Paris Buh-Rufe für Steve Jobs

Apple-Chef Steve Jobs ist daran gewöhnt, von seinen Fans gefeiert zu werden. In Paris jedoch erhielt er einen Dämpfer. Die Begeisterung hielt sich anfangs in Grenzen, von Seiten der anwesenden Händler gab es sogar vereinzelte Buh-Rufe.

Von Michael Stein


Skepsis, wenig Begeisterung, sogar Buh-Rufe: So etwas ist Steve Jobs, der "Showman" des Computer-Business, nicht gewöhnt
AFP

Skepsis, wenig Begeisterung, sogar Buh-Rufe: So etwas ist Steve Jobs, der "Showman" des Computer-Business, nicht gewöhnt

Die ganz große Begeisterung wollte zunächst nicht aufkommen, als Apple-Chef Steve Jobs am Mittwoch im Palais de Congrès in Paris vor sein Publikum trat. 4000 Macintosh-Nutzer, Händler, Mitarbeiter und Journalisten hatten sich eingefunden, um eine der berühmten "Keynotes" zu erleben. Was dann jedoch folgte, war zunächst neu nur für all diejenigen, die die letzten Veranstaltungen dieser Art in den letzten Wochen nicht verfolgt hatten.

In einer technisch und dramaturgisch perfekten Show präsentierte Jobs zunächst nämlich noch einmal all die Geräte, die er in diversen Keynote-Reden in den USA vorgestellt hatte. "Das ist ja zum Teil sogar der gleiche Wortlaut", bemerkte ein deutscher Journalisten-Kollege enttäuscht. So fiel der Beifall vergleichsweise verhalten aus. Erst als Jobs in einem Nebensatz äußerte, gleich noch ein paar neue Sachen vorstellen zu wollen, stieg die Stimmung.

Was vor allem Grafik- und Spiele-Fans begeistern dürfte: Auf Wunsch stattet Apple seine erweiterbaren "Tower"-Modelle ab sofort mit einer schnelleren und leistungsfähigeren Grafikkarte aus: Wer seinen G4-Macintosh über den Apple-eigenen Online-Store im Internet ordert, kann für einen Aufpreis von etwa 270 Mark eine "Advanced Radeon" Grafikkarte bekommen.

Auch der erst kürzlich vorgestellte Design-Mac "Cube" ist nun auf Wunsch mit dieser Grafik zu haben. Wie leistungsfähig die neue Grafikkarte ist, demonstrierte der sichtlich begeisterte Apple-Boss an Hand wüster Ballereien im Computerspiel "Quake III". Und tatsächlich: Das Blut spritzte auf dem Monitor des mit der neuen Grafik ausgestatteten Rechners gleich um ein Vielfaches schneller aus den zerschossenen Leibern als auf dem Schirm, der an einen Rechner mit "alter" Grafik angeschlossen war. Darauf hatte die Welt gewartet.

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Apple G4 Cube: Auch in Paris im Mittelpunkt des Interesses

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Schließlich kam dann aber doch noch Begeisterung in den Reihen der Fans auf. Nacheinander glitten nämlich drei neue "iBook"-Modelle in neuen Farben ("Indigo" und "Key Lime") aus dem Boden: Der "Firewire"-Anschluss für das Andocken digitaler Videokameras gehört nun auch bei den "iMacs zum Mitnehmen" zum Standard. Das Spitzenmodell "iBook Special Edition" in leicht verändertem, nach wie vor aber grauen Outfit ("Graphite") kommt zudem mit einem eingebauten DVD-Rom-Laufwerk, das auch das Abspielen von DVD-Videos möglich macht.

Am meisten Zeit nahm sich der ganz leger mit Jeans und Rolli gekleidete Apple-CEO diesmal jedoch für neue Software: Ab sofort ist die neue Betriebssystem-Version "Mac OS X" als "Public Beta" zu haben. Mit anderen Worten: Noch ist das System nicht endgültig fertig - die Entwickler arbeiten noch daran. Trotzdem müssen all diejenigen, die partout nicht bis zum kommenden Frühjahr warten wollen, knapp 80 Mark für die CD-Rom nebst Anleitungsheftchen bezahlen.

Wenig Stimmung dürfte indes bei den Apple-Händlern aufkommen: Ein weiteres Mal sind mehrere der neuen Produkte zunächst ausschließlich über den Apple-Store im Internet zu haben, was das Auditorium in Paris denn auch mit lauten Buh-Rufen kommentierte.



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