Netzwelt-Ticker: Vista zeigt HD-Filme nur auf PCs mit Super-Kopierschutz

Von Felix Knoke

Schlechte Nachrichten für Nutzer mit alten PCs, die auf das neue Windows warten: Ohne zusätzliche HDCP-Hardware zeigt das neue Vista keine Filme von HD-Scheiben. Außerdem: Dünneres optisches Koax-Kabel, flachere Samsung-MP3-Spieler und 25 Gadgets in jedem US-Durchschnittshaushalt.

DRM: Vista macht Probleme mit Highdef-DVDs

Um den Kopierschutz-Anforderungen der Filmindustrie gerecht zu werden, wird Windows Vista High-Definition-Filme nicht auf jedem Rechner abspielen. Gegenüber der Londoner Zeitung "Times" verlautbarte einer der Vista-Chefarchitekten: Wenn der PC eine digitale Verbindung mit einem Bildschirm verwendet, tritt die höchste Kopierschutz-Sicherheitsstufe HDCP in Kraft. Unterstützen der Monitor oder das TV-Gerät diesen "Schutz" nicht, werde Vista das Videosignal blockieren, der Bildschirm bleibt dann schwarz, wenn der Nutzer Blue-Ray- oder HD-DVD-Filme in besonders hoher Auflösung ansehen möchte.

Windows Vista: Streng mit HD-Kopierschutz

Windows Vista: Streng mit HD-Kopierschutz

Einschätzung der "Times": Dieses Eingeständnis ist ein heftiger Rückschlag für Microsoft, nachdem die Firma eigentlich hoffte, dass künftig mehr User ihre PCs als Mediencenter nutzen. In Großbritannien nutzen derweil 15 Prozent aller PC-User eine digitale Verbindung zwischen Rechner und Bildschirm; diese Zahl wird stark steigen. Doch (zumindest noch) unterstützt praktisch kein Rechner-Setup HDCP.

Allerdings - willkommen in der Wunderwelt des Digitalen Rechtemanagements -kann man über ein spezielles Bauteil ungeschützte digitale Verbindungen nachträglich HDCP-kompatibel machen – zu Lasten der Bildqualität.

USA: 25 Gadgets pro Haushalt

Laut der amerikanischen Consumer Electronics Association (CEA) stehen in einem typischen US-Haushalt 25 Elektrogeräte – 1975 waren es nur 1,3. Durchschnittlich gab ein Haushalt letztes Jahr 1500 US-Dollar für Elektronika aus – 2007 sollen es sogar 2000 US-Dollar werden. Vor allem wuchs der LCD-TV-Markt, die Verkaufszahlen stiegen um 160 Prozent. Neue Techniken wie HD-TV und -Video sowie neue hybride Abspielgeräte geben langsam Gas und werden bald die alte Gerätegeneration im Verkauf überholen, berichtet Newsfactor.com.

Wer statt trockener Zahlen lieber wissen will, wie die Gadgets der Zukunft (bitte nicht) aussehen sollen, findet derweil bei Wired eine Galerie der hässlichsten Gadgets der CES-Messe.

Second Life wird Open Source

Groß in den Medien aber nur klein in den Jahrescharts: Trotzdem war die Onlinewelt Second Life neben YouTube und MySpace wohl einer der größten Erfolgsgeschichte des letzten Jahres. Keine Virtuelle Realität konnte zuvor das Interesse von Medienvertretern, Politikern, Musikern und Wissenschaftlern so auf sich ziehen – und gleichzeitig auch ein ganz herkömmlich großer Publikumserfolg sein. Um mit den wachsenden Anforderungen und dem großen Erfolg zurecht zu kommen, hat Second-Life-Hersteller Linden Lab jetzt den Quellcode von Second Life offengelegt und Open-Source-Entwickler zur Mitarbeit aufgerufen: Bugs müssen raus, die Performance soll verbessert werden und jede Menge coole Tools entwickelt werden. Ganz wichtig auch: Second Life ist alles andere als barrierefrei, also nicht problemlos zugänglich für behinderte Nutzer. Hier sei Aufbauarbeit nötig, denkbar sei alles bis hin zur Avatar-Steuerung über neuromuskulären Input oder mittels Augenbewegung, so Linden-Lab-Mitbegründer Philip Rosedale gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Superdünnes Kabel ganz groß

Mit einer prinzipiell vom Koaxialkabel bekannten Technik wollen amerikanische Forscher die Datenübertragung mittels Draht revolutionieren: "Wir machen etwas Altbekanntes – nur, dass wir die Dimensionen des Koaxialkabels entschieden verkleinert haben", so Michael Naughton vom Boston College gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Mehrere hundert Mal kleiner als ein menschliches Haar überträgt das neue Kabel Daten mittels Licht. Wie beim bewährten elektrischen Vorgänger besteht das neue 300 Nanometer dicke Kabel aus einem dünnen Kohlenstoff-Draht, der von einem Isolator umgeben ist, der wiederum von einem Aluminium-Draht umwickelt ist. So könne Licht mit einer Wellenlänge, die den Durchmesser des Drahts überschreitet, als Signalmedium benutzt werden. Somit könnte ein breites Spektrum des sichtbaren Lichts zum Einsatz kommen, was hohe Datendurchsätze bei geringer Größe verspricht. Die Forscher versprechen sich einen Erfolg des neuen Superkabels vor allem in hocheffizienten Solarzellen, sehr kleinen Schaltkreisen und Chips, die mit Licht arbeiten. Aber auch bei Netzhaut-Implantaten könnte die Technik zum Einsatz kommen.

Superdünner MP3-Player ganz klein

Auf der gerade laufenden Elektronikamesse CES stellte Samsung einen wirklich kleinen MP3-Player vor. Der Samsung K3 ist sieben Millimeter dünn, zeigt auf einem OLED-Display mit 4,57 Zentimetern Bildschirmdiagonale an, was man über die berührungsempfindlichen, blau beleuchteten Tasten eingegeben hat. Das K3 ist dabei das schon seit letztem September erhältliche K5 ohne ausziehbaren Lautsprecher, dafür mit Radioempfänger (und somit in Deutschland GEZ-gebührenpflichtig!) und 25 Stunden Spielzeit. 2, 4 oder 8 Gigabyte an MP3-, WMA- oder WMA-DRM-Dateien finden darauf Platz.

Außerdem versprach Samsung laut Reghardware.co.uk, den T9-Mediaplayer neu aufzulegen – mit Bluetooth. Die T9B getaufte Variante unterstütze A2DP, mit dem Audiodaten drahtlosen zum Beispiel an ein Bluetooth-Headset übertragen werden können.

Schafft Gracenote den Waffenstillstand?

So langsam scheint sich der Nebel um die harte Linie, die die Musikindustrie gegen Websites mit Liedtexten fuhr, aufzuweichen. Anfang Dezember letzten Jahres hatte Gracenote – über den zum Beispiel MySpace heraufgeladene Songs auf einen Urheberrechtsverstoß hin prüft – mit 80 Plattenfirmen Lizenz-Verträge bezüglich Songtexten abgeschlossen. In den nächsten Monaten soll es jetzt mit den offiziellen Lyrics über Gracenote losgehen. Bereits heute versorgt Gracenote den digitalen Apple-Musikladen mit Song– und Albuminformationen. Für Bands aus Kanada und den USA übernehme die CMRRA, eine Art kanadische GEMA, die Ausschüttung der Lizenzgebühren an Künstler aus den USA und Kanada, so Gulli.com.

Tim Reckmann von der deutschen Songtextsuchmaschine Songtext.net sagte zu SPIEGEL ONLINE: "Für Deutschland wird sich dadurch erstmal nichts ändern. Der Deal betrifft zunächst wohl nur Addons von kommerziellen Musikdownloads." – Gerüchte sprechen zum Beispiel von einer baldigen Songtext-Einbindung in iTunes.

Makaber: Was sucht Waldo in Apocalypto?

Nur ein blödes Internet-Gerücht oder wahr? Versteckt sich der rot-weiß gestreifte Waldo aus den bekannten Suchbildern im Ethnosplatterfilm Apocalypto? Ein bei YouTube aufgetauchtes Video sagt: ja. Und beweist es – angeblich. In einer Einstellung taucht Waldo für ein Frame, ein Bild des Films auf, eine 24stel Sekunde lang. Das Bild erscheint echt – aber kann das sein? Legte Mel Gibsons Filmteam wirklich einen Darsteller in bunten Klamotten auf einen Leichenberg, wie das YouTube-Video nahelegt?

Weitere Nachrichten

Iran und die Internetzensur, EMI stoppt DRM für Musik-CDs, Handys per Google wiederfinden, Teens und Social-Networks und externe Grafikkarte von ASUS.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tech
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite

E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.