Office-Software Zwei gegen Microsoft

StarOffice 6 und OpenOffice.org laufen mit ausgereifter Qualität und großem Funktionsumfang auf unterschiedlichsten Betriebssystemen, lesen beinahe jedes Dateiformat - und sie sind unschlagbar billig. Eine Kurzkritik.

Von Marc Störing


StarOffice: Open-Source-Entwicklung mit Zusatz-Benefits in der kommerziellen Version

StarOffice: Open-Source-Entwicklung mit Zusatz-Benefits in der kommerziellen Version

Nachdem Sun Microsystems die Hamburger Firma Star Divisions mitsamt dessen Hauptprodukt StarOffice im Jahre 1999 gekauft hatte, erschien das damals aktuelle StarOffice 5 zunächst kostenlos. Gleichzeitig gab Sun den Quelltext unter der von Linux bekannten General Public License (GPL) frei und setzte auf die freiwillige und unentgeltliche Mitarbeit der Community.

Anscheinend mit Erfolg. Nach rund eineinhalb Jahren Arbeit an 7,5 Millionen Zeilen Programmcode legte eine internationale Gemeinschaft von über 10.000 Entwicklern nun die Office-Suite "OpenOffice.org" vor. Um einige Komponenten ergänzt, vertreibt Sun das Paket als "StarOffice 6" - ein Muster, das man inzwischen kennt: Auch Netscape 7 beruht auf der Programmierarbeit von Open-Source-Begeisterten, die ihren Browser unter dem Namen Mozilla veröffentlichten.

Im Vergleich zu OpenOffice.org bietet StarOffice 6 zusätzlich Cliparts und Vorlagen, zusätzliche Dokumenten-Filter, bestimmte Schriften, eine Datenbank, eine leistungsstarke Rechtschreibprüfung und Silbentrennung. Das sind nicht für jedermann dringend wichtige Funktionen, und eine - wenn auch etwas schlechtere Rechtschreibprüfung - ist auch für OpenOffice.org als Zusatzdownload verfügbar.

Eindrucksvoller Funktionsumfang

Die größte Neuerung gegenüber dem gemeinsamen Vorfahren ist der Abschied vom integrierten Desktop.

OpenOffice.org: Gemeinschaftsentwicklung von geschätzt 10.000 Programmierern

OpenOffice.org: Gemeinschaftsentwicklung von geschätzt 10.000 Programmierern

Die ungewöhnliche Eigenart, quasi eine eigene Benutzeroberfläche über die des jeweiligen Betriebssystems zu legen, störte viele Anwender und fraß System-Ressourcen.

Insgesamt wartet das Office-Duo mit dem gesamten Standard-Umfang für den Bürobedarf auf: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm, Zeichenprogramm, HTML-Editor und Formeleditor. Die einzelnen Programme sind jeweils stabil, schnell, intuitiv bedienbar und brauchen auch in puncto Funktionalität und Fehlerfreiheit den Vergleich mit ihren entsprechenden Pendants der Microsoft-Office-Suite nicht zu scheuen.

Oft schlagen sich StarOffice/OpenOffice.org sogar besser, so etwa bei sehr langen Texten mit Fußnoten und eingefügten Grafiken oder Tabellen. Die Mathematiker unter den Anwendern dürfen sich über einen Formel-Editor freuen, der dem Microsoftschen Gegenspieler deutlich überlegen ist.

Auch beim Dateiformat haben die beiden Neuen gute Karten: Während Microsoft-Office-Dokumente schnell und häufig ohne ersichtlichen Grund recht groß werden, bestechen hier StarOffice/OpenOffice.org mit dem fortschrittlichen XML Format, das durch zusätzliche Kompression für geringe Dateigrößen sorgt. Fehlende Kompatibilität ist ebenfalls kein Argument, denn das Programmduo liest und schreibt problemlos alle erdenklichen Dateiformate anderer Anwendungen und Anbieter.

Flexibel: Wer sich auf StarOffice/OpenOffice einlässt, hat mehr oder minder freie Dateiformatwahl

Flexibel: Wer sich auf StarOffice/OpenOffice einlässt, hat mehr oder minder freie Dateiformatwahl

Abgesehen von diesen Qualitäten ist aber nach wie vor der Preis das Hauptargument für eines der beiden Programme. Das "kostenlose" OpenOffice.org ist da unschlagbar: Der Preis macht sich an der individuellen Internet-Anbindung fest. Je schneller, desto billiger wird das: Immerhin sind rund 51 Megabyte aus dem Internet zu laden.

Paradoxerweise könnte StarOffice 6 davon profitieren, jetzt wieder Geld zu kosten: 89,95 Euro sind für ein vollgütiges Officepaket ein sehr konkurrenzfähiger Preis. Bisher legten viele Händler mangels Verdienstmöglichkeiten dem Kunden nur ungern kostenlose Software nahe. Nun haben sie wieder einen Grund, StarOffice zu empfehlen.

Ob da wohl jemand nervös wird?



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