Neues PC-Konzept: Ganz schön oberflächlich

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Gegen den Trend: Microsoft will Rechner nicht kleiner, sondern größer machen. Der sogenannte "Surface Computer" soll ohne Maus und Tastatur auskommen und den PC zum interaktiven Gesellschaftsspiel machen. Ein oberflächliches Erlebnis.

Um große Worte ist Microsoft bekanntlich nicht verlegen. So auch bei der Vorstellung des "Oberflächen-Computers", den Steve Ballmer gestern im Rahmen der "D: All Thing’s Digital"-Konferenz im kalifornischen Carlsbad enthüllte. Der neue Rechner werde nicht weniger bewirken, als die Art, wie wir einkaufen, wie wir essen und wie wir uns vergnügen umzuwälzen. Überhaupt werde der sogenannten "Surface Computer" unser ganzes Leben verändern.

Dazu soll das neue System vor allem Verzicht üben. Den Verzicht auf Maus und Tastatur. Denn statt sich mit irgendwelchen Eingabegeräten abplagen zu müssen, bedient man den Oberflächen-Computer einfach mit den Fingern. Winzige Kameras registrieren Bewegungen und Gesten und übersetzen diese in Steuerungsbefehle für den Computer. Das Resultat: auf der flachen Oberfläche kann man Objekte wie beispielsweise Fotos oder Symbole, die Musikstücke repräsentieren, einfach hin- und herschieben. Das soll so einfach und intuitiv gehen, dass damit jeder noch so unbedarfte PC-Laie klarkommt. Wer weiß, wie man einen Stapel Zeitschriften auf einem Tisch umsortiert, soll auch das neue Microsoftsystem bedienen können.

Und das muss man nicht alleine tun. Die Software ist so konzipiert, dass sie die Eingaben mehrerer Anwender gleichzeitig verarbeiten kann. So ist es beispielsweise vorstellbar, dass man gemeinsam mit virtuellen Fingerfarben an einem virtuellen Bild malt, oder mehrere Teilnehmer eines Computerspiels gleichzeitig ihre Spielfiguren bewegen. Richtig interessant wird das ganze aber, wenn Gegenstände der realen Welt mit Informationen aus dem Computer kombiniert werden. Microsoft-Manager Tom Gibbons: "Stellen sie sich vor, Sie sitzen mit Freunden in einem Restaurant und neben ihrem Weinglas erscheinen zusätzliche Informationen auf der Oberfläche des Tischs, wie beispielsweise, zu welchen Menüs er besonders gut passt."

Alles aus einer Hand

Fünf Jahre Entwicklungszeit widmeten Microsoft-Ingenieure und Programmierer dem ambitionierten Projekt, das unter dem Codenamen "Milan" geführt wurde. Dabei wurde nicht nur die Software, sondern auch die Hardware in Redmonds Laboren entwickelt. Wohl genau deshalb lässt Microsoft das reichliche klobige Gerät auch nicht von einem der üblichen PC-Hersteller fertigen, sondern will die Produktion selber übernehmen.

Noch in diesem Jahr sollen die ersten Exemplare ausgeliefert werden. In den üblichen Elektronik-Supermärkten wird man die Geräte jedoch wohl nicht finden. Daran wird der angepeilte Preis von rund 10.000 US-Dollar (ca. 7440 Euro) erheblichen Anteil haben. Statt in privaten Wohnzimmern wird man das Gerät daher eher in Hotels, Restaurants und Ladengeschäften antreffen - hofft Microsoft.

Darüber, welche Hardware im Inneren ihr Tagwerk verrichtet, schweigt sich Microsoft bislang noch aus. Nur zu dem verwendeten Bildschirm wurde bekanntgegeben, er habe eine Diagonale von 30 Zoll. Über die Auflösung des Displays gibt es dagegen noch keine Angaben. Zur Verbindung mit Netzwerken und dem Internet stehen kabelgebundene und drahtlose Anschlüsse zur Verfügung. Außerdem ist Bluetooth integriert, so dass sich Mobiltelefone oder Drucker anschließen lassen. Als Betriebssystem dient Windows Vista.

Vorerst scheint Microsoft den Verkauf der Oberflächen-PCs jedoch nur für die USA geplant zu haben, denn das Netzteil verlangt nach der in den USA üblichen Spannung von 110 beziehungsweise 120 Volt und kommt mit den in den meisten Ländern Europas üblichen 220 Volt nicht klar. Dennoch macht sich der Konzern keine Sorgen um den Absatz.

Schließlich, so Manager Gibbons, gebe es allein in den USA eine halbe Million Highend-Restaurants und -Läden. Den Anfang sollen unter anderem, die Ladenkette "Harrah’s Entertainment", die Starwood Hotels und T-Mobile USA machen. Wer zum Weihnachtsshopping in die USA reist, könnte also zu den Ersten gehören, die an einen der neuen Tisch-Rechner Hand anlegen.

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