Nintendo DSi: Die Kreativ-Konsole

Von Dennis Schirrmacher

Nun darf auch unterwegs gezappelt werden. Nintendos tragbare Spielkonsole DSi kann man wie die Wii mit Körperbewegungen steuern. Außerdem hat der Hersteller einige Kreativ-Funktionen eingebaut. Wer mit dem Vorgänger DS zufrieden ist, findet aber wenige Anreize zum Wechseln.

Einfach auf der Spielekonsole daddeln, das war gestern. Heute will man damit sein Gehirn trainieren. Sogenannte Edutainment-Software liegt im Trend. Mit Titeln wie "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" beispielsweise konnte der Konsolenhersteller Nintendo viele Nutzer begeistern - und neue Zielgruppen ansprechen. Mehr als hundert Millionen Exemplare des tragbaren Spielgeräts wurden bislang weltweit verkauft.

Nun hat Nintendo den DS aufgemotzt, bringt als Nachfolger den DSi auf den Markt. Die neue Version wartet mit Kreativ-Funktionen auf, ist leichter geworden und hat größere und hellere Bildschirme bekommen. Neu sind auch zwei integrierte Kameras, mit denen sich nicht nur Fotos aufnehmen lassen, sondern die auch benötigt werden, um Spiele durch Gesten zu steuern.

Mit der Innenkamera kann der Konsolenspieler Selbstporträts aufnehmen. Die zweite Kamera ist an der Außenseite angebracht, kann also benutzt werden, um die Umgebung abzulichten. Einmal aufgenommen, sind die Bilder per Touchscreen leicht zu bearbeiten und zu verfremden. Ein Gesicht lässt sich beispielsweise zum breit grinsenden Wasserkopf dehnen oder mit einer Sonnenbrille verfremden. Ernsthafte Bildbearbeitung ist das wohl kaum, aber der DSi ist ja auch eine Spielkonsole, soll vor allem Spaß machen.

Musikplayer ohne MP3

Schnappschüsse werden im 256 Megabyte großen Speicher der Konsole oder auf SD-Karte gesichert. Theoretisch könnte der DSi damit bis zu 32 Gigabyte große Speicherkarten mit Bildern vollschreiben. Sinnvoll nutzbar sind solche Kapazitäten aber nicht, da die Kameras Fotos lediglich mit einer Auflösung von 0,3 Megapixeln (640 x 480 Bildpunkte) aufnehmen - selbst bei Handys sind heutzutage Kameras mit mindestens drei Megapixel Auflösung üblich. Ein weiteres Manko ist die mäßige Bildqualität. Die Kameras sind nicht sehr lichtempfindlich. Im Dämmerlicht entstehen oft Aufnahmen mit störendem Bildrauschen.

Auch Audioaufnahmen kann man mit dem DSi anfertigen und verändern. Stimmen können verzerrt, Songs mit Effekten wie beim Scratchen einer Schallplatte unterlegt werden. Für erwachsene Nutzer ist diese Spielerei sicher nur kurzzeitig unterhaltsam. Viele von ihnen hätten es wohl begrüßt, wenn die Konsole als Musik-Player auch das gängige MP3-Format unterstützen würde. Nintendo entschied sich aber für das von Apples iTunes genutzte AAC-Format.

Einkaufen mit Nintendo-Points

Mit der Markteinführung der DSi-Konsole öffnet Nintendo auch den DSi-Online-Shop. Wie für die Wii-Konsole können Spiele und Anwendungen im Internet gekauft und heruntergeladen werden. Bezahlt wird mit sogenannten Nintendo-Points. 2000 dieser Punkte kosten etwa 20 Euro. Für die günstigsten Downloads sind 200 Punkte einzulösen. Kostenlos ist ein Internet-Browser. Der unterstützt allerdings kein Flash, Videos von Seiten wie YouTube lassen sich nicht ansehen.

Bei den Bezahlprogrammen gibt es neben Denk- und Minispielen, die nur kurze Zeit unterhalten, die Anwendung "WarioWare: Snapped!" (5 Euro), die über die Kamera gesteuert wird. Wie bei der Wii navigiert der Nutzer mit Körperbewegungen durch das Spiel. Leider erkennt die Konsole nicht alle Gesten optimal. Aber schon nach einer halben Stunde hat der Spieler alle Funktionen kennengelernt. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Anwendung nur ein Vorgeschmack auf kommende Spiele und Anwendungen ist. Nintendo hat bereits eine Anwendung zum Erstellen von Trickfilmen angekündigt.

Spielkonsolen: Die aktuelle Generation
Wii
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Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .
Playstation 3 und 2
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Der direkte Konkurrent von Microsofts Xbox 360 - die beiden Konsolen konkurrieren um die Hardcore-Gamer, die auch bereit sind, für hochauflösende Spielgrafik einen entsprechenden Fernseher zu kaufen. Im März 2007 kam die Konsole in Europa auf den Markt. Im Juli 2008 gab es sie entweder mit 40- oder mit 60-GB-Festplatte - im August 2009 wurde die PS3 slim vorgestellt, mit 120-GB-Festplatte und für einen niedrigeren Preis als das Vorgängermodell. Damit ist sie immer noch die teuerste unter den aktuellen Modellen. Die PS3 gibt ein hochauflösendes Videosignal über einen HDMI-Ausgang aus. Als einzige, momentan erhältliche Spielkonsole enthält sie ein Blu-ray-Laufwerk, mit dem sich auch hochauflösende Blu-ray-Discs abspielen lassen. Einen ausführlichen Test des ersten PS3-Modells finden Sie hier.

Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.

Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".
Xbox 360
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Microsofts High-Definition-Konsole ist von den drei aktuellen Konkurrenten am längsten auf dem Markt, nämlich seit Ende 2005. Microsoft schraubte seitdem mehrmals an Preis und Ausstattungsmerkmalen. Die 360 hat ein normales DVD-Laufwerk.

Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus. Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.

Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.
Sony PSP
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Die Playstation Portable, auf dem Markt seit 2005, ist Sonys erster Versuch, von dem traditionell von Nintendo ("Gameboy") beherrschten Markt für mobile Spielgeräte ein Stückchen abzuzwacken. Seit 2007 gibt es eine etwas dünnere Version namens Slim and Lite. Die Mobilkonsole kann nicht nur Spiele darstellen, sondern auch Filme und Musik abspielen. Außerdem lässt sie sich per W-Lan mit dem Internet verbinden. Filmdownloads und andere Inhalte können von der PS3 auf die PSP verschoben werden, außerdem kann die Mobilkonsole über einen Internetzugang als eine Art Fernbedienung für die PS3 benutzt werden. Die PSP ist auf dem Markt für mobile Spielgeräte Zweiter hinter Nintendos DS. Im Juni 2009 wurde das neue Modell PSP go vorgestellt, das ein herausschiebbares Unterteil mit den Bedienelementen darauf aufweist und deshalb deutlich kleiner ist, dafür aber kein Laufwerk mehr für Sonys UMD-Disk-Format hat. Spiele, Bilder, Filme und Musik sollen darauf direkt heruntergeladen werden. Die 2008 eingeführte PSP 3000 mit UMD-Laufwerk soll aber weiterhin produziert werden. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen PSP finden Sie hier .
Nintendo DS
Der Nintendo DS ist seit 2005 in einer ersten Version auf dem Markt, seit 2006 in einer schlankeren Ausgabe namens DS Lite (abgebildet). DS steht für "dual screen". Die Konsole hat einen normalen und in der unteren Hälfte einen Touch-Screen. Spiele werden über Tasten oder aber einen Stylus, mit dem der Touchscreen bearbeitet wird, gespielt. Der DS lässt sich wie die PSP über W-Lan mit dem Internet verbinden, auch Online-Spiele und Spielereien wie Bilder-Chat sind so möglich. Mit Spielen wie "Nintendogs" und "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" erschloss der DS neue Zielgruppen für Mobilkonsolen. Der DS ist das derzeit meistverkaufte mobile Spielgerät. Seit der Markteinführung wurden der kleinere DS Lite und zuletzt, Ende 2008 bzw. Anfang 2009 der DSi nachgeschoben. Letzterer weist als Neuerung unter anderem zwei etwas größere Bildschirme und zwei VGA-Kameras auf (eine auf der Bildschirm-Seite, eine auf der Gehäuse-Außenseite). Einen Testbericht über die erste Version des Nintendo DS finden Sie hier , einen Bericht über den aktuellen DSi finden Sie hier . Seit März 2010 gibt es den DSi XL, der einen größeren Bildschirm (4,2 Zoll) verfügt. Bei der Electronic Entertainment Expo im Juni 2010 in Los Angeles stellte Nintendo ein neues Gerät namens 3DS vor, das dreidimensionale Darstellungen auf einem der beiden Bildschirme erlaubt, ohne eine Spezialbrille erforderlich zu machen. Preis und Erscheinungstermin wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht genannt.
Für mehr Sicherheit sorgt beim DSi die W-Lan-Verschlüsselung nach dem WPA2-Standard. Aber auch hier gibt es eine Einschränkung. WPA2 ist nur bei DSi-Anwendungen wie etwa dem Opera-Browser nutzbar. Wer Spiele von der älteren DS-Konsole online spielen will, muss auf die weniger sichere WEP-Verschlüsselung zurückgreifen.

Soll man also zu dem 170 Euro teuren DSi greifen? Unterhaltung bietet der reichlich, denn alle alten DS-Spiele funktionieren auch auf dem neuen Gerät. Die wenigen bisher angebotenen Download-Titel laufen aber nur auf dem DSi, ebenso wie die lustigen Möglichkeiten, Schnappschüsse zu verfremden. Wer also bereits einen Nintendo DS der ersten Generation besitzt, wird bei der Neuauflage wenig finden, was die Anschaffung rechtfertigen würde. Wer dagegen erstmals eine Taschenkonsole anschaffen will, liegt beim DSi sicher richtig.

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