Netzwelt-Ticker Vorsicht beim virtuellen Striptease

In diesen Tagen müssen die Nutzer von Craigslist lernen, dass das WWW nicht das bessere Morgen, sondern oft das böse Heute ist. Mit zum Teil schmerzhaften Konsequenzen. Außerdem im Überblick: Sieben Jahre Haft für Raubkopierer, Deutsche Piratenpartei gegründet und mehr.


Wohin mangelnde Medienkompetenz und zu viel Testosteron im Blut führen können, demonstriert der "Craigslist Sex-Skandal", der letzte Woche mit einem schlechten Scherz begann. Der Amerikaner Jason Fortuny war durch die Vielzahl von Sexanzeigen gesurft, die auf dem Online- Kleinanzeigenmarkt Craigslist abgelegt sind, nahm eine dieser Frau-sucht-Mann Anzeigen und postete sie noch einmal und wartete auf die eintreffenden Antworten.

Vorsicht geboten: Explizite Kontaktwünsche sind im Web nicht unbedingt gut aufgehoben
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Vorsicht geboten: Explizite Kontaktwünsche sind im Web nicht unbedingt gut aufgehoben

Nach 24 Stunden veröffentlichte er jede einzelne der knapp 200 Rückläufer auf einem Wiki mit allen Details, Fotos, E-Mails, Telefonnummern usw. Unter den Absendern war eine ganze Reihe von Firmenadressen bis hin zu jemandem, der einen Rechner des US-Militärs nutzte. Des weiteren veröffentlichte Fortuny das Material auch auf seiner eigenen Website mit der Forderung, seine Leser mögen die Antwortgeber identifizieren. Seitdem der Mann auch seine eigenen Daten veröffentlicht hat, rollt eine Hasswelle durch diverse Foren und ihm werden Klagen und sogar physische Gewalt angedroht.

Kinder erfassen verboten

Einen Schritt weiter im juristischen Geplänkel sind die Betreiber des MySpace-Konkurrenten Xanga. Die wurden nämlich in den USA von der Federal Trade Commission zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Dollar verurteilt. Grund: Xanga hatte wissentlich die Registrierung von unter 13jährigen Mitgliedern zugelassen, und das steht seit 1998 durch den "Children's Online Privacy Protection Act" unter Strafe. Das Gesetz verbietet die Datenerfassung von Personen, die unter 13 Jahre alt sind. Wiederholt hatte die Online-Community die Registrierung von Personen zugelassen, die bei der Altersangabe Zahlen deutlich unter 13 Jahren angegeben hatte.

Sieben Jahre Knast für Raubkopierer

Noch bitterer hat es Nathan Peterson aus Los Angeles getroffen, der zur bisher härtesten Strafe im Zusammenhang mit Raubkopien verurteilt wurde: Der 27jährige muss für sieben Jahre hinter Gitter, befand ein Bezirksgericht in Virginia, so berichtet es CNet. Auf seiner Seite iBackups.net verkaufte Peterson seit 2003 zahlreiche Raubkopien, bis ihm schließlich das FBI auf die Schliche kam und das florierende Geschäft beendete. Die hatten dem Piraten nicht nur einen Umsatz von 20 Millionen US-Dollar, sondern auch mehrere Immobilien und Autos sowie den zweifelhaften Ehrentitel des bisher größten Falles von Softwarepiraterie beschert. Entsprechend dazu muss Peterson auch noch eine Entschädigung von 5,4 Millionen US-Dollar bezahlen.

Polit-Import: Piratenpartei Deutschland

Damit solche für den Einzelnen ruinösen Urteile nicht auch in Europa Schule machen, wurde am Sonntag die "Deutsche Piratenpartei" gegründet. Dabei geht es den Initiatoren nicht um den Schutz von eindeutig kriminellen Machenschaften, vielmehr wollen sie auf grundlegende Reformen im Urheber- und Patentrecht drängen. Nach ihrer Ansicht setzt eine offene Wissensgesellschaft unbedingt das Recht auf Privatkopien voraus, außerdem sollten die Schutzfristen verkürzt werden. Die Partei entstand im Gefolge einer europaweiten Bewegung, die zuerst in Schweden zur Gründung einer Piratenpartei führte.

Sicherheitsleck: Unfreiwillige Daten-Quelle

Teuer zu stehen kommen könnte auch das riesige Sicherheitsleck, das sich bei Quelle.de aufgetan hat. Die Wirtschaftswoche berichtet von einer simplen Möglichkeit zum Betrug: Wer bei seiner Bestellung nicht das Passwort angab, sondern den Link "Passwort vergessen oder gerade nicht zur Hand" anklickte, konnte anschließend beliebige Kundendaten eingegeben. Sogar als einer der ca. 4000 Quelle-Shops konnte man sich ausgeben, so dass die Bestellung zu Lasten des Shops ging, die bestellte Ware jedoch an die anderslautende Lieferadresse ging. Mittlerweile sei diese Lücke geschlossen worden, teilte Quelle mit. Es werde überdies personelle Konsequenzen geben. Das scheint auch nötig zu sein, denn bereits im August stellte das Unternehmen Strafanzeige wegen Betrugsschädigungen in Höhe von 20.000 Euro.

Statistisches: Boom, Boom, Boom

Friedlich und vollkommen legal hingegen baut Firefox weiterhin und kontinuierlich seine Marktanteile aus. Wie das amerikanische Unternehmen Net Applications mitteilte, konnte der Alternativbrowser im Vergleich zum Vormonat im August einen halben Prozentpunkt auf nun weltweit 11,8% zulegen, um den sich übrigens auch der Markteinteil von Microsofts Internet Explorer reduzierte und der nun bei 83% steht. Andere Browser wie Opera (0,64%) oder Safari (3,21%) blieben beinahe unverändert.

Dank der immer weiter gestiegenen Anzahl von Breitbandanschlüssen erfreut sich das Online-Radio zunehmender Beliebtheit, so der Telekommunikationsverband Bitkom. Derzeit gäbe es in Europa ca. 20,4 Millionen Nutzer der der Internetalternative, das seien 5,3 Millionen mehr als noch im vergangenen Jahr. Da die Zahl der schnellen Onlinezugänge weiterhin rasant steigt, rechnen die Verbandsexperten bis 2010 mit über 30 Millionen Nutzern.

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