Netzwelt-Ticker Udo, der Copyright-Kämpfer

Dass die alten Kamellen unter seinen Songs bald das Copyright verlieren, ist Udo Jürgens ein Dorn im Auge: Er drängte Kanzlerin Angela Merkel, das Urheberrecht weiter zu verschärfen - bis hin zur Internet-Abschaltung für P2P-Nutzer. Das und mehr im Überblick.


Musikindustrie: Udo gegen Angela

Kanzlerinnenberater Udo Jürgens: Würde gern allen P2P-Nutzern das Internet abdrehen
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Kanzlerinnenberater Udo Jürgens: Würde gern allen P2P-Nutzern das Internet abdrehen

Bei Udo Jürgens, 72, fängt es vielleicht erst mit 66 Jahren so richtig an – bei seinen Kompositionen hört es aber nach 50 Jahren erstmal recht abrupt auf. Die Songs, die Udo Jürgens kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb, verlieren 50 Jahre nach Veröffentlichung ihren Schutz. Jeder könnte sie dann kopieren und weiterverbreiten, wenn er wollte - ohne Jürgens dafür um Erlaubnis bitten zu müssen.

Das kann nicht angehen, dachte sich Jürgens und heizte zusammen mit Vertretern der internationalen Musikindustrie auf einem Treffen der Bundeskanzlerin Angela Merkel letzte Woche so richtig ein: Die Schutzfristen müssten "verbessert" werden, das Recht auf Privatkopie eingeschränkt und Tauschbörsenusern der Internetzugang gestrichen werden.

Das alles und noch viel mehr sei nötig, um der deutschen Musikindustrie aus dem Schlamassel zu helfen. Im Jahr 2006 sind die Umsätze mit Tonträgern laut einer GEMA-Bilanz um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das Onlinegeschäft habe diesen Verlust noch nicht auffangen können.

Besonders der Wunsch nach einer Verlängerung der Schutzfristen stößt vielen Bürgerrechtlern sauer auf. Schließlich profitieren davon einzig ein paar alternde, eh schon hoch erfolgreiche Künstler. Das bisschen Für und viele Wider hat Golem.de in einem interessanten Artikel zusammengestellt.

Interessant in diesem Zusammenhang: Die Statistiken des Musikverbandes Ifpi weisen aus, dass die Zahl der über P2P-Börsen heruntergeladenen Songs Jahr um Jahr sinkt: Von 2002 bis 2006 angeblich von 622 auf 374 Millionen Lieder pro Jahr. Parallel dazu sinkt auch der Verkauf von Tonträgern rapide. Die Gesamtzahl aller Downloads inklusive legaler Alternativen ebenfalls. Die Musik-TV-Sender positionieren sich wegen Erfolgsproblemen um, und das Radio hat auch zu kämpfen. Kurzum, CD-Brenner hin, P2P her - der ganzen Branche scheint es zu gehen wie Udo Jürgens: Immer weniger Menschen interessieren sich für ihre Produkte.

Update: Einige Leser reklamierten, die Verwertungsrechte bezögen sich auf eine Frist, die bis 50, beziehungsweise 70 Jahre nach Tod des Autors auslaufe. Hier ist durch die vage Formulierung "Schutz" Unklarheit entstanden: Das Leistungsschutzrecht erlischt 50 Jahre nach Erscheinen des Tonträgers, das Urheberrecht 70 Jahre nach Tod des Urhebers. Das bedeutet: Udo Jürgens Rechte an seinen Kompositionen und Texten laufen nicht aus, so lange er lebt. Auslaufen werden hingegen die Rechte an den Aufnahmen der entsprechenden Lieder und zwar 50 Jahre nach Erscheinen. Das ärgert je nach Verträgen die Musikverlage oder Jürgens selbst, sofern er die Liedern eingespielt, nicht aber geschrieben hat.

Sexuelle Belästigung: MySpace tatenlos?

Acht amerikanische Staatsanwälte haben MySpace einen offenen Brief geschickt, nachdem sie aus geheimen Quellen erfahren haben wollen, dass das Community-Portal zwar von Tausenden Sex-Verbrechern in ihren Datenbanken wüsste, aber bisher nichts gegen sie unternommen habe. Konkret fordern die Briefschreiber nun die genaue Zahl, die Namen und Adressen der bekannten Sex-Straftäter und was genau MySpace bisher gegen sie unternommen habe. Zum Beispiel, ob MySpace die Polizei und die anderen MySpace-User warnte.

Der Brief folgte einer MySpace-Ankündigung vom Dezember, dass das Unternehmen die eigene User-Datenbank mit einer Datenbank aller den Behörden bekannten Sexualstraftäter abgleichen werde. In den letzten fünf Monaten habe MySpace diesen Vorgang getestet. Doch die acht Staatsanwälte haben dem News-Corp-Unternehmen nun eine Frist gesetzt: Bis zum 29. Mai solle MySpace die fraglichen Informationen übermitteln. Wenn nicht, werde man "angemessen reagieren", so ein Staatsanwalt gegenüber der "New York Times".

Hacker beklauen Piraten

Alles, was im Netz ist und über eine große User-Datenbank verfügt, ist potentielles Hacker-Opfer. Das gilt nun auch für Seiten, die man bisher eher auf Seite der Hacker sah. Die umstrittene Torrent-Suchseite Thepiratebay.org, das wohl größte Verzeichnis von größtenteils unlizenziert kopierten Filmen, Software und Musik wurde einer Kopie einer Datenbank beraubt, in der E-Mail-Adressen und Passwörter der registrierten User abgespeichert waren. Aber wie Thepiratebay im eigenen Blog entwarnt: Die Passwörter und E-Mail-Adressen sind verschlüsselt. Und zwar so gut, dass die Hacker sie höchstwahrscheinlich nicht entschlüsseln könnten. Kein Problem also, dumm gelaufen, aber was soll's?

In letzter Zeit häufen sich Datenbank-Diebstähle. Die E-Mail-Adressen und Passwörter sind deswegen so interessant, weil viele User die selben Zugangsdaten nicht nur bei einem Web-Anbieter nutzen, sondern auch für ihr Postfach, für Onlineshops oder andere Communitys. Damit können böswillige Hacker gezielt einkaufen oder spammen gehen oder über sogenannte Social-Hacking-Angriffe vermeintlich vertrauenswürdige Quellen für ihr Übel missbrauchen.

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