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16. Mai 2006, 12:42 Uhr

Netzwelt-Ticker

George, der Champion der Netzgemeinde

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Unglaublich, aber (angeblich) wahr: George W. Bush ist die populärste Person im Internet. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Apple-Viren, Neues von den Star-Wreck-Machern, gefälschte Chips, einkaufende Frauen, kostenlose Telefonate und mehr.

Neuer Film der Star-Wreck-Macher

Finnlands bekanntester Film kam niemals in die Kinos, nicht mal ins Fernsehen. Finnlands bekanntester Film ist kostenlos im Netz zu haben und wurde in weniger als zwei Monaten von 3,5 Millionen Leuten gesehen.

Nun haben die Macher von "Star Wreck: In the Pirkinning" neben einer neuen Science-Fiction-Parodie ("Iron Sky") auch eine Website für ambitionierte Filmemacher angekündigt. Die sollen dort zusammengebracht werden und ihr Wissen austauschen: "Die Möglichkeiten des Netzes sind enorm," so Regisseur Timo Vuorensola gegenüber Reuters, "Wenn Du ein bulgarischer Filmstudent bist, könnte es ein Architekt aus Japan sein, der Dir hilft." Wenn Hollywood 90 Prozent der weltweiten Filmindustrie im Griff halte, so Vuorensola weiter, sei es schwierig, von kleinen Ländern aus in die internationale Szene vorzudringen. Die Lösung seien also Internet-Communitys, die grundsätzlich international sind. Das Potential des Internets könne einen guten Film praktisch abheben lassen.

"Star Wreck: In the Pirkinning" wurde nur durch Spenden und Freiwilligenarbeit in sieben Jahren abgedreht. Professionelle Special-Effects und ein Hollywood-Soundtrack stehen sympathischen Laiendarstellern und teils brachialem Humor gegenüber. Den Film gibt es unter der Creative Commons-Lizenz auf der Star Wreck-Homepage.

Die populärsten Personen im Netz

US-Präsident George W. Bush: Im Web populärer als im richtigen Leben?
AFP

US-Präsident George W. Bush: Im Web populärer als im richtigen Leben?

Ob man's glaubt oder nicht – einer Webzählung von "The Pop List" zufolge, ist George W. Bush die populärste Person auf US-Websites. Platz zwei: Bill Gates, gefolgt von George Washington und John F. Kennedy. Erst auf Platz fünf kommt die erste Frau, Popsängerin Madonna. Der US-Präsident wurde über 315 Millionen Mal auf amerikanischen Websites genannt, Madonna immerhin 66 Millionen Mal. Die Pop-Liste für Deutschland wird am ersten Juni veröffentlicht, Mitte Juni folgen dann die Welt-Charts.

Frauen kurbeln Online-Musikverkäufe an

Speckige Holzkisten, zottelige Nerd-Misanthropen an der Kasse und finnischer Minimal-Metal aus den Boxen: Musikläden á la Nick Hornbys "High Fidelity", so das Klischee, wollen sich Frauen nicht antun. Zumindest in Großbritannien scheinen Online-Stores und MP3-Player allerdings tatsächlich das Musik-Kaufverhalten von Frauen zu verändern. Einer aktuellen Studie zufolge, schreibt vnunet.com, besitzen dreiviertel aller Frauen zwischen 16 und 45 in Großbritannien einen MP3-Player oder ein MP3-Mobiltelefon, beinahe zwei Millionen können sich ein Leben ohne die Gadgets nicht mehr vorstellen. Durchschnittlich 10 Pfund gibt ein typischer weiblicher User pro Monat für Online-Musik aus. Frauen, so die Studie, hören öfter Podcasts als Männer – 17 Prozent aller Frauen haben so ein Audio-Abo abgeschlossen, bei den Männern seien es gerade einmal neun Prozent.

Mit Sandpapier Chips gefälscht

Erst Stolz der Nation, dann der große Schock: ein angeblich bahnbrechender Handy-Chip ist laut Peoples Daily Online nur ein Fake. Die Jiaotong Universität von Shanghai gab am Freitag an, dass die Hanxin-Chip-Serie eine Fälschung und die staatlich geförderte Forschung ein Betrug ist; der verantwortliche Wissenschaftler Chen Jin wurde nun bestraft. Die Universität habe ihn von seinem Posten als Dekan und Professor entlassen, seine Forschungsgelder muss er zurückzahlen.

Schon seit einigen Monaten machten laut vnunet.com Gerüchte die Runde, dass etwas mit dem Weltklasse-Mobilchip Hanxin nicht stimmen könne. Im Gegensatz zu Aussagen des Designteams haben die Chips die Erwartungen nicht erfüllen können, die seit einer Präsentation an sie gestellt wurden. Ein Forumpost verbreitete, dass die Präsentationschips in Wirklichkeit Motorola Freescale Signalverarbeiter waren, deren Aufdruck mit Sandpapier weggeschmirgelt wurde. Zwar unterschrieb die Universität von Shanghai diese Version nicht, andere Berichte sprachen aber auch von "ausländischer Technik", die bei der Fälschung zum Einsatz kam.

Kostenlos von Skype aufs Telefon

Bis zum Ende des Jahres wird Skype seinen Usern kostenlose Telefonate in die Mobil– und Festnetze in den USA und Kanada via SkypeOut anbieten. Zuvor kosteten diese Telefonate 2 Cent pro Minute. Nachdem rund um den Globus der Skypeclient von 100 Millionen registrierten Usern benutzt wird, wollte die in Kalifornien ansässige Firma nun besonders potentielle Kunden in den USA und Kanada zum Skypen aufs Telefon überreden. Für alle anderen Territorien wird es das kostenlose Angebot leider nicht geben…

Apple muss Probleme lösen

Mit dem dritten größeren Update-Pack reagiert Apple auf neue Sicherheitsanforderungen. Einst eine geschützte Zone, sehen sich Apple immer mehr Bedrohungen durch Viren und andere schädliche Software gegenüber. So behebt das neue Update 31 Sicherheitslücken in OSX, dem Safari Browser und Multimedia-Komponenten. Von einigen der Lücken, die der Patch schließt, habe Apple, laut MacCentral, von Tom Ferris erfahren. Doch trotz geballter Patchladung habe Apple andere kritische Lücken, die der unabhängige Sicherheitsforscher gefunden haben will, nicht berücksichtigt. Nun will er sie in den nächsten Tagen veröffentlichen.

Immer mehr Stimmen werden derweil laut, dass sich Apple auf die zunehmende Gefährdung durch schädliche Software mit einem Manager für Sicherheitsfragen vorbereiten solle. Zwar sei OSX noch immer viel sicherer als Windows, doch Apple hole bedenklich schnell auf…

Die Farbe, nicht das Wort!

Es gibt nur wenige Spiele, die auf Fehlleistungen des menschlichen Hirns basieren. "Click the Color, not the Word" ist definitiv eines davon. Dabei klingt die Anleitung so einfach: Einfach auf die Farbe klicken, in der das Wort auf dem Bildschirm erscheint – und zwar schneller als die Uhr abläuft. Das Problem: Das farbige Wort trägt den Namen einer Farbe. "Blue" erscheint gelb, "green" in pink. Erstaunlich, wie schwierig ein einfaches Spiel sein kann... Aber wem das zu hektisch und frustrierend ist, der kann ja einfach ganz im Zen-Stil ein wenig Sand fließen lassen. Das beruhigt die Nerven und ist trotzdem ausreichend bunt.

We Feel Fine – Gefühle im Netz

Das Netz ist voller Gefühle. Wer's nicht glaubt, soll sich halt die 170 Millionen Google-Treffer zu "i feel" oder die über 2 Millionen Einträge zu "i am feeling" anschauen – oder das We Feel Fine-Projekt von Sepandar Kamvar und Jonathan Harris besuchen. Über einen Suchroboter wälzen sie Blogs aus aller Welt nach Gefühlen, kombinieren sie mit Bildern der entsprechenden Blogs und dem Treffer-Zitat und stellen sie in einer wuseligen Animation dar. Das ist eindrucksvoll, rührend und einfach so schön, dass man stundenlang genau das tut, was man sonst ja eigentlich nicht so gerne macht: sich mit den Gefühlen Anderer Leute (GAL) auseinanderzusetzen…

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