Niue Welcome to WLAN-Island

Das Land mit der weltweit besten Web-Infrastruktur heißt Niue. Das ganze Land ist ein einziger WLAN-Hotspot, über den potenziell jeder umsonst surfen könnte. Bisher besitzt jedoch erst jeder sechste Einwohner einen PC.


Traumstrand auf Pazifikinsel: Surf-Gebiet in jeder Hinsicht
GMS

Traumstrand auf Pazifikinsel: Surf-Gebiet in jeder Hinsicht

Ein Streit ist geschlichtet: Seit Jahren beanspruchen gleich eine ganze Reihe von Ländern, die "most wired nation" der Welt zu sein, das am dichtesten vernetzte Land. Finnland war da seit langem der übliche Verdächtige, doch auch Singapore, Schweden, Dänemark, Kanada und andere meldeten immer wieder ihre Ansprüche an. Vorbei, denn ab sofort ist das alles Makulatur: Niue heißt das bestverdrahtete Land der Welt, denn mehr als 100 Prozent kann man ein Land nicht vernetzen.

Und das auch noch drahtlos: Schon seit längerem unterhielt die "Internet Users Society Niue" einen Wireless-Hotspot rund ums Insel-Internetcafe. Denn die Mikronation besteht aus nicht mehr als einem 259 Quadratkilometer großen Kalkstein-Atoll, das sich bis zu 60 Meter aus dem Südpazifik erhebt. Rund 1750 Menschen ist das Eiland Heimat, das Surfern nun in mehr als einer Hinsicht einiges zu bieten hat.

Denn Niue ist WLAN-Country. Selbst der hinterletzte Felsen lädt nun dazu ein, sich mit dem Laptop niederzulassen und los zu surfen. Auf Niue könnte jeder Einwohner umsonst ins Netz, und das auch noch schnell.

Dahinter steckt kein ambitionierter Modellversuch eines Telekommunikations-Riesen, sondern privates Engagement. Rund 300 Einwohner von Niue, glaubt die Internet Society, verfügen über einen Computer, etliche mehr frequentieren das Internet-Cafe.

Das ist nicht nur Brücke zum Rest der Welt, sondern auch Hoffnungsanker für die örtliche Wirtschaft. Seit Niue - wie eine große Nation - über eine eigene Länder-Domain verfügt, hoffen die Einwohner, diese auch zu Geld machen zu können: Bisher sorgen nur der kleine, aber feine Tourismus und minimale Ernte-Exporte für Umsatz.

Wie viele andere Kleinnationen hat Niue die "nu"-Domäne an ein Unternehmen lizensiert, das entsprechende Internet-Adressen frei verkauft. So kommt es, das aus unerfindlichen Gründen gut 90 Prozent aller Niue-Webseiten in schwedischer Sprache erscheinen, und auch in den Niederlanden erfreut sich das "nu"-Kürzel großer Beliebtheit. Das Unternehmen, das die Nu-Namen für 30 Dollar pro Jahr verscherbelt, sitzt allerdings Medfield, Massachusetts und ihre Server stehen in New York, während echte Insulaner ihre Webseiten auf einem Server in Wellington, Neuseeland hinterlegen.

Insel-Website: Wirr, aber inspirierend

Insel-Website: Wirr, aber inspirierend

In dieser Woche stellt der Domain-Registrar als Beispiel-Website die Musikseite "irishmusic.nu" vor, die unter einem polynesischen Länderkürzel deftige keltische Klänge aus Detroit, USA, bietet. Wen so viel Grenzenlosigkeit verwirrt, der findet Rechner-lose Erholung im WiFi-Land: Immerhin acht Hotels bieten ihre Dienste an, und Polynesian Airways fliegt die Insel jede Woche an (wenn es das Wetter erlaubt). Wohl ungewohnt doppeldeutig sagt das der Werbespruch eines örtlichen Hotels so: "It may be hard to get to, it may be difficult to pronounce, but: THE HARDEST PART IS LEAVING!"

Beschäftigung, sagt das Tourist Office, gäbe es aber auch dann genug, wenn man das Laptop tatsächlich zu Hause gelassen hätte: Neben Golf und dem örtlichen Bodybuilding-Studio, Wal-Beobachtungen, Tauchen und diversen anderen Wassersprotarten gibt es auf Niue auch eine große Fußballbegeisterung. Schon verhandelt der Inselrat mit der FIFA: Ein neuer Angstgegner für unsere Nationalelf?



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