Die Karriere des Game Boy begann 1990. Fünfzehn Jahre lang beherrschte das Spielgerät sein Marktsegment, erlebte einige Generationswechsel und überlebte ebenso viele Konkurrenten. Segas "Game Gear", Ataris "Lynx" und einige mehr gehörten dazu: Viele Große aus der Videospielbranche wollten an Nintendos monopolähnlicher Marktposition sägen und sind dabei gescheitert.
Auch jetzt sieht es so aus, als könne sich Nintendo nur selbst gefährlich werden - jedenfalls bis Sony mit seiner "Playstation Portable" Ernst macht. Nintendos neues System namens "Dualscreen" oder kurz "DS" dürfte der vielleicht letzten Game-Boy-Generation das Grab schaufeln. Denn warum einen "Game Boy Advance SP" kaufen, wenn der "DS" alles besser kann und dabei noch bezahlbar bleibt: Preise unter 150 Euro scheinen fair für eine Menge Hightech im kompakten, wenn auch nicht gerade schönen Gehäuse. 650.000 "DS" pusht Nintendo nach eigenen Angaben zum Verkaufsstart europaweit in die Geschäfte, und 2,5 Millionen dazu passende Spiele.
Und was bekommt man mit dem "DS"?
Beim "DS" fallen auf den ersten Blick die zwei namengebenden Bildschirme auf. Oben einer, unten einer, dazwischen ein Klappscharnier, so dass sich die Schirme gefaltet und geschützt unterbringen lassen. Die Idee scheint zunächst absurd. Wer soll sich schon auf zwei bewegte Bilder gleichzeitig konzentrieren können? Aber es klappt und ist in der Praxis für sehr viel mehr gut, als nur die Darstellung der Action auf einem Sichtfeld und die Unterbringung von Statusanzeigen auf dem anderen.
Gerade der berührungsempfindliche Touchscreen ist für Überraschungen gut. Dass man mit dem Finger oder dem beiliegenden Zeigestift über die Oberfläche des unteren Bildschirms streichen und dadurch einen Helden durch ein Abenteuer lenken kann, das ist eine interessante Erfahrung. Nach dem Willen von Nintendos Visionär Satoru Iwata soll der Touchscreen auch Menschen und Videospiele zusammen bringen, die mit Daddelsoftware sonst nichts am Hut haben.
So ganz klappt das mit der neuen Zugänglichkeit aber noch nicht. Die Steuerung einiger Spiele wirkt bisweilen eher verkrampft. Die Spiele produzierende Industrie muss mit der Handhabung offenbar erst noch Erfahrungen sammeln.
Funknetzwerk eingebaut
Dem Ziel der natürlichen Bedienbarkeit möchte das "DS" außerdem durch das an der Stirnseite untergebrachte Mikrofon näher kommen. Es soll eines Tages vielfältige Funktionen übernehmen. Momentan kann man beim Reaktionstest "Wario Ware Touched" Kerzen auspusten, bald soll der "DS" via Spracherkennung die Kommandos des Spielers erkennen oder die Worte direkt zum Mitspieler weiterleiten.
Denn die drahtlose Vernetzung von bis zu 16 "DS" ist durch die eingebaute Funknetzwerk-Technik ein Kinderspiel. Gerät einschalten, und auf Kommando sucht der "DS" nach Systemen in der Nähe. Das klappt erstaunlich zuverlässig und mühelos, sogar durch Wände und je nach Beschaffenheit der Umgebung im Umkreis von 20 bis 50 Metern. Das Funknetzwerk ist tatsächlich eine Attraktion. Mit der eingebauten "Pictochat"-Software schiebt man Texte und Zeichnungen hin- und her, so mühelos wie früher die Spickzettel. Da ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der "DS" Schulverbot bekommt.
Das fixt an: "Leihspiele" auf Zeit
Nach dem Schlussgong laden einige "DS"-Titel zum Geselligsein im Mehrspieler-Modus ein. Einige Spiele kopieren sich per Funknetzwerk auf andere Geräte und bleiben dort bis zum Ausschalten erhalten. Dann reicht ein Spielmodul, und man kann andere "DS"-Besitzer zum daddeln einladen. Das klappt zum Beispiel beim Puzzlegame "Polarium" und dem Jump'n'Run-Knüller "Super Mario 64 DS". Einmal kaufen, einstecken und dann gemeinsam mit anderen "DS"-Besitzern Bausteine wegpuzzeln und durch Röhren hüpfen. In naher Zukunft soll man nach dem Willen von Nintendo-Boss Satoru Iwata an zentralen Hotspots in Geschäften und Kinos Probespiele auf sein DS laden können. In Tokio wurde gerade ein Pilotprojekt beendet.
Fazit
Tatsächlich stecken im "DS" also eine Menge gute Ideen, verknüpft mit einer problemlosen Handhabung. Das Plastikgehäuse sieht billig aus, fühlt sich aber angenehm an und liegt bei Kindern wie Erwachsenen gut in der Hand. Steuerkreuz, Feuertasten und Aktionsknöpfe an den Schultern sind prima erreichbar, der eingebaute Akku hält sich wacker. Er muss erst nach acht bis zehn Stunden Dauerbetrieb für rund drei Stunden an die Steckdose.
Die Bildqualität geht in Ordnung. Helden, Monster und Kulissen sehen scharf, bunt und kontrastreich aus. Da flimmert nichts, und auch bei schnellen Bewegungen zieht nichts die für LCD-Monitore typischen Schlieren hinter sich her. Allerdings kommen die 3D-Effekte selbst auf den kleinen Bildschirmen ziemlich grob aufgelöst rüber. Räumliche Grafik sieht deutlich besser aus als auf dem Game Boy Advance, aber weniger schön als auf stationären Systemen.
Das der "DS" auch die rund 600 Titel vom Game Boy Advance schluckt, ist ein nettes Extra, aber kein notwendiges. Denn bereits zum Start sind 14 reinrassige "DS"-Games verfügbar, alle auf winzigen Steckmodulen, zu Preisen zwischen 30 bis 40 Euro. Viele Geschmacksrichtungen sind abgedeckt, bald sollen alle Genres besetzt sein. Nach Herstellerangaben haben Nintendo und 45 Lizenznehmer momentan etwa 120 Titel in Arbeit, die meisten davon sind bis Jahresende verfügbar.
"Nintendo DS". Hersteller: Nintendo. Preis: ab 140 Euro. Ausstattung: Konsole mit Akkupack, Demospiel "Metroid Prime Hunters ", Ladenetzteil und Ersatz-Zeigestift.
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