Netzwelt-Ticker Ipod-Killer "Zune" verflucht?

Microsofts iPod-Konkurrent wird schon kritisiert, Skype stellt Drahtlostelefone vor, in Indien gibt es bald Radio mit Bild, Blogger sind (meist) keine Journalisten. Das und mehr im Überblick.


Ist Microsofts "iPod-Killer" Zune verflucht?

Kurz nach der offiziellen Ankündigung von Microsoft,tatsächlich einen tragbaren Audioplayer nach Apples Vorbild an den Start zu bringen, beginnt der große Streit: Hat der/die/das Zune eine Chance gegen den iPod? Eliot van Buskirk ist sich auf Wired.com ziemlich sicher, dass das nicht der Fall sein wird. Einerseits verheiße Microsofts nicht sonderlich spektakuläre Hardware-Geschichte (Xbox und Xbox 360 als einzige Ausnahmen) nichts Gutes, zum anderen aber habe Zune ein grundlegendes Problem.

Ipods: Totale Kontrolle des Ökosystems
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Ipods: Totale Kontrolle des Ökosystems

Der iTunes-Erfolg basiere hauptsächlich darauf, dass Apple durch DRM und völlig unterdrückte Interoperabilität, vor allem aber durch totale Kontrolle des "iPod-Ökosystems" - Webshop, Hardware, DRM-Technik, Software – eine exklusive Umgebung schaffen konnte, die Kunden betreten wollten und aus der sie dann nicht mehr hinaus konnten. Microsoft wird nun genau damit, so die Wired-Kritik, nicht umgehen, iPod-User wohl kaum vom Player-Wechsel überzeugen können. Verschiedene Shops mit eigenen DRM- und Audiolösungen, technische Abstimmungsprobleme und technischer Schnickschnack zulasten von Usability vermiesen das Vorhaben. Buskirks Rat an Microsoft: Vergesst DRM, verkauft unverkrüppelte Musik! Nur dann könnte Zune und das Shop-Drumherum eine wirkliche Konkurrenz zu Apples iPod werden.

Unterwegs Skypen mit vier neuen Wifi-Handys

In einer Pressemeldung hat das VoIP-Unternehmen Skype nun die Zusammenarbeit mit verschiedenen Hardwareherstellern bekannt gegeben, im dritten Quartal dieses Jahres will man eine Reihe von Wifi-Phones im Skype-Shop anbieten. Mit den Handy-ähnlichen Geräten ist mobile Internet-Telefonie ohne Computer möglich. Zum Redeglück reicht eine WLAN-Verbindung ohne Browser-Authentifizierung. Geeignet sind die Telefone deshalb vor allem zu Hause, im Büro oder auf dem Firmengelände. Hotspots in Cafés oder Flughäfen benötigen hierzulande meist eine Authentifizierung, womit Skypen bei Latte flach fällt. Ansonsten funktioniert das Ganze dabei wie normales Skype. Gespräche vom VoIP-Service ins Fest- oder Mobilnetz kosten, untereinander telefonieren Skype-User kostenlos. Nicht unerheblich dürften allerdings die Kosten für die Mobiltelefone ausfallen. Die Dollarpreise bewegen sich zwischen 180 und 250 Dollar, die Preisbestätigung für Europa durch die Hersteller steht noch aus.

Indien mit "Visual Radio"

Ausgerechnet ein neuer Radioservice werde Indien, so Phoneyworld.com, einen Schritt weiter in Richtung IT- und Wirtschaftssupermacht bringen. Denn nach Singapur und Helsinki biete der private Radiosender Radio Mirchi bald auch in Neu-Delhi das so genannte Visual Radio an, mit dem zusätzlich zur Musik (und Werbung) auch Text- und Bildinformationen auf geeignete Empfangsgeräte, zum Beispiel Mobiltelefone, übertragen werden können. Insgeheim hoffen Radiosender dadurch den Erfolg von Radiowerbung und durch Einbindung in die Sendungen, durch interaktives Radio gewissermaßen, die Zuhörerbindung zu steigern.

Eigentlich ist Visual Radio ein relativ alter Hut, seit 2004 arbeiten zum Beispiel die VR-"Erfinder" HP und Nokia mit Radio FFH aus Hessen zusammen. In sechs Ländern (Spanien, Finnland, Singapur, UK, USA und Thailand) unterstützen diverse Radiostationen längst den Ansatz, wie man zum Beispiel auf VisualRadio.com nachsehen kann.

Blogger sind keine Journalisten

Eine groß angelegte Bloggerstudie schließt mit dem Ergebnis, dass gerade einmal fünf Prozent aller Blogger die Nachrichten als Hauptthema haben. Eine Zahl, die laut IndianExpress.com der Auffassung widerspricht, dass Blogs den Journalismus umkrempeln könnten. In der Studie, die am Mittwoch von Pew iIternet und American Life Project veröffentlicht worden ist, gaben 37 Prozent der Befragten an, ihr eigenes Leben und eigene Erfahrungen als Grundlage für ihre Einträge zu nehmen. Elf Prozent sagten, sie bloggten regelmäßig über Politik und die Regierung, sieben Prozent über Unterhaltungsthemen, sechs Prozent über Sport und noch viel weniger über Wirtschafts-, Technik- und Glaubensthemen. Daraus folgert Amanda Lenhart von der Forschungsgruppe, dass Blogs so individuell seien, wie die Leute, die sie schreiben, die meisten Blogger sich aber vor allem kreativ selbst ausdrücken möchten. Ein Drittel der Schreiber sieht Blogs als eine Form von Journalismus an. Ein weiteres Drittel gab an, dass sie oft "journalistische Aufgaben" erfüllten, wie Fakten zu prüfen und auf Quellen zu verweisen, wohingegen 40 Prozent der Blogger niemals eine Quelle oder ein Medium direkt zitiert haben; gerade einmal 11 Prozent korrigieren ihre Posts öffentlich.

Für die Untersuchung riefen die Forscher zwischen Juli 2005 und Februar dieses Jahres 233 Blogger an, zusätzlich seien im April zudem über 7000 Erwachsene (davon 4753 Internetuser, 8 Prozent davon Blogger) in die Studie aufgenommen worden. 54 Prozent der Blogger haben nach eigener Aussage niemals anderswo als in ihrem Blog einen Text veröffentlicht, 77 der Blogger haben bereits Kunst, Fotos oder Videos ins Netz gestellt – im Gegensatz zu gerade einmal 26 Prozent der Nicht-Blogger. Außerdem gehen Blogger kreativer mit Webinhalten um. 44 Prozent der Online-Autoren haben Songs, Texte oder Bilder, die sie im Netz fanden, verändert oder geremixt und dann wieder online gestellt.

Der Tourist-Remover...

… ist eigentlich eine ganz feine Sache. Man kennt das ja: man will nur die hübsche Kirche, den traumhaften Sandstrand oder den einsamen Gipfel fotografieren. Aber Touristen, wohin man schaut. Wo kommen die her, wo gehen die hin? Der neue Online-Service "Tourist Remover"räumt mit den Problemen (jedem einzelnen Problem!) jetzt zumindest auf den Fotos auf. Wer ein und dasselbe Motiv mehrmals aufnimmt und dann durch den Tourist-Remover jagt, sieht wunderhaftes: nämlich weniger und dabei mehr als zuvor. Nur das eigentliche Motiv ist noch zu sehen, flüchtige Gegenstände und Konkurrenten sind vom Bild verschwunden. Die Technik dahinter ist recht simpel, die Software analysiert die verschiedenen Input-Bilder auf Veränderungen, belässt, was konstant und löscht, was nur auf einzelnen Bildern zu sehen ist. Die Sockensandale, die gerade vors Objektiv lief: raus! Das Schweißshirt, das sich durchs Bild hustete, der Rumpelrücken, der sich im Weitwinkel breit machte: raus! Übrig bleibt die Kirche, der Strand, der Gipfel in natürlicher Einsamkeit.

Wer's einmal ausprobieren will, muss sich nur für die Snapmania-Fotocommunity anmelden und aufpassen, nicht selber plötzlich von den eigenen Bildern zu verschwinden …

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