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07. April 2006, 13:00 Uhr

Netzwelt-Ticker

Podcasting - viel Wind um sehr wenig?

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Selbst im Tech-affinen Amerika, behauptet eine aktuelle Studie, nutzten nur Wenige das hoch gelobte Podcasting. Die Aussichten der Technik seien trotzdem prächtig - so wie die von Online-Sex-Spielen. Außerdem im Überblick: Sony dementiert PS3-Preis, wahrhaft abgründige Auto-Navigation und mehr.

Podcasting: Doch nicht so fett?

Nur ein Prozent der US-amerikanischen Online-Haushalte nutzt Podcasts. Das ist das Ergebnis einer Studie der Marktforschungs-Firma Forrester Research. Wieso nur so wenige Menschen tatsächlich die viel gepriesenen Audio-Blogs nutzen, erläutert die Autorin der Untersuchung, Charlene Li, in ihrem Firmen-Blog. Demnach interessierten sich zwar ein Viertel aller Online-Nutzer für Podcasts, möchten aber in erster Linie zeitversetzt Radio hören. Dennoch sieht sie rosige Zeiten für Podcasting anbrechen.

Während derzeit lediglich 700.000 US-Haushalte Podcasting nutzten, erwartet Forrester, dass diese Zahl bis 2010 auf 12,3 Millionen anwächst. Das wäre rund ein Drittel aller für denselben Zeitraum prognostizierten MP3-Nutzer. Firmen empfiehlt sie, statt auf generische Inhalte zu setzen, einfach bestehende Inhalte als Podcast umzusetzen, um den Konsum zu vereinfachen. Das sei viel billiger und könnte auch für ein kleines Publikum realisiert werden. Den Anwendern empfiehlt Charlene Li, Podcasts beispielsweise für Sprachkurse zu nutzen und verweist auf die chinesischen Podcasts, mit denen sie ihr Mandarin auffrischt. Na dann: xie xie Mrs. Li.

Safer Sex 2.0

Die Zeiten, in denen sich Computerspiele mehrheitlich darauf konzentrierten, dem Spieler Gelegenheit zu geben, fiese Monster zu killen oder gegen Darth Vaders Sturmtruppen anzutreten, sind bald vorbei – hoffen einige Spiele-Produzenten. Deren Motto lautet: Make love, not War. Nach ihrem Willen sollen sich die Akteure künftig lieb haben, sehr lieb. Wie die ersten Vertreter dieser neuen Gattung Sex-orientierter Videospiele aussehen, erklärt Peter Svensson von Associated Press.

In "Naughty America: The Game" beispielsweise, kann man vom heißen Flirt bis zum Porno-Dreh alle Spielarten zwischenmenschlicher Körperkontakte am PC nachvollziehen. "Red Light Center" dagegen sieht sich als Community-Spiel. Online können die Spieler in einem virtuellen Rotlichtbezirk ebenso virtuelle Kontakte anbahnen und sich per Headset austauschen. Der Austausch von Körperflüssigkeiten hingegen unterbleibt und macht diese Spielchen so "Safe" wie Safer Sex nur sein kann.

Ein Problem, dem sich die Hersteller allerdings noch gegenüber sehen, ist der Vertrieb. Aufgrund der Altersbeschränkungen können derartige Spiele nicht in den großen Elektronik-Käufhäusern angeboten werden. Nun sucht man nach Alternativen und denkt daran die Sex-Games über den Spirituosenhandel an den Mann zu bringen, denn in Schnapsläden kommt man in den USA nur nach Vorlage eines Ausweises.

Mehr Infos zum Thema Online-Sexspiele und Erotik im Spiel gibt es hier und hier .

Apple wusste vom ITMS

Im Prozess Apple Corp. gegen Apple Computer haben die Anwälte der Prozessgegner ihre Schlussplädoyers gehalten. Dabei kam ein interessantes Detail zum Vorschein, dass der Beatles-Plattenfirma nicht gerade zum Vorteil gereichen dürfte: Sie wussten alles. Bereits vier Monate vor dem offiziellen Start des Online-Musikshops wurde Apple Corp.-Vertretern der iTunes Music Store (ITMS) samt sämtlicher Apfel-Logos, um die es in dem Prozess ja geht, vorgeführt. Einwände hatten sie damals nicht, berichtet "The Register". Nach dem Ende der Anhörungen kündigte der Richter seine Entscheidung für Ende des Monats an.

PS3-Preis falsch

Als dem Präsident von Sony Computer Entertainment Frankreich und Vize-Präsident von Sony Computer Entertainment Europa, George Fornay, vor wenigen Tagen im Radio-Interview ein paar Zahlen zum Preis der Playstation 3 entschlüpften, war das Echo groß. Auch wir berichteten. Nun tritt Sony auf die Bremse: Alles sei ein Missverständnis und auf Übersetzungsfehler zurückzuführen. Statt einen konkreten Preis anzukündigen habe Fornay lediglich gesagt, die PS3 werde teurer als aktuelle Game-Konsolen, aber billiger als ein standalone Blu-ray-Player, berichtet "gamesindustry.biz". Damit ist Preis-Spekulationen wieder Tür und Tor geöffnet.

VoIP für alle

Mit einem Schlag hat sich das Startup-Unternehmens Jajah fast 800 Millionen potentielle Kunden gesichert. Wie "Red Herring" berichtet hat das Unternehmen Exklusivverträge abgeschlossen, wonach Jajahs VoIP-Technologie künftig in das Handy-Betriebssystem Symbian sowie Operas Webbrowser für PCs und Java-Handys integriert werden soll. Bereits heute gebe es mehr als 20 Millionen Opera-Nutzer, 60 Millionen Symbian-Anwender sowie rund 700 Millionen Java-fähige Handys, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Dank Jajahs Technologie sollen diese Anwender künftig ohne spezielle Software via Internet telefonieren können.

"Wenn Ihre technophobe Großmutter Google kann, kann sie auch Jajah", tönt selbstbewusst Jajah Co-Gründer Daniel Mattes. Statt Gespräche ausschließlich per PC über das Internet zu leiten, stellt Jajah zu den jeweiligen Gesprächspartnern Ortsverbindungen her und verbindet diese via Internet. So kann man stets zu günstigen Ortstarifen telefonieren, egal wie groß die Entfernung ist.

Das Buch 2.0

Wer hat eigentlich behauptet, man könne mit digitalen Büchern kein Geld verdienen? Die Autoren von "Getting Real", einem Handbuch zum erstellen von Web-Applikationen, jedenfalls nicht. Mehr als 10.000 Kopien ihres als PDF ladbaren Buches sind binnen der ersten 30 Tage über den virtuellen Tresen gegangen. Nicht schlecht.

Björn Ognibeni zitiert die Autoren in seinem Weblog "Site-9" mit den Worten: "Die gesamten Einnahmen lagen bei 120.000 US-Dollar." Da weder Verleger noch Buchhandel daran mitverdienen, können sich die Autoren fast den gesamten Umsatz in die Tasche stecken. Herzlichen Glückwunsch.

Mit dem Navi an den Abgrund

Geschichten von Autofahrern, die sich blindlings auf ihr Navigationsgerät verlassen und dadurch in heftige Schwierigkeiten kommen, gibt es zu genüge. Im nordenglischen Dörfchen Crackpot gehören die Probleme der Navi-Nutzer allerdings schon zum Alltag. Dort nämlich schicken die Satelliten-gestützten Geräte immer mal wieder ein Fahrzeug einen Trampelpfad entlang auf eine 30 Meter hohe Klippe. Die Anwohner rechnen fest damit, dass früher oder später einer dieser Touristen blindlings den Abhang hinab stürzen wird. Schließlich sei der Weg bestenfalls mit Allrad-Fahrzeugen befahrbar. Und das auch nur, wenn man weiß, was da auf einen zukommt. Also liebe Navigator-Fans: Immer mal aus dem Fenster gucken. Der Apparat weiß nicht alles.

Maxim aus dem All

"Maxim" in der Wüste: Sieht man sogar aus dem Orbit

"Maxim" in der Wüste: Sieht man sogar aus dem Orbit

Um ihre einhundertste Ausgabe zu feiern haben die Macher des Männer-Magazins "Maxim" keine Kosten gescheut. Südlich von Las Vegas, in der Wüste Nevadas ließen sie das Cover ihrer Jubiläumsausgabe in den Maßen 30 mal 22 Meter nachbilden. Nun kann man Cover-Girl Eva Longoria nicht nur aus der internationalen Raumstation ISS, sondern auch mit Google Earth aus dem Weltraum betrachten. Einfach riesig.

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