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Opera 8: Lohn der Mühen?

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In vielerlei Hinsicht haben die von Opera eingeführten Features seit Jahren Vorbildcharakter für die Entwicklung anderer Browser. Auch mit Opera 8 legen die Norweger wieder ein schickes Programm voller guter Ideen vor - und hoffen darauf, dafür mit wachsenden Marktanteilen belohnt zu werden.

Opera 8: Norwegischer Super-Browser?
[M] Opera

Opera 8: Norwegischer Super-Browser?

Bei "Opera" denken die einen an im Grenzbereich menschlicher Möglichkeiten singende Stimmakrobaten, die anderen an Latein: "Mühsal", "Qual" heißt die Übersetzung der Vokabel dort, aber auch "Arbeit".

Eine Menge Mühsal, Qual und Arbeit hat das norwegische Unternehmen Opera auch damit, seinen seit 1996 vertriebenen Browser populär zu machen. Bei den frühen Programmversionen war das kein Wunder: Allzu umständlich und "anders" kamen die Programme daher - auch, wenn sie von Anfang an gegenüber Konkurrenzprodukten punkten konnten.

Seit geraumer Zeit ist Opera nun mit knapp unter drei Prozent Marktanteil so etwas wie der Apple unter den Browsern - mit einer treuen Kundschaft, die auf das Produkt schwört, sich aber auch nicht vermehren will.

Bitter für die Norweger dürfte auch der Erfolg der Mozilla-Browser - und hier maßgeblich von Firefox - sein: Der wiederholte Hinweis aus dem Opera-Fan-Lager, dass Opera alles, was Firefox und Co können, viel früher geboten habe, ist zwar richtig, hilft aber auch nicht weiter. Opera hält seinen Marktanteil, während Firefox wächst: Mitte April überstieg der Marktanteil von Firefox in den Statistiken von SPIEGEL ONLINE die 30-Prozent-Marke. Wirklich durchsetzen konnte sich Opera bisher nur auf dem Markt für Mobilgeräte (Handys, PDAs etc.).

Für die rund 200 Angestellten um Opera-Chef Jon Stephenson von Tetzchner ist all das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Zum siebten Mal (die Generation 1 gab es nie) heißt es nun aus Oslo: Neuer Browser, neues Glück.

Den Charakter der siebten Programmgeneration sollen die drei Stichworte "Speed, Security, Simplicity" beschreiben. Mit der Geschwindigkeit hat Opera seit längerem schon keine Probleme: Mit einer Installationsgröße von rund 24 MB ist Opera zwar kein Fliegengewicht, bewegt sich aber trotzdem schlank und schnell durch das Web.

Vorbildlich übersichtlich: Alle wichtigen Einstellungen mit einem Mausklick zu erreichen

Vorbildlich übersichtlich: Alle wichtigen Einstellungen mit einem Mausklick zu erreichen

Zur Erhöhung der Sicherheit gibt Opera Rückmeldung über die Identität einer "sicheren Webseite", gleicht deren Angaben und Zertifikate ab und gibt so Sicherheitsempfehlungen bei Downloads. Den aufmerksamen, informierten Surfer soll das davor bewahren, auf Spyware herein zu fallen.

Weniger "Expertenwissen" verlangt der voreingestellte Popup-Blocker und der Rest der Sicherheits-Einstellungen: Vorbildlich gelöst ist, dass man diese nicht in den Tiefen des Programmes suchen muss, sondern auf der ersten Ebene der Klappmenüs im Seitenkopf findet. Unter "Schnelleinstellungen" lassen sich mit einem Klick Cookies blockieren, wenn man will, Scripte aktivieren oder abschalten.

Bequem ist auch, dass man Passworte für bestimmte Webseiten vorab ablegen kann (und dann dort gar nicht mehr gefragt wird), mit einem Klick alle Histories, Cookies und Cache-Inhalte löscht oder seine verschiedenen Mail-Accounts verwaltet. Kein Zweifel: In Sachen "Simplicity" hat das einst so verschwurbelt-komplizierte Opera die Nase vorn und kann locker mit Firefox konkurrieren.

Viele Bonbons

Und da hört es nicht auf. Von Maus-Gesten, über die sich der Browser per Wedel-Bewegung steuern lässt (bei Opera schon länger Standard) bis zur leidlich funktionierenden Voice-Control reicht das Spektrum. "Opera, open window", "Opera, close page" oder vor- oder zurück-Kommandos versteht der Browser sofort, den Rest muss der User trainieren.

Markiert man einen Text auf einer Webseite, reicht der Klick auf die rechte Maustaste, und man bekommt ihn verständlich, wenn auch seelenlos vorgelesen (bisher nur Englisch). Wer stattdessen lieber eine Übersetzung des markierten Textes will, bekommt die ebenfalls per Mausklick: Opera greift dazu auf den Systran-basierten Dienst von Lycos zurück.

Dessen Ergebnisse liegen irgendwo zwischen nützlich und lustig. In der Regel ahnt man zumindest, worum es im übersetzten Text geht: "Grasen Sie zwischen den Seiten, geöffnet und schließen Sie Fenster und steuern Sie Verbindungen mit schnellen Mäusebewegungen." Zumindest für den Einsatz im diplomatischen Dienst ("English to Japanese") ist die Sache also nicht zu empfehlen - aber für den Hausgebrauch okay.

Wer sein Englisch stattdessen selbst verbessern will, schaut (per Mausklick) im Wörterbuch nach, wenn er die Bedeutung eines Wortes nicht kennt oder läßt sich einen Begriff im Lexikon erklären.

Spielereien, die Übersicht schaffen: In der "Kachel-Ansicht" kann man mehrere Webseiten "querlesen"

Spielereien, die Übersicht schaffen: In der "Kachel-Ansicht" kann man mehrere Webseiten "querlesen"

Das alles sind letztlich fest eingefügte Links zu Kooperationspartnern, aber durchdachte und kundenfreundliche Services: Lob, wem Lob gebührt.

Clever sind auch Features wie die Wiederaufnahme einer Surfsession an der Stelle, wo man den Browser zuletzt nutzte oder die Möglichkeit, einen ganzen Haufen herausrecherchierter Seiten als zusammenhängenden Bookmark-Block ("Sitzung") abzuspeichern. Da reicht am nächsten Morgen ein Klick, und alle geöffneten Fenster vom Vortag sind wieder präsent.

Übersicht schafft Opera auch über die Struktur einer Seite, indem er alle dort enthaltenen Links zusammenträgt und abrufbereit hält (im so genannten Panel "Links"). In dieser anwählbaren linken Spalte schaffen zudem ein Verlaufsordner, ein Download-Manager und ein "Block" für eigene Notizen Ordnung. Eine kundenfreundliche Kleinigkeit ist auch die eingebaute Zoom-Funktion (von 20 bis 1000 Prozent), die Anpassung übergroßer Webseiten an das Browserfenster (nie wieder "Seitwärts-Lesen") oder die Möglichkeit, den ganzen Browser per "Skin" nach eigenem Geschmack umzugestalten.

Abstriche

Während des Tests stürzte Opera einmal ab. Ursache war eventuell die zu schnelle Anforderung von mehreren Sprachfunktionen hintereinander. Der Absturz ließ sich nicht wiederholen.

Als Manko behält Opera da letztlich nur sein Geschäftsmodell, an dem sich immer schon zahlreiche Surfer stießen: Die kostenlose Software wird über ein Werbefenster finanziert, das am oberen Browserrand steht und nicht ausgeblendet werden kann. Wer werbefrei browsen möchte, muss die kostenpflichtige Version für 34 Euro erstehen.

Die gibt es für die Betriebssysteme Windows 95/98/ME/NT/2000/XP, Mac, Linux, FreeBSD, Solaris, OS/2 und Psion (auch da setzt Opera Maßstäbe) und zunächst in den Sprachen Englisch, Deutsch, Polnisch und Niederländisch. Opera lässt weitere Sprach-Module für den Browser folgen.

Fazit:

Opera gelingt es einmal mehr, mit guten Ideen und nun auch mit klaren Strukturen Maßstäbe für die Browser-Entwicklung zu setzen. Die besten Ideen werden sich - wie immer - binnen kurzer Zeit auch in anderen Browsern finden. Das Programm ist es aber auf jeden Fall wert, getestet zu werden.

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