Netzwelt-Ticker: Negroponte stichelt zurück

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100-Dollar-Laptop-Verfechter Nicholas Negroponte wehrt sich gegen Häme von Bill Gates, Firefox schafft zehn Prozent Marktanteil, mit der PS3 soll man auch bloggen können, Microsoft gibt im Kampf gegen Malware klein bei. Das und mehr im Überblick.

Firefox knackt 10 Prozent

Die Web-Analysten von Net Applications haben am Montag bekannt gegeben, dass ihren Messungen zufolge der Open-Source-Browser Firefox nun endlich die 10-Prozent-Marke für den Marktanteil überschritten habe. Seit Februar dieses Jahres sei der Anteil von 9,75 Prozent auf 10,05 Prozent im März angestiegen. Microsofts Internet Explorer besetze aber mit 84,7 Prozent Marktanteil noch immer ungeschlagen den Spitzenplatz.

Andere Marktforscher, darauf weist Betanews.com hin, haben Firefox schon letzten November die 10 Prozent Marke überschreiten sehen - und in Übersee (also in Europa) sähe es eh viel rosiger für den Firefox aus. Das kann auch SPIEGEL ONLINE bestätigen. Circa 30 Prozent der Leser benutzen den Firefox (Montag, 3. April 2006: 31,91 Prozent), an Wochenenden sogar deutlich über 40 Prozent (basierend auf einer Auszählung von 338 Millionen Page Impressions im März 2006).

Abgeschlagen in der Net-Applications-Studie: Apples Safari mit 3,19 Prozent, Netscape auf dem vierten Platz mit 1,05 Prozent, dann Opera mit 0,54 Prozent und ganz hinten Mozilla Suite mit 0,34 Prozent.

Negroponte verteidigt 100$ Laptop

Negroponte, Mary Lou Jepsen 100-$-Laptop: "Microsoft und Intel im Nacken"
AP

Negroponte, Mary Lou Jepsen 100-$-Laptop: "Microsoft und Intel im Nacken"

Nachdem "One Laptop Per Child"-Begründer und MIT-Professor Nicholas Negroponte Sticheleien von Seiten Microsoft  und Intel einstecken musste, antwortete er nun auf der Tagung LinuxWorld auf die Kritik: "Wenn man sowohl Intel und Microsoft im Nacken hat, dann weiß man, dass man etwas Richtiges tut." Negroponte will unter anderem in Zusammenarbeit mit Google, AMD, Red Hat und Rupert Murdochs News Corp. bis Anfang 2007 fünf bis zehn Millionen der 100-Dollar-Laptops in China, Indien, Ägypten, Brasilien, Thailand, Nigeria und Argentinien verkaufen. Skeptiker, so Wired.com, haben das Design des Laptops kritisiert - und in Frage gestellt, ob Negroponte mit einem Gadget der Bildungsnot in den Entwicklungsländern entgegentreten kann. Im Rahmen der LinuxWorld hat Negroponte selbst seine Pläne, Linux als Betriebssystem des Billigrechners zu benutzen, kritisiert: "Wir brauchen ein schlankeres Linux, das weniger Strom verbraucht." Ziel ist ein Stromverbrauch von 2 Watt, wovon die Hälfte auf Kosten des Displays geht. Das Prototyp-Design mit einer Kurbel als Stromgenerator dürfte nach letzten Meldungen zugunsten eines Wipp-Pedals aufgegeben werden.

Open Source Entwickler fixen schnell

Programmierer von Open-Source-Software haben einem Bericht von CNET News.com zufolge alle Fehler, die in einer von der US-Regierung ausgeschriebenen Bug-Jagd moniert wurden, repariert. Innerhalb von zwei Wochen verarzteten über 200 Entwickler die 900 Softwarefehler, die von der Software-Firma Coverity in 32 Open-Source-Projekten gefunden und in einer Datenbank veröffentlicht worden waren. Einige freie Programme seien nun quasi fehlerfrei. Coverity stellt Software her, die Source-Code auf Bugs hin untersuchen kann. Zusammen mit der University of Stanford und Symantec wurde Coverity von der US-Regierung beauftragt, im Rahmen des dreijährigen "Open Source Hardening Projects", offene Software sicherer zu machen. Und wie nun deutlich wird: Das Projekt ist ein Erfolg. "Mein Eindruck ist, dass die Open-Source-Community Softwarefehler unglaublich schnell repariert", wird Ben Chelf, Chefentwickler bei Coverity, zitiert. Seine Software scannte mehr als 17,5 Millionen Zeilen Code, durchschnittlich fanden sich 0,434 Bugs pro 1000 Zeilen. Am besten kam der Audioplayer XMMS mit 0.051 Fehlern pro tausend Zeilen weg, am schlechtesten das Backup-Tool Amanda mit 1.237 Bugs. Aber kein Problem, die Fehler sind ja nun behoben...

PS3 mit Videoblog-Feature

Glaubt man einer Newsmeldung auf Hexus.net, wird Sonys PS3 eine Blog-ähnliches Feature anbieten. Im Rahmen des Onlineservice "Playstation World" könne man per Eye-Toy-Kamera Video Blogs (vlogs) hochladen und mit anderen Usern teilen. Zusätzlich gäbe es per Playstation Portable (PSP) auch die Möglichkeit, Fotos und die Videos unterwegs zu betrachten. Der eigentliche Clou an dieser Meldung: Während  Microsoft die Xbox 360 als Online-Kommunikations- und Mediencenter pries, könnte diese Video-Blogfunktion nun wirklich ein erster Schritt in Richtung Vernetzung der Wohnzimmer sein.

Microsoft: Computer können nicht mehr von Malware geheilt werden

Im Rahmen der InfoSec Sicherheitskonferenz warnte Microsoft Unternehmen vor neuen Malware-Bedrohungen. Immer mehr der Software-Biester, so ein Bericht auf eweek.com  griffen auf Rootkit-Technik zurück und ließen sich nicht mehr deinstallieren. "Ein Atomschlag aus dem Orbit" sei oftmals die einzige Lösung, so ein Microsoft-Repräsentant. Automatisierte Backups seien deshalb die beste Möglichkeit für Unternehmen, der Plage Herr zu werden. Bei Malware-Befall also eine große Neuinstallation - zwar keine schöne Lösung, aber nur so kann man den Methoden entkommen, die Hersteller böser Software und so manchen Kopierschutz vereint...

Musikindustrie versus Musikfans: 2000 neue Klagen

Die Musikindustrie hat in ihrem Kampf gegen Filesharer 2000 neue Klagen angestrengt. Die International Federation of the Phonographic Industry, IFPI, dazu: "Leute, die illegal Dateien tauschen behaupten oft, sie seien Musikfans. Aber in Wirklichkeit schaden sie Investitionen in Musik, brechen das Gesetz und riskieren Geldstrafen für ihre Aktionen. Es gab nun so viele Kampagnen, die Leute zu erziehen, dass Filesharing schlecht und illegal ist, dass es einfach keine Ausrede mehr gibt, weiterzumachen." Die IFPI hat die Verfahren am Dienstag angekündigt und Eltern gewarnt, über die Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu wachen, gar eine Software der IFPI zu installieren, die es Kindern unmöglich macht, unlizensierte Musik zu hören. Die IFPI führt einen 40 prozentigen Rückgang im Musikgeschäft Portugals auf illegales Fileshareing zurück. Die neuen Klagen betreffen Musikfans aus Österreich, Dänemark, Finnland, Deutschland, Hong Kong, Island, Italien, Portugal, Schweden und der Schweiz. Eine Untersuchung des Branchenverbands besagt, dass ehemalige Downloader aus Angst vor Strafverfolgung oder Viren ihre musikfeindlichen Aktivitäten einstellen.

Derweil überlegt sich ein Schreiber der "Pirate Times", was der wirkliche Grund hinter der Filesharer-Verfolgung sein könnte. Denn, so der Autor, auch wenn immer mehr Downloader heftige Strafen zahlen müssen: Laut einer Studie des kanadischen Verbandes der Musikindustrie kaufen Filesharer mehr Musik, außerdem gingen die Downloadzahlen nicht zurück. Warum dann also die massive Strafverfolgung? Geld! Über 100 Millionen Dollar habe die Musikindustrie bislang an den Klagen verdient, so die simple Berechnung. Anwaltskosten allerdings hat der "Pirate Times"-Autor vermutlich nicht mit eingerechnet...

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