Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Netzwelt-Ticker: Schweißtrinken im Weltall

Von

Das Tolle an Weltraumtouristen ist, dass sie Zeit haben, im All ein Blog zu führen. So erfahren wir Dinge, die Feuerwehrmann wieder zum Traumberuf kleiner Jungs machen dürften. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Dreifache Attacke auf Windows, Blog-Boom in China, Apple vereinnahmt "Pod" und mehr.

Schweine im Weltall

Weltraumtouristin Anoushen Ansari: Genießt die unverbaubare Fernsicht im Orbit
AFP

Weltraumtouristin Anoushen Ansari: Genießt die unverbaubare Fernsicht im Orbit

"Wir sind uns hier alle ziemlich nahe, wie Geschwister. Es ist wirklich einzigartig, denn wir trinken gegenseitig unseren Schweiß."

Das Leben im Weltall ist nicht immer ein Genuss. Das musste jetzt Anoushen Ansari, Weltraum-Touristin auf der Internationalen Raumstation ISS erfahren - und sie teilt ihre Eindrücke mit allen Interessierten in ihrem Blog. Nach dem sanften Launch, den ersten Freudenschreien und Glückstränen im Orbit scheint noch lange nicht der Alltag in der Schwerelosigkeit einzuziehen. Probleme beim Haarewaschen, Fertignahrungs-Rekombinationen, schwebende Äpfel und, ja, der Wasserrecycler, der Luftfeuchtigkeit - und damit auch Schweißausdünstungen - in Trinkwasser umwandelt.

Dabei verrät Anoushen noch nicht einmal alles: Insbesondere Weltraumstationen sind notorisch bekannt dafür, dass sie wie Pumakäfige stinken - lüften entfällt ja aus naheliegenden Gründen.

Doch ihr interessantes und unterhaltsames Blog macht auch klar: Manchmal braucht man erst ein paar Kilometer Abstand, um zu sehen, wie wertvoll und wunderschön die Erde ist. Und auch wenn man von den irdischen Konflikten im Weltraum wenig mitbekommt, so wird man doch heimkehren als einer, der alle Kraft in die Verbesserung der Zustände auf unserem kleinen blaugrünen Planeten steckt, der in einem total aus der Mode gekommenen Spiralarm der Galaxis unbeachtet eine kleine gelbe Sonne umkreist...

China: In vier Jahren Blogs verdreißigfacht

Trotz aller Zensurbestrebungen hat sich die Zahl der Weblogs in China in den letzten vier Jahren verdreißigfacht. Und in China wird fleißig gebloggt: Letzten Monat ging das 34-millionste Weblog online; 17 Millionen Blogger schreiben aus China heraus für 75 Millionen Blogleser, wie Reuters in Berufung auf die Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

Weiter führe der immense Erfolg der chinesischen Blogs auch zu neuen Märkten für die Werbeindustrie - einige Blogs erreichen mehrere Millionen Leser täglich! Allerdings, so der Bericht weiter, sind nicht alle Blogs so erfolgreich und aktiv: 70 Prozent der Onlinetagebücher seien im letzten Monat nicht verändert worden. Und wie viele der Blogs in Wirklichkeit automatisch von Werbe-Bots erstellt wurden, um für Produkte zu werben oder ein gutes Google-Ranking für kommerzielle Seiten zu erreichen, wurde nicht veröffentlicht.

Achtung: E-Mail-Köder im Umlauf

Mit verlockenden E-Mails versuchen bösartiger Cracker unbedarfte User auf Websites zu locken, die ein immer noch nicht gestopftes Sicherheitsloch im Internet Explorer (IE) ausnutzen. Außerdem tauchte ein neuer Schadcode auf, der dem IE über einen älteren Zero-Day-Bug attackiert, und ein ungelöstes Problem im Windows Media Player ist die Grundlage für eine dritte Web-Attacke, so Techweb.com.

Die Lock-E-Mails versuchen mit einer gefälschten Yahoo-Grußkarte den Empfänger auf eine manipulierte Website zu locken, von dort einen Trojaner auf den Rechner zu schleusen und dann wichtige Informationen wie Passwörter oder Onlinebanking-Zugänge auszuspähen und an den Malware-Programmierer zu senden.

Das zweite Sicherheitsproblem betrifft einen Mangel in der ActiveX-Datei Daxtcle.ocx. Nach einem Proof-of-Concept ist jetzt der erste ernsthafte Versuch bekannt geworden, über Daxtle.ocx bösartige Programme ohne das Wissen des User auf dessen Rechner zu laden. Auch ein vollständig gepatchtes Windows XP mit Servicepack 2 sei nicht gegen den Angriff gefeit.

Über den Webangriff auf den Windows Media Player ist derweil noch nicht viel bekannt - WMP 9 sei betroffen, WMP 10 auch. Doch sonderlich gut scheint der Exploit nicht programmiert zu sein. Manchmal funktioniere er, manchmal nicht - im Gegensatz zu den scheinbar ineffektiv programmierten Viren, die sich erstaunlich langsam verbreiten.

Mit Absicht, wie Alfred Huger von Symantec gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärt. Je langsamer sich Viren verbreiten, desto länger dauert es, bis sie als Gefahr erkannt werden und von Virenscannern erledigt werden können. Zudem konzentrieren sich Virenprogrammierer zunehmends auf bestimmte Gegenden und versuchen, ihre Botnetze und Trojaner-Horden auf die regionalen Geschehnisse abzustimmen - Webangriff mit Lokalkolorit, wenn man so will ...

Onlinevideos sind Mainstream

Es ist nicht lange her, dass schlechtgelaunte Propheten das Ende des Internet vorhersagten, sobald Onlinevideos zu populär werden - das letzte Mal beschwor US-Senator Ted Stevens mit seinen "Das Internet ist eine Reihe von Röhren"-Erläuterungen dieses Szenario. Doch weit gefehlt, Onlinevideos können heute als neuer Wirtschaftsmotor im Netz gesehen werden - YouTube, MySpace, MSN Video, Google Video, AOL Video und wie sie alle heißen sind bereits jetzt Mainstream, wie eine Studie von Accenture herausgefunden hat, über die der Sydney Morning Herald berichtet. Fast 40 Prozent der Internetuser weltweit nutzen die Video-Angebote, allein bei YouTube werden täglich 100 Millionen Videos angeschaut, die Zahlen der Film- und Fernsehangebote im Netz steigen in ähnlichem Maße.

Die Studie, zu der 10.000 Konsumenten in neun Ländern befragt wurden, ergab, dass 38 Prozent der Befragten Internetvideos herunterlädt, aber nur 15 Prozent Videos auf ihrem Fernseher und 8 Prozent auf ihrem Mobiltelefon betrachten. Der Grund für den krassen Unterschied sei die Freude an der Kontrolle über die Inhalte und die Möglichkeit, eigene Videos mit anderen zu teilen, wie der Video-Primus YouTube ja bereits deutlich vorführt.

Und während in Deutschland, den USA und Großbritannien die Nachfrage nach mobilen Videos mit 16 bis 19 Prozent recht schwach ist, wollen in China, Korea und Taiwan zwischen 44 und 58 Prozent der User in den nächsten drei Jahren Videos auf ihrem tragbaren Videoplayer (z.B Handy, PDA, iPod) anschauen.

Apple will "pod" ganz für sich allein

Haben Sie schon einmal jemanden getroffen, der seinen iPod einfach nur Pod nennt? Wahrscheinlich nicht, aber Apple denkt, das sei ein üblicher Begriff für portable Audioplayer und versendete nun ein Anwaltsschreiben an die Softwarefirma Podcast Ready, die ein eigenes Programm vertreibt, mit dem Podcasts über den Windows Media Player heruntergeladen und verwaltet werden können. Mit dem Firmennamen hatte Apple scheinbar kein Problem, einzig die Verwendung des Begriffs "Pod" im Zusammenhang mit portablen Audioplayern will der iPod-Hersteller unterbunden wissen.

In Wirklichkeit will Apple wohl eher die Hoheit über mobile Podcasts erhalten, da Hersteller von tragbaren Wiedergabegeräten die "MyPodder"-Software auf ihre Geräte aufspielen, um dann auf Verpackung und Werbung damit preisen zu können, ebenso wie ein iPod die automatischen Audiodownloads zu unterstützen.

Obwohl "Podcast Ready"-Chef Russell Holliman Apples Begründung reichlich fragwürdig findet, wie er gegenüber Techweb angab, ist er sich nicht sicher, wie es nun weitergehen soll. Ein Rechtsstreit gegen ein deutlich finanzkräftigeres Unternehmen scheint aussichtslos, man warte nun erst einmal ab.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: