Netzwelt-Ticker Nie wieder E3?

Die weltgrößte Spielemesse E3 scheint von einem plötzlichen Ende bedroht, AOL macht jetzt auch in Video, iPods halten jahrelang, nicht "vier Jahre", Wikipedia-Leser interessieren sich für Israel und Intimrasuren. Das und mehr im Überblick.


AOL auch mit Videoservice

Nach YouTube, Google und Yahoo wird AOL nun auch noch einen Video-Service anbieten, auf dem User eigene Filmchen hochladen und aus einem breiten (teils kommerziellen) Angebot auswählen können. Dazu sei AOL eine Kooperation mit verschiedenen Fernsehstationen eingegangen, von denen Fernsehserien und –shows gekauft oder umsonst gestreamt werden können. Zum Jahresende hin sollen User die Möglichkeit bekommen, Videos zu abonnieren und auszuleihen. Zusätzlich wird AOL wohl einen Video-Suchservice integrieren, der Usern ermöglicht, auch Videos außerhalb des AOL-Dienstes zu finden – ein Konzept, mit dem Google bereits gut fährt, auch wenn Surfer damit ja von den eigenen Seiten fortgelotst werden.

Dass AOL gerade jetzt mit dem neuen Videodienst an den Start geht, scheint kein Zufall zu sein. AOL wird, so vermutet auch Reuters, bald seine E-Mail- und Web-Services kostenlos anbieten, um über Onlinewerbung den Umsatz zu machen, den man letzter Zeit über das eigene Abo-System eingebüßt hat. Besonders das junge, männliche Publikum, bei dem AOL deutlich verloren habe, sei gierig nach Online-Videos. AOL wird ab 4. August unter AOLvideo.com erreichbar sein.

Spielemesse E3 vor dem Aus?

E3 in Los Angeles: Nie wieder Messebabes?

E3 in Los Angeles: Nie wieder Messebabes?

Glaubt man Branchengerüchten und Insider-Informationen auf Next-Gen.biz und anderswo, wird die Computerspielmesse Electronic Entertainment Expo (E3) nächstes Jahr ihre Pforten schließen – und stattdessen ein paar kleine Türchen öffnen. Einige der größten Aussteller der in Los Angeles stattfindenden Messe sollen dem Veranstalter Entertainment Software Association (ESA) bedeutet haben, dass sie sich zum nächsten Jahr vom Messespektakel zurückziehen und stattdessen in kleinere Veranstaltungsräume auswandern würden.

Zuletzt nahmen 400 Aussteller und 60.000 Besucher an der E3 teil. Eigentlich als Fachmesse konzipiert, entwickelte sich die Messe in ihrem 12-jährigen Bestehen immer mehr zu einem millionenteuren Wettkampf um Publikumsaufmerksamkeit – entscheidende Gespräche und Deals fanden allerdings hinter geschlossenen Türen oder auf kleinen Meetings abseits der Messehallen statt.

Der finanzielle Aufwand und die mangelnde Zweckmäßigkeit scheinen nun die prominenten Aussteller zum Ausstieg bewogen zu haben. Die ESA scheint mit massiver Umstrukturierung die großen Aussteller halten und den Fortbestand der E3 zumindest als Marke sichern zu wollen.

OLG: Telekom kann Gebühren für 0190er-Nummern nicht einklagen

Telefongesellschaften können Gebühren, die über 0190er-Nummern (jetzt 0900er-Nummern) anfallen, nicht ohne weiteres gerichtlich einklagen. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz einem Grundsatzurteil festgestellt. Die Telekom, um die es im Verfahren ging, könne nur die üblichen Telefongebühren einklagen, die anderen Kosten seien Sache des jeweiligen Anbieters (Az.: 2 U 42/05).

Mit diesem Urteil wies das Gericht die Klage der Deutschen Telekom gegen einen Kunden ab, der innerhalb eines Monats für 14.000 Euro einen 0190er-Dienst nutzte – Details zum Dienst sparte das Gericht aus. Als der Kunde nicht zahlen wollte, klagte die Telekom - das Landgericht Koblenz zwang ihn zur Zahlung. Diese Entscheidung kassierte das OLG nun wieder ein. Nur wenn die Telekom darlegen könne, dass sie vom Dienstanbieter mit dem Inkasso beauftragt worden sei, könne sie die Gebühren gerichtlich geltend machen. Da die Telefongesellschaft diese Dienste nicht selbst anbietet und keinen Einfluss auf den Inhalt hat, könne sie nicht ohne weiteres klagen. Noch ist das Urteil aber nicht rechtskräftig. Wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung liegt die Sache dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor (Az.: III ZR 58/06)

Hart aber gerecht: Anti-Raubkopiererseite entblößt

Die deutsche Filmindustrie unternimmt so einiges, um die Leute zum Gang ins Lichtspielhaus zu überreden. Kinodienstag, Kinofeste – krude Angstkampagnen unter dem Motto "Raubkopierer sind Verbrecher". Im Netz soll die Seite hartabergerecht.de die Zuschauer das Fürchten lehren, sie davon abhalten, Filme und anderes urheberrechtlich geschütztes Material zu kopieren. Doch nun wird der Kampagne vielleicht etwas zu viel unliebsame Aufmerksamkeit zuteil.

Zum Wochenende stand der Webserver von Hartabergerecht.de für 21 Stunden sperrangelweit offen. Diverse Blogger haben sich seitdem freudig über Serverstatistiken hergemacht. Die fallen dürr aus: Gerade mal 800 Besucher pro Tag, viele davon scheinen Mitarbeiter der Webagentur zu sein, die hinter der Website stehen. Zudem fanden Neugierige heraus, dass man mittels ein paar Unix-Kommandos die Inhalte von sämtlichen E-Cards, die seit April von der Seite verschickt wurden, einsehen kann – völlig unverschlüsselt oder sonst wie geschützt. Natürlich, so ein Kommentar, verzichte die Seite auf eine Datenschutzerklärung.

Sowieso so eine Sache, diese E-Cards auf hartabergerecht.de. Da das Webformular keine Versenderverifikation nötig macht, kann man über den Server problemlos Spam versenden, was Rechtsanwalt Freiherr Günter von Gravenreuth zu einer Abmahnung gegen den Website-Betreiber ZKM bewegte ( Lawblog, Kommentar 21).

Richtigstellung: iPods halten jahrelang, nicht 4 Jahre lang

Die Apple-Sprecherin, die letzte Woche im Chicago Tribune mit den Worten zitiert wurde, iPods seien so konstruiert, dass sie vier Jahre hielten, wies nun darauf hin, dass sie falsch verstanden wurde. Nicht "four years" haben sie gesagt, sondern "for years" – jahrelang, nicht vier Jahre lang. Das ist auch viel sinnvoller, sticheln böse Zungen, vier Jahre wäre ja auch ein bisschen lang gewesen…

Die Wikicharts: Sex bis Plattentektonik

Was bewegt die Welt? In den letzten Jahren versucht Google Zeitgeist dieser Frage über eine Auswertung der häufigsten Suchbegriffe nachzugehen. Für Amerika waren das letzte Woche: Großer Sturm, Miss Universe und British Open (die unschöneren Begriffe werden aus der Statistik allerdings herausgefiltert).

Google-Suchen sind so eine Sache - vielleicht sollte man weniger danach schauen, was Leute suchen, sondern, was sie wissen wollen. Genau diese Aufgabe übernehmen die Wikicharts, die die meist aufgerufenen Wikipedia-Artikel auflisten. Die Themen sind erwartungsgemäß bunt: Israel, Intimrasur, Flugzeugträger, Vagina. Politik und Wissenschaft, Sex und Lifestyle scheinen den Wissenshunger der Leute zu wecken. Aber aufgemerkt: Viele Wiki-Anfragen könnten zum Beispiel von Spambots verursacht werden, die in Wiki-Artikeln und Blogs für Penisvergrößerungen werben wollen. Zum anderen deuten gerade die etwas heißeren Treffer darauf hin, was Suchmaschinen für Suchergebnisse zutage fördern. Der erste Google-Eintrag für Intimrasur führt so zum Beispiel zur Wikipedia.



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