Netzwelt-Ticker Gates-Player spielt keine Gates-Musik

Der DRM-Irrwitz erreicht einen neuen Höhepunkt: Der neue Microsoft-Musikplayer Zune - angetreten als iPod-Konkurrent - "versteht" keine bei Microsofts MSN gekaufte Musik. Außerdem im Überblick: Konkurrenz für Google Earth, Müllhalde für Wikipedia-Abfall, Film-Downloads für die Xbox und mehr.

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Zune spielt keine MSN-Musik

Das ist wahrlich bizarr: Musik, die man bei Microsofts iTunes-Konkurrent MSN Music gekauft hat, wird möglicherweise nicht auf Microsofts iPod-Konkurrent Zune laufen. Das zumindest legen Aussagen von Microsoft nahe, die die BBC gesammelt hat. Microsoft hat nämlich verkündet, den Musikverkauf über MSN Music zum 14. November einzustellen – am selben Tag, an dem der Zune-Player in den USA in die Läden kommt. MSN-Tracks werden dann inkompatibel zum neuen Audioplayer sein. MP3-Player, die gebaut wurden, um kompatibel mit dem MSN-Laden zu sein, werden nach Firmware-Updates ebenfalls auf Probleme mit MSN-Songs stoßen. Im Zune-Shop gekaufte Musik wiederum funktioniert nicht mit den älteren Playern.

Das Problem ist die Kompatibilität der von MSN verkauften Musik mit den Spezifikationen der Plays-for-Sure-Initiative - was den so hübsch gewählten Namen so zum Widerspruch in sich macht. Die sollte gewährleisten, dass man MSN-Songs auf allen möglichen Audioplayern (Soft– wie Hardware) abspielen kann – beispielsweise im Gegensatz zu iTunes-Songs, die nur auf iPods laufen.

In einem Statement von Microsoft heißt es aber nun: "Da Zune ein neues Angebot ist, das nicht zum Plays-For-Sure-Ökosystem gehört, werden Zune-Inhalte nicht von Plays-For-Sure-Geräten unterstützt." Microsoft macht Apple also auf ganzer Linie Konkurrenz und stellt neben die iTunes-Waren, für die man einen firmeneigenen Player braucht, Microsoft-Musik, für die man einen Zune braucht. Redmond ist das Problem bewusst, daran ändern will der Konzern aber nichts: "Wir werden weder Kompatibilitätstests für andere Geräte als Zune durchführen, noch unsere Software für diese Geräte anpassen."

Das bedeutet allerdings nicht, dass Kunden von MSN Music ihre Musik nicht mehr hören könnten. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sie auf CDs zu brennen oder auf "kompatiblen Playern" abzuspielen. Auch Microsofts Windows Media Player wird mit MSN- wie Zune-Dateien zurecht kommen. Jedoch würde nun jeder Kundendienst für den alten Service eingestellt. Wer den weiter nutzt, darf keine Hilfe bei Problemen mehr erwarten - und ist von Microsofts neuer Zune-Welt ausgeschlossen. Innerhalb kürzester Zeit erleben die Kunden einer Firma also einen Format- und technischen Generationswechsel, der den Wert ihrer käuflich erworbenen digitalen Waren erheblich mindert.

Vor solchen Problemen warnten Kritiker von digitalem Rechtemanagement (DRM) und proprietären Standards schon lange: Letzten Endes werden Kunden daran gehindert, ihre Musik zu hören, wie und wo sie diese hören wollen. Und irgendwann löst sich die gekaufte Ware quasi in Nullen und Einsen auf - weil es keine Hard- und Software mehr gibt, mit der sie sich nutzen ließe.

Microsofts Google Earth-Killer

Mit Virtual Earth, so geht aus einem positiven Mini-Review bei Cnet.com hervor, hat Microsoft einen starken Google-Earth-Konkurrenten in petto, der es in Sachen Wow-Features locker mit dem großen Google-Globus aufnehmen kann – und sogar noch darüber hinaus geht. Wenn da nicht die verflixte Verbandelung mit dem Internet Explorer wäre.

Pluspunkt Nummer Eins sei in Virtual Earth die 3D-Ansicht von Städten. Die bietet zwar auch Google Earth – graue Blöcke in ein paar US-Metropolen. Bei Microsoft sind sie aber mit hochauflösenden Fotos der Gebäude texturiert. Der Flug durch die Stadt erinnert mehr an ein fotorealistisches Computerspiel als an eine Stadtkarte. Bislang liegen 15 US-Städte in 3D vor, bis nächsten Sommer sollen es 100 sein.

Ein weiterer Pluspunkt: Fährt Google mit Google Earth und Google Maps einen zweigleisigen Weg, integriert Microsoft die Globus– und Landkarten-Ansätze in einem Produkt. Wie beim Konkurrenten soll eine Programmier-Schnittstelle den Virtual-Earth-Globus für Mash-ups und Users eigenen Kartentraum öffnen. Aber Cnet.com warnt bereits: Erwarten Sie nicht zu viel, Virtual Earth funktioniert nur mit dem Internet Explorer.

Und so schließt das Review: Virtual Earth ist ein Augenschmaus und wenn Sie ein MSIE-Nutzer sind, dann ist die Integration vom Produkt mit Microsofts Online-Karten ziemlich mächtig.

Eine kostenlose Beta-Version von Virtual Earth finden Sie auf der Live-Search-Seiten von Microsoft.

Adware-Firma zahlt drei Millionen

Zango, einer der größten Adware-Vertreiber, bekannt geworden unter dem Namen 180solutions, hat im Rahmen einer Klage der US-Handelsaufsicht wegen "unfairer und betrügerischer Methoden, Adware herunterzuladen und Konsumenten am Entfernen der Software zu hindern" eingewilligt, drei Millionen Dollar an unrechtmäßigen Einnahmen an die Aufsicht zu zahlen. "Die Computer gehören den Konsumenten und sie müssen keine Inhalte akzeptieren, die sie nicht wollen", wird Lydia Parnes, die Geschäftsführerin des Büros für Konsumentenschutz der amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) in einer Pressemitteilung zitiert. "Wenn Konsumenten sich für Werbe-Pop-Ups entscheiden, dann soll es so sein. Aber das Bundesrecht wird verletzt, wenn Software heimlich installiert wird, die Konsumenten Pop-Ups aufzwingt, die ihre Arbeit am Computer stören."

Laut FTC benutzte Zango oft Dritthersteller, um ihre Adware auf Rechnern zu installieren: Unter den Namen Zango Search Assistant, 180Search Assistant, Seekm, n-CASE und weiteren. Allein in den USA wurde die Software, die Werbeanzeigen gemäß den Surf-Gewohnheiten des Users herunterlädt, angeblich auf mindestens 70 Millionen Rechnern installiert. Über 6,9 Milliarden Pop-Ups konnte Zango so anzeigen – und damit im Jahr 2004 einen Umsatz von 50 Millionen Dollar erwirtschaften.

Zusätzlich wird Zango vorgeworfen, durch fehlende Deinstallations-Routinen und allerlei dreckige Tricks die User daran gehindert zu haben, die unerwünschte Werbesoftware von ihrem Rechner zu entfernen.

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