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24. März 2006, 12:43 Uhr

Netzwelt-Ticker

Explorer mit Löchern

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Zeit für Pflaster: Microsofts Browser weist mal wieder Lecks auf - darunter ein "extrem kritisches". Das neue Office-Paket schließt sich Windows Vista an und erscheint erst nächstes Jahr. Außerdem im Überblick: Yahoo beißt Skype, Klage gegen dreiste Adresshändler und mehr.

Office 2007 - mit Verspätung ins Büro

Nachdem Microsoft gestern eine weitere Verzögerung für den Marktstart des Windows XP-Nachfolgers Vista ankündigte, ist nun auch die neue Version der Büro-Software Office auf Anfang 2007 verschoben worden. Zwar sollen einige große Firmen das Update bereits im Dezember erhalten, alle anderen jedoch müssen bis nach Silvester warten. "Wir haben entschieden, uns mit Windows Vista zu koordinieren und [Office 2007] ab Januar 2007 in die Läden zu bringen," zitiert "CNet" einen Microsoft-Repräsentanten.

Noch ein Loch

Mal wieder durchlöchert: Microsofts Internet Explorer

Mal wieder durchlöchert: Microsofts Internet Explorer

Nochmal Microsoft: Bereits zum zweiten Mal binnen weniger Tage haben Experten eine Sicherheitslücke im Internet Explorer aufgestöbert. Wie das  "SC Magazine" schreibt, betrifft der Fehler sowohl die aktuelle Version 6 als auch die Beta-Version des Internet Explorer 7. Über einen Fehler in JavaScript könnten Schädlinge direkten Zugriff auf den Arbeitsspeicher erlangen. Von der Sicherheitsfirma Secunia wird der Fehler als extrem gefährlich einstuft. Microsoft arbeitet bereits an einem Patch. Bis der zum Download bereit steht, empfiehlt  "TechWeb" Active Scripting abzuschalten und die Sicherheitseinstellungen des Browsers zu erhöhen, so dass man vor der Ausführung von JavaScript gewarnt wird.

Yahoo attackiert Skype

Die "E-Commerce News"geht der Frage nach, ob Yahoo mit seinem neuen Voice-over-IP-Service (VoIP)dem Internet-Telefonie-Platzhirschen Skype Paroli bieten kann. Das klare Urteil: ja. Schließlich sei der VoIP-Markt noch weit offen, da bisher erst vergleichsweise wenige Menschen die neue Telefon-Technologie nutzten, so Gartner Research Vize-Päsident David Willis.

Immerhin habe die Übernahme von Skype durch eBay für reichlich Publicity gesorgt und viele Menschen erst auf dieses Thema aufmerksam gemacht. Mit seinen Preisen unterbietet Yahoo die Skype-Konkurrenz jedenfalls. Während Gespräche von PC zu PC, wie bei VoIP üblich, kostenlos sind, schlagen ausgehende Festnetzanrufe in viele Länder mit 1,2 Eurocent pro Minute zu Buche. Skype verlangt dafür 1,7 Eurocent. Eine Telefonnummer für eingehende Gespräche aus Fest- und Mobilfunknetzen wird mit 2,49 Euro pro Monat berechnet.

Wie Willis gegenüber "E-Commerce News" sagt, sei diese Entwicklung großartig für die Anwender. Man könne ohne großes Risiko verschiedene Angebote ausprobieren oder gleich mehrere davon gleichzeitig nutzen. "So lange es nichts kostet, noch eine weitere Software zu installieren, werden die Leute das auch tun und zwar so lange, bis es zu komplex wird und der Markt sich so konsolidiert, wie wir es schon beim IM [Instant Messaging] gesehen haben," orakelt Willis.

Es muss nicht immer Office sein

Während sich Web-Experten auf dem "TheServerSide Java Symposium" noch uneinig darüber sind, ob die JAVA-Erweiterung AJAX (Asynchronous JavaScript and XML) jetzt das "next big thing" beim Webseiten-Design oder doch nur ein Hype ist, kann man die Fähigkeiten dieser neuen Technologie andernorts schon nutzbringend im Alltag einsetzen. Das beste Beispiel ist das auf AJAX basierenden Programm ajaxWrite. Die komplett webbasierte Anwendung sieht nicht nur so aus wie Word, sie wird auch so bedient. Damit kann man sich den Kauf einer Textverarbeitung eigentlich sparen. Zumindest, wenn man immer und überall einen Internet-Zugang hat. Dann aber macht ajaxWrite richtig Spaß, denn man muss sich weder um Installationen, noch um Updates kümmern und bekommt das Ganze auch noch kostenlos.

Gratis verklagt

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer beschuldigt die Firma "Gratis Internet" des "größten Bruches der Privatsphäre in der Geschichte des Internet." Gratis Internet verspricht Anwendern kostenlose iPods, Fernseher oder DVDs, wenn sie sich für besondere Angebote bei Partnerfirmen wie der Citibank registrieren. Dabei wird von den Registranten verlangt, dass sie fünf weitere Personen überreden, an der Aktion teilzunehmen. Hierzulande sind solche Methoden als "Schneeballsystem" berüchtigt. Obwohl den Teilnehmern an diesem System der Schutz ihrer persönlichen Daten versprochen wurde und einige sogar die in Aussicht gestellten Belohnungen erhielten, hat die Firma Kundendaten an Marketing-Firmen weitergegeben, so der Vorwurf. Dabei seien jedes Mal zwischen einer und sieben Millionen Datensätze ausgetauscht worden, so Spitzer. Eine Chance, sich von den Vorwürfen freizusprechen, hat Gratis Internet offenbar nicht. Bereits vergangenen Woche hatte die Firma Datran Media zugegeben, derartige Adresslisten von Gratis Internet erworben zu haben.

Daten von fast 200.000 HP-Mitarbeitern gestohlen

Wieder ein Beispiel, das zeigt, dass man kein Hacker sein muss, um an vertrauliche Firmendaten zu kommen: Wie "eweek[ix]" berichtet, ist dem Finanzdienstleister Fidelity Investments ein Laptop abhanden gekommen, auf dem die persönlichen Daten von 196.000 HP-Mitarbeitern gespeichert sind. Nach Angaben der Firma betrifft der Diebstahl alle Mitarbeiter, die an HPs Rentenprogramm teilnehmen. Kreditkartenfirmen wurden bereits informiert und sollen auf ungewöhnliche Transaktionen im Zusammenhang mit potentiellem Identitätsdiebstahl achten. Fidelity Investments sieht allerdings keine große Gefahr und vermutet, dem Dieb sei es um das Laptop und nicht um die Daten gegangen. Zudem sei die Lizenz der benutzen Datenverarbeitungssoftware mittlerweile abgelaufen, was die Daten unbrauchbar macht – sofern der Dieb nicht rechtzeitig ein Backup gemacht hat.

Alles in Öl

Vom aktuellen Ölpreis wird ja so einiges beeinflusst: der Benzinpreis, der Gaspreis, die Konjunktur. In den USA ist die braune Brühe sogar für den größten Teil des Handelsdefizits verantwortlich. Die Handelseinheit ist das Barrel, ein Faß, das 159 Liter fasst. Der Programmierer Michael Mandiberg hat sich den Spaß gemacht und ein Plug-In[x] für den Firefox-Webbrowser geschrieben, welches alle auf einer Webseite angegebenen Preise in Echtzeit und in Rohöl-Äquivalente umrechnet. So kostet eine DVD den Gegenwert von 0,3 Barrels, während für einen iPod nano bis zu vier Fässer in den Laden gerollt werden wollen.

Nie mehr Herzschmerz

"Tag für Tag werden tausende Frauen in aller Welt von ihren Freunden, Verlobten und Ehemännern betrogen," so beginnt die Selbstdarstellung auf der Website DontDateHimGirl.com. Statt teure Privatdetektive anzuheuern, sollen sich die Damen nun selber helfen. Mit ihrer Website will die Journalistin Tasha Cavelle Joseph Frauen eine Möglichkeit geben, sich am besten schon vor der ersten Verabredung über den potentiellen neuen Lover zu informieren. Hat er schon andere enttäuscht? Ist er womöglich schon vergeben oder hat Frau und Kinder sitzen gelassen? Ein Foto gehört natürlich dazu. Besser also, Mann bleibt brav.

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