Netzwelt-Ticker: Vista-Chef möchte einen Mac

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Microsofts Entwicklungschef für Windows Vista hat verraten, dass er wegen der vielen Probleme lieber einen Mac hätte, Windows gibt's jetzt auch für Roboter, das Word-Leck ist immer noch nicht gestopft, aus Wii-Controllern und Macs werden Lichtschwerter. Das und mehr im Überblick.

Ein Apple-Rechner für den Vista-Chef

Jim Allchin: „Ich glaube unsere Teams haben den Blick dafür verloren, was 'fehlerfrei' bedeutet“
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Jim Allchin: „Ich glaube unsere Teams haben den Blick dafür verloren, was 'fehlerfrei' bedeutet“

Da hat sich Jim Allchin etwas eingebrockt. Der heutige Microsoft Vize-Präsident und ehemalige Leiter der Vista-Entwicklungsabteilung bemängelte im Januar 2004 in einer E-Mail an seine Bosse Bill Gates und Steve Ballmer die schleppenden Fortschritte bei der Entwicklung des Windows-XP-Nachfolgers. „Ich glaube unsere Teams haben den Blick dafür verloren, was 'fehlerfrei' bedeutet,“ beginnt seine Litanei über die Probleme, aus vielen guten Ideen ein arbeitsfähiges Betriebssystem zu stricken. Schließlich geht er sogar so weit zu sagen: „Ich würde einen Mac kaufen, würde ich nicht bei Microsoft arbeiten.“ Ein großer Fehler, wie sich jetzt herausstellt. Denn das vertrauliche Gemecker blieb nicht geheim, sondern wurde im Rahmen eines Gerichtsverfahrens als Beweis vorgetragen. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen aller Vista-Ablehner und Windows-Hasser. Allchin versucht nun ein wenig hilflos, die Wogen zu glätten. Im Windows-Vista-Team-Blog erklärt er, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert worden. Schließlich habe er mit seiner dramatische Drohung nur versucht, dringend notwendige Änderungen im Entwicklungsprozess von Vista zu beschleunigen. Joe Wilcox von „Microsoft Watch“ glaubt ihm das auch, erklärt ausführlich warum und ist sich sicher, dass man Allchin auch vor diesem Weihnachtsfest nicht in einem Apple Store antreffen wird.

Windows für Roboter

Bereits im Juni wurde es angekündigt, nun ist es soweit: Microsoft hat das „Microsoft Robotics Studio“, ein Betriebsystem für Roboter veröffentlicht. Mithilfe dieses Software-Pakets soll es vergleichsweise einfach sein, Roboter zu programmieren. Blechbüchsen, Kabel und Schläuche muss man dafür nicht zu einer Mensch-Maschine zusammenstecken, da die Software unter anderem kompatibel zu LEGOs Mindstorm NXT Bausatz-Roboter-Serie ist. Dass Bedarf für eine solche Software vorhanden ist, zeigt sich laut „CNet“ daran, dass eine Vorabversion bereits 100.000-mal heruntergeladen wurden. Für reichlich Popularität dürfte aber vor allem sorgen, dass das Programm für jedermann kostenlos zu laden und zu nutzen ist. Selbst wer keinen Roboter hat, kann damit im Simulationsmodus herumspielen. Erst wenn aus solchen Spielereien kommerzielle Produkte werden, ist eine Gebühr in Höhe von 399 US-Dollar fällig. Bleibt zu hoffen, dass Microsofts Programmierer auch daran gedacht haben, die von Isaac Asimov bereits vor über sechzig Jahren proklamierten Robotergesetze einzubauen.

Google gibt Web-Tool frei

Wenn Googles-Programmierer Internet-Applikationen wie den Google-Kalender oder Google Maps programmieren, bedienen sie sich des hauseigenen Web Toolkits. Damit lassen sich interaktive AJAX-Programme schreiben, wie sie typisch für das sogenannte Web 2.0 sind. Zu Benutzung durch jedermann wurde diese Software bereits im vergangenen Mai freigegeben. Nun, bereichtet „eWeek“, ist Google noch einen Schritt weiter gegangen und stellt die Entwicklersoftware komplett unter Open-Source-Lizenz. Künftig darf und kann sich also jedermann über den Quellcode des Web Toolkit hermachen, ihn modifizieren, verbessern und neue Funktionen einbauen. Ganz uneigennützig dürfte dieser Schritt allerdings nicht sein. Schließlich bekommt Google auf diese Weise reichlich kostenlose Programmierarbeit von externen Enthusiasten zugeliefert. Zudem weist „tgdaily“ darauf hin, dass es zu den Benutzungsbedingungen des Toolkit gehört, der Software zu gestatten, Informationen über die Nutzung, inklusive Zeitstempel und IP-Adressen, an Google zu senden.

China verschärft Internet-Kontrolle

Anbieter von Online-Spielen und Betreiber von Online-Musik-Shops werden es künftig noch schwerer haben, in China Fuß zu fassen. So berichtet „paidContent.org“, müssen Anbieter von Musik künftig eine behördliche Genehmigung einholen und eine Lizenz als Content Provider erwerben. Import-Musik muss darüber hinaus im Vorwege dem Kulturministerium vorgelegt werden, inklusive der Original-Texte und chinesischer Übersetzungen. Nur was nicht als ungebührlich eingestuft wird, darf vertrieben werden. Auf diese Weise soll das Wachstum eines „zivilisierten und gesunden“ Internet in China gefördert werden. Ausländische Musikdienste sollen gleich ganz ausgesperrt werden. Anbieter von Online-Spielen trifft es ebenso hart. Die müssen „paidContent.org“ zufolge nicht nur für jeden importierten Titel eine Vertriebsgenehmigung einholen, sondern sind zudem dazu verdonnert, monatliche Berichte abzuliefern, um zu beweisen, dass sie ihrem Angebot nicht etwa zwischenzeitlich unerlaubt neue Inhalte hinzugefügt haben. Das sind düstere Aussichten für Chinas Web-Surfer.

Microsoft patcht fast alles

Zum letzten Mal in diesem Jahr hat Microsoft gestern die schon fast traditionellen Sicherheits-Updates am Dienstag in die Runde geworfen. Die sieben neuen Patches sollen insgesamt elf Sicherheitslücken im Internet Explorer, dem Windows Media Format sowie Visual Studio 2005 stopfen. Die Hälfte davon wird als kritisch eingestuft. Mit dieser Veröffentlichung, so „TechWeb,“ stellt Microsoft einen neuen Rekord für die meisten innerhalb eines Jahres publizierten Patches auf. Der nächste „Patch-Dienstag“ steht erst am 9. Januar an. Dann wird es hoffentlich auch einen Flicken für die letzte Woche gemeldete Sicherheitslücke in Word geben. Der fehlt nämlich im Dezember-Pflasterpäckchen.

BlackBerry sieht Schwarz

Die Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Samsungs neues „Blackjack“-Smartphone ist klein, schwarz und hat eine miniaturisierte QWERTY-Tastatur. Aber das ist es nicht, was Research In Motion (RIM), die Erfinder des BlackBerry, daran stört. Stattdessen reiben sie sich an der Bezeichnung des Samsung-Geräts. Darin, so das Argument, tauche nämlich das Wörtchen „Black,“ also Schwarz, auf. Damit würde Samsung potentielle BlackBerry-Kunden verwirren und womöglich gar zum Kauf des vermeintlich falschen Geräts verleiten. Also hat RIM getan, was Firmen in solchen Fällen nunmal tun: Klage gegen Samsung eingereicht. Die Koreaner mögen doch bitte sofort den Verkauf des Blackjack einstellen und außerdem einen angemessene Entschädigung zahlen, fordern die Kanadier. Gegenüber „Newsfactor“ vermutet der Analyst Michael Gartenberg hinter RIMs Klage allerdings den Versuch, andere Firmen davor abzuschrecken, ebenfalls in den Markt E-Mail-zentrischer Smartphones einzudringen. Schließlich, so seine Begründung, könne RIM nur schwerlich losziehen und jedes Produkt mit einem „Black“ im Namen verklagen. Sicher?

Macs als Lichtschwerter

Was passiert, wenn man einen Mac, einen Wii-Controller und einen "Star Wars"-affinen Programmierer zu lange allein lässt? Der Mac mutiert zum Lichtschwert. Einen sinnvollen Einsatzzweck gibt es für diese Art der Wii-Remote-Anwendung ganz sicher nicht. Aber Spaß scheint es zu machen, wenn man sich die Videos begeisterter Lichtschwert-Simulanten anschaut, die in den letzten Stunden bei YouTube auftauchten. Möge die Wii mit Euch sein.

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