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PC-Lärm: Wasser stellt den Rechner leise

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Wärme ist der Feind der Ruhe - zumindest bei Computern. Bei den meisten PCs transportieren etliche Lüfter geräuschvoll die Wärme nach außen. Das wollen die Japaner ändern. Ihre Wasserkühlung soll die Rechner ruhig stellen - so könnte man digitale Filme und Musik endlich richtig genießen.

Als wäre es draußen nicht schon nass genug, haben die japanischen Firmen NEC und Hitachi ein neues System angekündigt, mit dem sie Wasser durch den PC pumpen wollen - nicht etwa, um ihn zu waschen, sondern um seine elektronischen Bauteile lautlos zu kühlen. Dabei soll auch die aufsteigende Hitze der Festplatte geräuschlos von der Flüssigkeit aufgenommen werden. Bisher sorgen meist lärmende Lüfter für einen kühlenden Luftstrom um den Massenspeicher.

Neu ist das Prinzip nicht. Schon seit Jahren üben sich etliche Firmen darin, wassergekühlte PCs herzustellen. So bietet die Dell-Tochterfirma Alienware für ihre Highend Spiele-Computer gegen Aufpreis eine Wasserkühlung an. Notebook-Hersteller Toshiba experimentierte bereits vor Jahren mit einer Flüssigkühlung für Notebooks, brachte sogar ein paar Serienmodelle damit auf den Markt, verwarf das Konzept nach kurzer Zeit jedoch wieder.

Eine große Auswahl an Wasserkühlungssystemen wird zudem für PC-Bastler angeboten. Die Variationsbreite ist enorm. Während manche Online-Händler ihren Kunden lediglich umgebaute Aquariumspumpen anbieten, haben andere Firmen hoch spezialisierte Systeme entwickelt. So bietet der koreanische Hersteller Zalman beispielsweise einen "Reserator" genannten Kühlturm für PCs an. Dessen größter Vorteil: Er kommt ganz ohne Lüfter aus, ist also lautlos.

Wasser kann lautlos kühlen

Denn genau darauf kommt es den meisten Nutzern wassergekühlter PCs an: Sie wollen den Lärm der sonst bei leistungsstarken PCs unumgänglichen Lüfter loswerden, indem sie die Abwärme von Prozessor und Grafikkarte über das Wasser nach außen transportieren. Allerdings gelingt der Trick, den Rechner auf diese Weise stumm zu schalten, nicht immer. Häufig verwenden die Hersteller solcher Systeme nämlich kleine externe Lüfter, um das Wasser wieder abzukühlen. Der die Lautstärke senkende Effekt verpufft dadurch.

Vor allem aber hatten Festplatten in solchen Systemen meist zu leiden. Eine Wasserkühlung für die Massenspeicher gab es bislang nur als als Bastelllösung - und schnelle Festplatten können einiges zum Gesamt-Lärmpegel eines PC beitragen und sich im Betrieb stark erwärmen.

Das wollen die Japaner nun ändern. Sie haben eine Wasserkühlung entwickelt, die auch die Festplatte einschließt. Das neue System soll in erster Linie dazu dienen, Wohnzimmer-PCs wirklich wohnzimmertauglich zu machen. Um bis zu 22 Dezibel soll die Wasserkühlung einen Rechner leiser machen. Im Normalbetrieb würde ein derart erfrischter Rechner nur noch 25 Dezibel abgeben, wäre so leise wie ein Flüstern.

Eine Lösung für die Grafikkarte fehlt

Dieses gute Ergebnis wird erreicht, indem sowohl der Prozessor als auch die Festplatte mit speziellen Wärmetauschern an einen Wasserkreislauf angeschlossen werden. Die Flüssigkeit nimmt dort zunächst die Wärme auf und transportiert sie zu einem Radiator, der von einem großen, leisen Propeller mit Kühlluft versorgt wird.

Der Schwachpunkt des neuen Systems dürfte allerdings sein, dass es die Grafikkarte ausspart. Die aber ist in leistungsstarken Rechnern einer der größten Wärmeverursacher. Entsprechend sollte man die Lösung nur in PCs einsetzen, die mit einer vergleichsweise schwachen, passiv gekühlten oder einer teuren und ebenfalls wassergekühlten Grafikkarte ausgestattet sind.

NEC plant, künftig eigene Komplett-PCs mit der neuen Kühlung auszustatten. Hitachi hat damit bereits Erfahrung, stattet in Japan sogar Server mit vergleichbaren Kühlsystemen aus. Ob und wann die jetzt vorgestellte Wasserkühlung in Deutschland erhältlich sein wird, ist im Moment noch unklar. Ebenso wenig haben die beiden Firmen Angaben zu einem geplanten Preis gemacht.

Aber das ist vielleicht auch gar nicht so wichtig. Denn üblicherweise finden sich für derartige Ideen immer eifrige Nachahmer. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis die Wasserkühlung für die Festplatte auch hierzulande lärmende Heimcomputer zum Schweigen bringt.

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PC-Lärm: Mit Wasser gegen die Wärme

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