Neues von den Suchmaschinen Weblogs und Videos

Googles Konkurrenten suchen weiter Wege, sich gegenüber dem Marktführer auszuzeichnen. Ask.com setzt dabei auf spezialisierte Dienste wie Recherchen in der Blogosphäre, während Yahoo dem Videotrend hinterher hechelt.

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Am Mittwoch bohrte Yahoo seine Videosuche im Web kräftig auf, indem der Dienst die herkömmliche Suche nach Videos im Web mit den inzwischen üblichen Community-Features a la YouTube verband. Nun also sieht man bei Yahoo nicht nur die bekannten Musikvideos aus dem firmeneigenen Launch-Angebot sowie Fundstücke aus dem Web, sondern auch Videos, die von Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Geordnet ist das Angebot nach empfohlenen Videos ("Featured"), den populärsten, nach Kategorien sowie nach "Tags" - Web 2.0 lässt grüßen.

Die Google-Konkurrenten Ask und Yahoo: Spezialisierte Dienste, um Qualität zu beweisen

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Denn genau danach sollen solche Dienste riechen: Sie erweitern die Möglichkeiten der Interaktion und bieten veränderte Navigationen, indem sie jedes einzelne Video verschlagworten und so auf verschiedensten Wegen auffindbar machen (wie bei Flickr). Das ist auch Yahoo weitgehend fein gelungen, was die Web-Welt allerdings auch nicht verändern wird: Solche Videosservices gibt es seit Jahren wie Sand am Meer, selbst YouTube war ja ein Spätstarter in einem seit langem entwickelten Markt. Heute glänzt nicht der, der so etwas zu bieten hat, sondern es steht der dumm da, der es nicht bietet.

Was den schönen Eindruck von Web 2.0 allerdings gleich wieder zerschießt, ist die Notwendigkeit, sich mit einer Yahoo-ID auf der Seite einzuloggen, wenn man auch die Yahoo-eigenen Videos sehen will. Das verstehe, wer will: Wer sich über Yahoo die Videos von YouTube, Grouper, MTV und weiß der Fuchs wem noch ansehen will, kann dies ungehindert tun. Wer Yahoo-Material sehen will, der muss sich erst einloggen? So kann man den eigenen Erfolg auch verhindern.

Was hängen bleibt, ist dann doch, dass es bei den anderen reibungslos und ohne Komplikationen läuft, während sich Yahoo kompliziert gibt. Und dann macht der Service auch noch Schwierigkeiten: Manche Yahoo-Videos laufen gar nicht ("Fehler 22"), andere deshalb nicht, weil sie nur für die USA lizensiert sind - das altbekannte Ärgernis mit den Angeboten aus Yahoos Launch-Service.

Das ist nicht Yahoos Schuld, sondern liegt an der Lizenzpolitik der Musikfirmen. Es zeigt aber auch die Probleme, die ein Unternehmen hat, das Web 2.0 spielen möchte, ohne dabei auf Copyrights zu pfeifen. So richtig toll klappt die ganze Inhalte-Teilerei nämlich nur, wenn die Juristen nicht so genau hinsehen.

Ask.com: Community, entdeck mich!

Auf mehr Aufmerksamkeit auch in Europa hofft dagegen die Suchfirma Ask. Vor exakt zehn Jahren trat sie mit dem Anspruch an, ihren Nutzern eine andere, vor allem aber eine qualitativ bessere und bequemere Suche bieten zu wollen als die liebe Konkurrenz. Symbolisch stand dafür die Butler-Figur Jeeves, der man die Suchfragen stellen sollte: Als vollständige, sinnvolle Sätze statt als Stichworte. Und vollständig und sinnvoll sollte dann auch die Antwort sein.

So ganz gelang das nie, wenn Ask auch durchaus punkten konnte: In den USA steht die Suchmaschine (seit einigen Jahren ohne ihren Jeeves)  dank der Güte ihrer Ergebnisse auf Platz Vier der beliebtesten Searchengines. Im Sommer letzten Jahres wechselte sie für immerhin 2,3 Milliarden Dollar den Besitzer.

In Deutschland ist Ask bisher weniger bekannt, was sich allerdings ändern könnte. Die Firma hat neben dem Streben, "besser als Google" zu werden, nun auch den Reiz der Nische entdeckt: Neben der allgemeinen Websuche sowie der nach Bildern bietet Ask seit heute auch ein Suchwerkzeug für die so genannte Blogosphäre - die Welt der Weblogs.

Die zeichnen sich bekanntlich vor allem dadurch aus, dass sie in enorm hohem Takt auf dem letzten Stand gehalten werden: Im Idealfall ist ein Blog tagesaktuell, oft reagieren Blogger schneller kommentierend auf das Tagesgeschehen als die traditionellen Medien. Herkömmliche Suchtechnik versagt folglich in der Blogosphäre, liefert als Suchergebnis eher das Blog von vorgestern oder vor zwei Jahren als ein aktuelles. Blogs muss man beobachten wie Nachrichtenseiten.

Das leistet bisher vor allem die englischsprachige Website Technorati, und das in wohl kaum zu schlagender Aktualität und Qualität. Kein Wunder: Hinter Technorati steckt nicht nur eine Maschine, sondern die Maschinerie der Community - die Blogger sorgen selbst dafür, dass sie bemerkt und beachtet werden.

Technorati ist für die Blogosphäre, was Google für das WWW ist. Die zugrunde liegenden Auswahl- und Suchmechanismen hält Technorati geheim, verrät nur, dass es nicht nur RSS- und andere News-Feeds abgreift, sondern Blogs auch auf andere Weise identifiziert und beobachtet.

Auf einen Mix technischer wie menschlicher Intelligenz setzt nun auch Ask, die neue Blogsuche ist als Service von und für die Community gedacht. Im Gegensatz etwa zu Googles Blogsuche, die alles erfasst, was häufig aufgefrischt wird und einen News-Feed darüber ins Web funkt, engt Ask das Sample bewusst ein. Schließlich verbreiten auch herkömmliche Medien Feeds, und Viagra-Verkäufer sowieso: Das wachsende Problem des RSS-Spam mit windiger Werbung könnte mittelfristig dazu führen, dass so mancher Blog-Suchdienst Hygieneprobleme entwickelt.

Dagegen hofft Ask, immun zu sein. Und das sieht so aus: Als Datenbasis für die Suchmaschine von Ask dienen "die Feeds von Hunderttausenden Bloglines-Anwendern".  Der Bloglines-Service erlaubt es seinen Nutzern, Listen von Blogs und RSS-Feeds im Web zu hinterlegen, die zu personalisierten Nachrichtenüberblicken montiert werden. Ask überlässt also die Auswahl der zu beobachtenden Blogs nicht einer Maschine, sondern einer Community und hofft so, qualitativ hochwertige Angebote von "Blog-Spam" scheiden zu können.

Bei der Auswertung der Ergebnisse kann der Nutzer zwischen einer Voreinstellung wählen, die die Relevanz eines Suchergebnisses anhand einer gewichteten Mischung von Aktualität und Popularität einschätzt - oder er gibt dem einen oder anderen Kriterium den Vorzug. Zu den weiteren Features gehört die Möglichkeit, von Ask zugelieferte News zu bestimmten Themensträngen über diverse RSS-Reader zu abonnieren.

Eingrenzen lässt sich auch, in welchen Sprachräumen der Blogosphäre gesucht werden soll. "Default" ist das deutsch - und das macht den Dienst vor allem für hiesige Surfer, die des Englischen nicht so mächtig sind, interessant. Die einfache Handhabung in sehr konventioneller, googlehafter Minimaloptik, die Reduktion auf Standard-Suchmaschinenelemente und wenige, klar benannte Navigationen könnte echten Neulingen die Blogosphäre erschließen, die an Technorati scheitern wie der sprichwörtliche Ochs vor dem Berg.

Fazit: Für die noch immer vergleichsweise kleine Schar der Bewohner der Blogosphäre ist das alles kein Technorati-Ersatz und weitgehend überflüssig. Für die große Mehrheit der Web-Nutzer aber erschließt es neue Möglichkeiten, sich auch die nicht von kommerziellen Unternehmen dominierten Ecken des Webs anzusehen. Gut für Ask, gut für die Blogger. Über Erfolg oder Misserfolg entscheidet dagegen der Nutzer - und der wird schnell sehen, ob ihm der neue Service etwas Nützliches zu bieten hat.

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