Netzwelt-Ticker Google im Bett mit der CIA?

Paktiert Google mit den US-Geheimdiensten? Das jedenfalls behauptet ein bekannter Ex-Agent. Außerdem unter anderem im Nachrichtenüberblick: Wikipedia verhindert Wurm-Attacke, Holland legt Wahlcomputer still, Botnet verursacht Spam-Welle - und neuer Nutzen für eine angeblich nutzlose Taste.

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Wiki-Community verhindert Wurm-Attacke

In einen Wikipedia-Artikel eingefügte Links und eine ganze Spam-Lawine sollte gestern die Malware W32.Blaster verbreiten – aber die Wiki-Community schritt schnell genug ein. Nur Minuten nach der Attacke wurde der Angriff abgewehrt.

Die Mail brüllte laut, wie Spam-Mails eben brüllen: "Wikipedia schlägt Alarm. Neue Variante des W32.Blasters im Umlauf. Wurm-Fix zum Download". Ein Link zur Wikipedia sollte Vertrauen schaffen: Wer sich gegen die neue Blaster-Variante schützen wolle, müsse nur auf den Blaster-Artikel in der Wikipedia surfen, dort gäbe es die nötigen Updates.

Und tatsächlich: Wer dem Link zur Wikipedia folgte, konnte dort Links zu den Patches finden – samt Hinweis von Microsoft, dass man zu so einem außergewöhnlichen Mittel greifen müsse, da die Microsoft-Downloadserver ausgefallen seien. Natürlich versteckte sich hinter den Downloads nichts anderes als der W32-Blaster, vor dem sich hereingelegte Surfer eigentlich schützen wollten.

Doch unter den Empfängern der Blaster-Spammail muss auch ein Wikipedia-Autor gewesen sein. Der bemerkte schnell, dass eine einfache Änderung des Artikels nicht viel bringen wird. Der Wurm-Autor hatte auf eine History-Version des Artikel verlinkt, diese Versionen lassen sich nicht ändern. Nur wenige Minuten, nachdem die Spam-Lawine losging, sperrte die Wikipedia deshalb den kompletten Artikel.

Die gesamte Geschichte samt Wikipedia– und Spam-Text zeichnete Gulli auf.

Ex-Agent behauptet: Google und CIA unter einer Decke

Larry Page (unten) und Sergey Brin: Haben sich die Google-Gründer in einen Deal mit US-Geheimdiensten verstricken lassen?
AP

Larry Page (unten) und Sergey Brin: Haben sich die Google-Gründer in einen Deal mit US-Geheimdiensten verstricken lassen?

Leckeres Futter für Verschwörungstheoretiker: Ausgerechnet ein ehemaliger Agent der CIA, der recht prominente Autor Robert David Steele, berichtete in einer amerikanischen Radiosendung über angebliche Kontakte zwischen dem US-Geheimdienst und dem Suchmaschinenbetreiber Google. Steele sagte laut Dailytech.com: "Ich glaube, dass Google einen entscheidenden strategischen Fehler gemacht hat, als sie Verhandlungen mit den 'geheimen Elementen' der amerikanischen Regierung aufgenommen haben." Er hoffe, das sie "da wieder rauskommen", bestenfalls, indem sie sämtlichen Kontakt beenden.

Und so sei auch Googles lautstarke Gegenwehr beim Streit um die Herausgabe von Userdaten gegenüber der US-Regierung nur eine PR-Scharade. "Google war ein wenig heuchlerisch, als sie der Aufforderung des Justizministerium nach Aktenübergabe nicht nachkamen – aber gleichzeitig mit der CIA-Abteilung für Forschung und Entwicklung im Bett waren."

Allerdings: Konkret sind Steeles Enthüllungen kaum und Beweise bringt er erst gar nicht an. Einzig seine Reputation als CIA-Kenner geben dieser Meldung etwas Standfestigkeit. Hat da jetzt ein Insider aus dem Nähkästchen geplaudert, oder ist das alles nur ein PR-Stunt eines EX-Agenten? Dass US-Geheimdienste versuchten, Kontakte mit Google zu herzustellen, stritt übrigens auch Google-Mitbegründer Sergey Brin in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE vor rund drei Jahren nicht ab. Ihm zufolge aber habe sich Google gegen solche Avancen gewehrt.

China: Zensur? Wir?

Während in vielen Ländern einzelne Seiten von Providern gesperrt werden (so auch in Deutschland), führt China seit langem Zensurbestrebungen im Internet an – mit dem wohl effektivsten System zur Unterdrückung von Kommunikation im Netz.

Es muss eine absurde Situation gewesen sein: Beim Internet-Governance-Gipfel der Vereinten Nationen in Griechenland behauptete ein Vertreter der chinesischen Regierung geradeheraus, dass in China keineswegs von Internetzensur die Rede sein könne. Das einzige Problem, so Cnet News.com: Wohl kein anderer Fall von Netzzensur wurde so genau von der Weltöffentlichkeit untersucht, wie die Great Firewall von China.

Unter anderem von einer Studie der Harvard Law School, die zeigt, dass auf über 19.000 Websiten in China nicht zugegriffen werden kann. Ein Bericht eines Konsortiums von britischen, amerikanischen und kanadischen Universitäten kommt zu folgendem Schluss: "Chinas Internet-Filter sind die effektivsten der Welt. Verglichen mit ähnlichen Projekten in der Welt ist Chinas Filter-Regime überall vorhanden, ausgereift und effektiv."

Nur wegen Chinas Zensur richtete Google ein eigenes China-Portal ein – und bekam dafür anstandsgemäß wegen Unterstützung der Zensur von Bürgerrechtlern auf die Mütze. Auch SPIEGEL-ONLINE-Leser sind von der staatlich-paranoiden Bevormundung betroffen: In etlichen Leserbriefen aus China ist von wohl absichtlich verlangsamten kritischen Websiten, blockierten Skype-Logins und gänzlich gesperrten Internetseiten zu lesen. An die Wörter "Falun Gong" oder "Taiwan" traut er sich gar nicht erst ran: "Ob nun FG oder Freiheit für T, ausschreiben will ich es nicht, sonst geht die E-Mail auch nicht durch."

Aber der chinesische Abgesandte schien von all dem nichts zu wissen: In China gebe es keine Software, die Websites blockiert. Auch, dass "manche Leute sagen, dass in China Journalisten eingesperrt wurden", wollte der Abgesandte nicht gelten lassen: Manche der "Hunderten von Journalisten in China" (sic) hätten "rechtliche Probleme". Das aber habe nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun.

Ob gelogen oder falsch informiert, klar wird ein unglaublicher Zynismus gegenüber Dutzenden Menschen, die wegen Meinungen, die sie im Internet veröffentlicht haben, vor Gericht und im Gefängnis gelandet sind oder alltägliche Repressalien erleben. Nicht zu vergessen die unterdrückte Meinungsäußerung auch in anderen Medien. Den unglaublichen Arbeitsalltag von deutschen Korrespondenten in China hat die Website des NDR einmal aufgeschrieben.

Holländische Regierung zieht Wahlcomputer aus dem Verkehr

Die holländische Regierung muss die Bleistifte aus dem Keller holen und schon einmal anspitzen. Denn nachdem ernsthafte Zweifel an der Sicherheit von elektronischen Wahlmaschinen aufgekommen sind, hat die Verwaltung beschlossen, rund zehn Prozent der Wahlmaschinen in den Wahlen nächsten Monat nicht zu verwenden.

Denn mit recht wenig technischem Aufwand kann der Bildschirminhalt der Wahlcomputer aus mehreren Metern Entfernung über die Radiostrahlung, die die Monitore aussenden, repliziert werden. Sprich: Die Wahlcomputer können abgehört werden, das Wahlgeheimnis wäre flöten.

Wie der International Herald Tribune berichtet, wurden die Untersuchungen angestrebt, nachdem sich eine Bürgerbewegung in Holland formierte, die gegen Wahlcomputer auf die Straßen ging. Hollands Entscheidung, nun zehn Prozent der Maschinen erstmal aus dem Verkehr zu nehmen, könnte nun jedoch weit über Hollands Grenzen hinaus Wellen schlagen. Holland galt als Vorreiter in Sachen elektronische Wahl – vielleicht wird es jetzt auch zu einem Vorreiter im Streben nach einer besseren Lösung. Umstritten sind Wahlcomputer übrigens auch in den USA und Deutschland.

Kabellos Fernsehen

Ein Zusammenschluss einflussreicher Firmen der Unterhaltungselektronik-Branche will dem Kabelterror hinterm Fernsehschrank ein Ende machen und High-Definition-Video über eine drahtlose Funkverbindung übertragen. Sieben Firmen haben am Dienstag angekündigt, dass sie das WirelessHD Konsortium gegründet haben, um HD-Fernseher zukünftig über Luft statt Kupfer mit Satellitenreceivern, Kabelbuchsen, Spielkonsolen, DVD-Playern, Camcordern und anderen tragbaren Multimedia-Gadgets zu verbinden. Frühestens 2008 sei es dann soweit mit der neuen Technik, sagen Industrie-Analysten laut AP . Mit größeren Stolpersteinen wird nicht gerechnet, da sich – zum Beispiel im Gegensatz zum Gerangel um Blu-ray oder HD-DVD – die ganze Industrie an einen Tisch gesetzt hat und scheinbar das Gleiche will: Kabel weg!

Fehlt nur noch eine gute Lösung für drahtlose Übertragung von elektrischem Strom. Aber das geht wohl leider nur in Science-Fiction-Filmen so richtig.

Botnet wohl schuld an Spamwelle

Wer sich in den letzten Wochen über das deutlich vermehrte Spamaufkommen gewundert hat, sollte sich nicht weiter Sorgen machen. Weder ist der Spam-Filter defekt, noch hat man sich aus Versehen selbst auf einen Spam-Verteiler gesetzt. Schuld am Anstieg der verhassten Werbemails um ein Drittel bis zum Viereinhalbfachen, da gehen die Expertenmeinungen auseinander, sind laut Register wohl ein oder mehrere Botnetze, die seit einiger Zeit den Spamversand über infizierte Rechner revolutionieren.

Ganze Armeen aus Zombierechnern verschicken hinter Users Rücken heimlich Viagra– und Top-Anlage-Angebote. Dagegen hilft nicht meckern, sondern gegenhalten: Virenscanner aktivieren, Firewall installieren und vor allem Windows-Systeme regelmäßig mit Sicherheitsupdates auf dem neuesten Stand halten.

Tastatur-Revolution im Eigenbau

Aber dann doch noch eine gute Nachricht aus meinem heimischen WG-Thinktank. Nachdem unzählige Leserbriefe zum Capslock-Artikel bei SPIEGEL ONLINE eingegangen sind, hat Mitbewohner Moritz einen ganz pragmatischen Tipp an die Gegner der vermeintlich nutzlosen Tasten: Einfach die Alt-Gr-Taste per Softwaretool mit der Capslock-Taste tauschen. Das @ ist dann ganz bequem mit Ring– und Mittelfinger erreichbar, Sonderzeichen wie die geschweifte Klammer oder der Backslash "\" bequem mit zwei Händen einzugeben. Ist nicht nur bequemer, sondern macht auch mehr Spaß – vERSPROCHEN! Wer andere gute Ideen hat, schicke die bitte an felixknoke@gmail.com, Betreff "Caps". Die besten Vorschläge werden dann hier veröffentlicht.

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