Netzwelt-Ticker: Jessica Simpson ohne Kopierschutz

Von Felix Knoke

Yahoo verkauft personalisierbare MP3s, bald geht die 100-millionste Website online, YouTube ist doch nicht böse und Merkels Schulter-Schreck zieht Internetkreise - das und mehr im Überblick.

Yahoo verkauft MP3 ohne DRM

Eigentlich nur als einmalige Promo-Aktion geplant, könnte Yahoos DRM-freies MP3-Angebot von Jessica Simpsons neuer Single "A Public Affair" ein kleiner Meilenstein für die Anstrengungen des Web-Giganten sein, Musik zukünftig ohne Einschränkungen zu verkaufen. Am Mittwoch hat Yahoo Music angekündigt, die Pop-Datei ohne DRM-Maßnahmen zu verkaufen. Das bedeutet, dass der Song auf jedem Gerät abgespielt und ohne Einschränkung kopiert werden kann – auch auf CDs.

Jessica Simpson: Ohne Kopierschutz bei Yahoo
AP

Jessica Simpson: Ohne Kopierschutz bei Yahoo

Für die meisten Onlineshops und Plattenfirmen ist derzeit am DRM-Schutz nicht zu rütteln, die Nutzungsbeschränkung gilt als einzige Möglichkeit, mit Online- Musikverkäufen Geld zu machen. Das Simpson-Experiment, wie Wired die Aktion nennt, ist aber auch in anderer Hinsicht einzigartig. Käufer können den Song mit einer Auswahl aus Dutzenden Vornamen personalisieren. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Statt den üblichen 99 Cent kostet "A Public Affair" ganze zwei Dollar. Normale Musik ohne Rechtemanagement, so Ian Rogers von Yahoo im Firmenblog, werde sich zwischen ein und zwei Dollar einpendeln. Sympathisch auch die Position von Yahoo bezüglich DRM: "Das hat keinen Mehrwert für den Künstler, das Label oder den Verbraucher. Einzig die Technik-Hersteller profitieren davon, die Kunden an eine bestimmte Technik-Plattform schweißen können." Ob Yahoo damit wohl vom Zensur-Debakel in China ablenken kann?

Bald 100 Millionen Websites online

Das Internet wächst und wächst – einer Studie von Netcraft zufolge, über die TGDaily.com berichtet, so schnell, dass bis zum Ende dieses Jahres 100 Millionen Websites online sein werden. Zum Abschluss der Netcraft-Zählung Anfang des Monats waren es 88.166.395 Domains, 2,87 Millionen mehr als im Juni zuvor. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres wurden 14,1 Millionen neue Internetseiten hinzugefügt, das sind circa 19 Prozent aller Websites, die heute über das Netz erreichbar sind.

Indien hebt Blogverbot auf – oder auch nicht

Der Aufschrei war groß, als ganze Blogger-Communities wie Blogspot.com in Indien nicht mehr erreichbar waren. Grund der Aufregung war ein Schreiben des indischen Department of Telecom (DoT), das Internet Service Provider aufforderte, bestimmte Unterseiten von Websites zu blockieren – zum Beispiel Princesskimberley.blogspot.com. Angeblich, so IBNLive.com verträten dieses und andere Blogs extreme Ansichten, die den Islam verunglimpfen und zu Hass führen. Etwas übereifrig verbannten die ISPs dabei jedoch gleich die ganze Domain aus dem indischen Netz-Raum und unterbrach damit die Verbindung zu Tausenden Blogs und Websites, die meisten davon freilich ohne jeglichen politischen Anspruch. Die massenhafte Blockade ist also aufgehoben, zensiert wird aber weiterhin.

Das war übrigens nicht das erste Mal, dass in Indien Websites zensiert wurden. Seit 2003 kann die indische Regierung Homepages aus verschiedenen Gründen verbieten, wie die BBC ausführlich berichtet. Vor allem Pornoseiten wurden gesperrt, aber auch ein Forum wegen angeblicher "anti-nationaler Aktiväten".

Neue YouTube-Nutzungsbedingungen (Update)

Gestern berichtete auch SPIEGEL ONLINE von der Kritik, die an den neuen Nutzungsbedingungen beim Videodienst YouTube geübt worden ist. Private Musiker und Videofilmer, so der Vorwurf, könnten vom Unternehmen zukünftig ausgenommen werden, ihre Werke ohne deren Einverständnis vervielfältigt und verkauft werden. Den vielen bösen Kommentaren trat ein Sprecher von YouTube nun entgegen – und bekam Unterstützung von Usern, die sich mit Formulierungen in Nutzungsbedingungen auskennen. YouTube sagt: Wir hatten niemals vor, Userinhalte für etwas anderes als die Seite zu nutzen – und dürfen das auch gar nicht. Die Kommentatoren meinen: Auch wenn die Formulierungen sich sehr drastisch anhören, gemeint seien so triviale Fälle wie Screenshots, Serverumzug oder neue Downloadformate, zum Beispiel für Mobiltelefone.

Bushs Nackenmassage ein Netzrenner

Erst sitzt sie da, dann kommt er, dann macht sie eine Grimasse, dann geht er. Als George W. Bush, Teilzeitmasseur und Präsident der Vereinigten Staaten Angela Merkel auf dem G8-Gipfeltreffen eine kleine Nackenmassage verpassen wollte, konnte ja niemand ahnen, dass der fünfsekündige Fernsehmitschnitt davon dank "Bild"-Zeitung am Kiosk und Youtube.com im Netz zum neuen Hype werden würde. Über 100.000 Mal wurde das kurze Video in den letzten beiden Tagen von der Videoseite heruntergeladen; nicht mehr lange und Parodien der kurzen Episode werden als Flashanimation, Videoclips und Onlinespielchen durch die Blogosphäre rauschen, bevor dann wieder alles vorbei ist. Für die Nachrichtenagentur AP war's trotzdem ein Grund, sich einmal mit der neuen Macht von YouTube und Co auseinanderzusetzen.

Größter Sandkasten der Welt

Militär? Spielplatz? Durchgedrehter Landschaftsgärtner? Der seltsame Fund eines deutschen Users von Google Earth verwirrt die Geonerd-Community. Zu sehen ist neben ein paar Häusern so etwas wie ein gigantischer Sandkasten, der aussieht wie eine Miniaturlandschaft mit verschneiten Bergspitzen, einem See und Flüssen. Im Keyhole-Forum wird nun heiß diskutiert, um was es sich handeln könnte. Einige sehen eine frappierende Ähnlichkeit zu der Karakoram Berggegend, andere zum Aksai-Chin-Gebiet, beide von China okkupiert, aber von Indien beansprucht. Andere halten das rund 800 x 1000 Meter große Gebiet für einen Minigolfplatz, eine Hasenfarm oder eine Nahaufnahme von Christian Zieges Gesicht. Das Blog des "Sydney Morning Herald" ist voller toller Erklärungen. Aber akzeptieren, dass das wohl nur ein Truppenübungsplatz ist, will wohl niemand …

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