Netzwelt-Ticker Xbox 360 gehackt

Google bekommt juristischen Ärger wegen angeblicher Pagerank-Manipulationen, Microsofts neue Konsole ist gehackt, Copyright ist wichtiger als menschliches Leben, finden US-Rechteinhaber. Das und mehr im Überblick


Kinderstart verklagt Google wegen Pagerank-Absturz

Kinderstart, eine Website zur Beratung von Eltern hat Google Inc. verklagt, da die Suchmaschine den Pagerank - und damit das Suchranking von Kinderstart.com -  vermindert habe. Die Beratungsseite will laut Reuters nun von Google eine finanzielle Entschädigung und Einsicht in das Bewertungssystem von Google. Das patentierte Verfahren gilt als Googles Erfolgsgeheimnis - mit ihm legt die Suchmaschine fest, in welcher Reihenfolge die gefundenen Seiten zu einem Suchbegriff angeordnet werden. Ein hoher Pagerank (der als Wert von eins bis zehn offen liegt) verspricht dabei eine frühe Anzeige - Kinderstart konnte mit einem hohen Pagerank so bis zu zehn Millionen Seitenaufrufe pro Monat erreichen. Als Google im März 2005 den Pagerank senkte, seien die Nutzerzahlen um 70 Prozent gefallen, die Einnahmen um 80 Prozent, so das Unternehmen. Kinderstart.com hat Google deswegen auf Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung verklagt, der Suchmaschinenbetreiber sei kaum zu kontaktieren gewesen. Ein Begründung zum gefallenen Pagerank gab es erst gar nicht.

Opera-Gründer gestorben

Wie nun bekannt geworden ist, verstarb Opera-Mitgründer Geir Ivarsøy vorletzten Donnerstag an seinem schweren Krebsleiden. Ivarsøy und Jon Stephenson von Tetzchner haben 1995 die Rechte an dem, von ihnen für die norwegische staatliche Telekommunikationsfirma entwickelten MultiTorg Opera-Browser gesichert und darauf ihr eigenes Unternehmen Opera gegründet. Trotz heftiger Konkurrenz hat Opera auf dem Markt überleben können, Opera Software hat mittlerweile über 250 Angestellte. Anfang 2004 hat Geir Ivarsøy seinen Wunsch angekündigt, den Opera-Vorstand zu verlassen, auch wenn er danach noch im Unternehmen aktiv war. In einem offiziellen Opera-Blog ist ein Nachruf zu lesen.

Xbox 360 gehackt

Xbox 360: Jetzt ein offenes System

Xbox 360: Jetzt ein offenes System

Schon vier Monate nach dem Release, so die etwas schadenfreudige Meldung auf Xbox-Scene.com, ist die Firmware der  Xbox 360 geknackt worden. Damit ist es nun möglich, kopierte Spiele auf Microsofts neuer Konsole zu starten, obgleich Chris Satchell, General Manager von Microsoft noch angekündigt hatte, dass die 360 "ein Niveau an Sicherheit bieten würde, das die Hacker-Community so noch nie zu Gesicht bekommen hat". Allerdings: Noch laufen mit der gecrackten Firmware nur identischen Kopien von Spielen. Interessant dürfte es allerdings werden, sobald auch selbstgemachte Software lauffähig wird - schon die alte Xbox wurde dank Bios- und Hardware-Hacks zum kompletten Media-Center, freilich auf rechtlich recht zweifelhafter Basis.

Google muss US-Regierung etwas Einsicht gewähren

Ein Richter hat nach einem Bericht von Associated Press Google Inc. am Freitag befohlen, der US-Regierung einen Blick in die Suchmaschine zu gewähren, wies aber die Forderung zurück, eine Liste aller Suchbegriffe auszuhändigen. In dem 21 Seiten starken Schreiben verpflichtete Richter James Ware Google dazu, dem amerikanischen Justizministerium bis zum 3. April 50.000 zufällig ausgewählte Websites zu übergeben, die von der Website indiziert wurden. Damit will die Regierung eine Studie unterstützen, mit der ein Gesetz wieder in Kraft gesetzt werden soll, das Kinder vor Online-Pornographie schützen soll. Durch Richter Wares Entscheidung, dass Google nun doch nicht auch Suchbegriffe verraten muss, sehen sich das Unternehmen und Datenschützer in ihrer Position bekräftigt.

Pornografie soll auf .xxx-Domain abgeschoben werden

Zwei US-Senatoren haben ein neues Gesetz vorgeschlagen, das Websites, die für Minderjährige schädlich sein könnten, auf eine neu einzurichtende .xxx-Domain verbannen würde. Schädlich sei "jede Kommunikation, also Bilder, Artikel, Aufnahmen oder anderes 'obszönes' Material, inklusive echten oder simulierten sexuellen Akten und unzüchtiger Zurschaustellung von Genitalien oder postpubertären weiblichen Brüsten." Damit soll es Eltern erleichtert werden, ihre Kinder vor Pornographie zu schützen. Eine so breite wie seltsame Allianz aus konservativen Familien-Verbänden, der Porno-Industrie und Bürgerrechtlern sehen das potentielle Gesetz als echte Gefahr - natürlich aus völlig unterschiedlichen Gründen. Ob der Vorschlag es allerdings jemals bis zur Umsetzung schaffen wird, ist eh fraglich. Schon jetzt sagen Experten eine Unvereinbarkeit mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung voraus. Die .xxx-Domain ist schon seit langem umstritten - auch internationale Kritik wurde in der Vergangenheit laut.

DRM wichtiger als menschliches Leben

Was ist wichtiger - menschliches Leben oder Kopierschutz? Die Antwort liegt auf der Hand: Kopierschutz. Zumindest, wenn es nach einem Bündnis verschiedener Copyright-Inhaber geht, das einen Antrag der Interessenverbände CCIA und OSIA auf eine Ausnahmenregelung von DRM-Maßnahmen, die "kritische Infrastruktur und potentiell menschliches Leben" gefährden, zurückwies. Einzelne Ausnahmen könnten zu Verwirrung führen, wo nun Ausnahmen gemacht werden dürften und wo nicht - und so eine Verwirrung sollte vermieden werden. Was das bedeutet: ein Krankenhaus darf nicht aus Sicherheitsbedenken heraus (man denke an das Rootkit-Desaster) DRM-Software deinstallieren um Leben zu schützen. Mehr Details zum fragwürdigen Vorgang und eine erhellende Diskussion über die Beweggründe gibt es auf Freedom-to-Tinker.com.

Survival of the Foto

Was ist der Kern von Internetstardom und Weblog-Exhibitionismus? Klicks! Und genau dem geht das neue Webspiel 25peeps.com auf den Grund. 25 Weblog-Besitzer kämpfen per Bild um die Aufmerksamkeit der Besucher, wer keine Clicks mehr bekommt, muss einem Neuankömmling Platz machen, wer sich über lange Zeit im 25er-Raster halten kann, kommt in die Hall of Fame. Alles ist auf Zeit, selbst das interessanteste Bild wird irgendwann langweilig und muss weichen. Die Regeln sind einfach: privates Portrait-Bild hochladen, mit eigenem Weblog verknüpfen und dann auf massenhaft Klicks hoffen. Interessanter Nebeneffekt - im Gegensatz zu hotornot.de, binichsexy.de und ähnlichen Angeboten gewinnt bislang nicht unbedingt nackte Haut. Manchmal reicht schon eine Bierflasche im Bild, ein Strichmännchen oder ein seltsamer Blick für massenhaft Klicks aufs eigene Weblog...

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