweisungen der chinesischen Behörden an die Presse verbreitete, nicht über den 15. Jahrestag des Massakers auf den Tienanmen-Platz ("Platz des himmlischen Friedens") zu berichten. Yahoo lieferte nachgewiesenermaßen die Informationen, die letztlich zur Verhaftung Shis führten. Shi versandte die fraglichen Dokumente von seinem Computer im Büro der Contemporary Business News aus – mit Yahoos E-Mail-Dienst.

Wird Google Earth wegen Patentstreit erbeben?

Google Earth: Patentbeben? 

Google Earth: Patentbeben? 

Im Patentstreit um Software zum Darstellen von Geländedaten scheint Google nun mit seinem Produkt Google Earth eine Verschnaufpause zu bekommen. In einer vorläufigen Anweisung scheint der verantwortliche Richter Googles Sicht der Dinge anzunehmen. Wie ZDNet News berichtet, liegen seit Mai 2004 die Softwarefirma Skyline Software Systems mit Keyhole (jetzt Google) im Clinch. Skyline stellt seit 1997 eine Reihe von Kartografie-Programmen her. Eines davon ist TerraExplorer, das laut Website, "Usern erlaubt, frei über 3D-Terrain und Stadtgebiete zu fliegen". Skyline meint nun, die Keyhole-Technologie verletze ein Patent, das die Firma 2002 zugesprochen bekam. Das Patent beschreibe "eine Methode, Datenblöcke bereitzustellen, die dreidimensionales Terrain einer Render-Engine bereitstellen". Im Januar beantragte Skyline eine einstweilige Verfügung, die es Google verbieten würde, Google Earth bis zur Klärung des Falles zu verkaufen. Google und Skyline haben sich nun in einem ersten Schritt über Begrifflichkeiten geeinigt, aber der Streit geht weiter. Als Nächstes muss nun die Frage geklärt werden, ob Google tatsächlich gegen die Skyline-Patente verstoßen hat. Mit der Hauptverhandlung wird Mitte November oder Dezember dieses Jahres gerechnet.

Sechs Filmstudios wollen Filme online verkaufen

Ab heute wollen sechs große Filmstudios online Filme verkaufen, die Käufer downloaden und dann jederzeit und unbegrenzt ansehen können. Bis jetzt, so die "New York Times", haben die Studios Filme nur online verliehen – also Filme bereitgestellt, die innerhalb 24 Stunden angeschaut werden mussten, bevor sie verfielen. Der Zuspruch unter Kunden war wohl gering. Die hohen Preise und technischen Einschränkungen dürften aus den neuen, "permanenten" Downloads auch nicht gerade Hits machen. Ein neuer Film werde pro Download 20 bis 30 Dollar kosten, ältere Titel um die 10 Dollar. Die Downloads werden am Tag des DVD-Releases veröffentlicht, also deutlich früher als Leihvideos, die normalerweise etwa 45 Tage nach Release für 2 bis 5 Dollar zum Verleih bereitgestellt werden. Zunächst sollen heute 300 Filme über die Seite Movielink an den Start gehen. CinemaNow, eine weitere Filmseite, wird 75 downloadbare Filme anbieten. Apple, Amazon.com und weitere Online-Verkäufer sollen in Verhandlungen mit Hollywood stehen, um ebenfalls ein Download-Angebot zu starten.

Das Problem: Die Filmdownloads werden es den Filmfans nicht einfach machen. Ein Film wird etwa ein Gigabyte groß sein und damit ein bis zwei Stunden Downloadzeit auf einer Breitbandverbindung in Anspruch nehmen. CinemaNow wird die Nutzung des Films auf einen Computer beschränken, Movielink wird zwar das Brennen der Filme auf DVD erlauben – auf herkömmlichen DVD-Geräten werden sie jedoch nicht laufen. Eine spezielle Software limitiert den Gebrauch auf zwei weitere Computer. Auch können die Filme nicht auf einen portablen Videoplayer wie den iPod oder die PSP oder auf Microsoft Media Centers kopiert werden. Die Studios kündigten jedoch Downloads für Portables im Laufe des Jahres an.

Kein Scherz: Die große Aprilscherzliste

Samstag war erster April – wer nicht von seinen Kollegen, Freunden oder der Familie mit brachial-banalen Lügen schockgefrostet wurde, kann sich nun wenigstens per Wikipedia einen Überblick über die Online-Scherze am Samstag machen. Die Liste der öffentlichen Aprilscherze des 1. April 2006 listet neben der Ankündigung von Haustier-Drachen (nicht: Hausdrachen!), Googles Text-Browser und Radarfallen für Langsamfahrer auch die wunderbaren Ratgeber-Spots, die auf der The Office-Homepage allesamt zum Download stehen. Unbedingt anschauen. Ob der Trailer zum Simpsons-Movie ein Aprilscherz ist, wurde allerdings noch nicht geklärt. D'oh!

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