Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

PC und Klimaschutz: Der Stromfresser unterm Schreibtisch

Von Nils Matthiesen

Energiesparlampen, Hybridautos, Gemüse vom Ökobauern: Es gibt viele Möglichkeiten, sein Leben umweltbewusster zu gestalten und so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das gilt selbstverständlich auch für den Umgang mit dem PC. Ganz leicht wird es den Verbrauchern aber nicht gemacht.

Server und zugehörige Kühlanlagen verbrauchten im Jahr 2005 in den USA insgesamt 45 Milliarden Kilowattstunden Strom. Dies übersteigt den kompletten Jahresverbrauch des US-Bundesstaats Mississippi. (Quelle: Lawrence Berkeley National Laboratory). Nun hat nicht jeder einen Server samt Klimaanlage unter dem Schreibtisch stehen, doch auch der Stromverbrauch vieler Desktop-PCs ist nicht ohne. So zieht eine auf Leistung ausgerichtete Maschine samt großem Röhrenmonitor schon mal gut und gerne über 350 Watt aus der Steckdose – und das im unbelasteten Zustand. Wird so ein System richtig gefordert, kommen noch einmal rund 125 Watt dazu.

Bei einem angenommen Betrieb von acht Stunden pro Tag und einem Kilowattpreis von 19 Cent pro Kilowattstunde ergibt das im Jahr über tausend Kilowattstunden – und somit Stromkosten von etwa 200 Euro. Dabei ist diese Beispielrechnung einerseits extrem, weil nicht jeder eine so leistungsstarke Konfiguration besitzt, und dennoch optimistisch. Denn viele User lassen Ihren PC den ganzen Tag laufen, inklusive sämtlicher Peripherie wie Drucker, Modem, Router und Fax. Studien belegen: Kaum ein Elektrogerät steht zu Hause so häufig unter Strom wie der PC. Hochgefahren, allein gelassen, vergessen: PCs verbrauchen nur 30 Prozent ihres Stroms, während tatsächlich an ihnen gearbeitet wird. Der größte Teil, rund 70 Prozent, geht ungenutzt verloren.

Informationen Fehlanzeige

Dabei kann den Usern eigentlich kein Vorwurf gemacht werden. Bei Autos gibt es den durchschnittlichen Verbrauch, bei Haushaltgeräten die Energieeffizienzklassen. Derartige Angaben fehlen auf der Packung bei PCs völlig. Es gibt zwar ein paar Logos wie den blauen Engel, konkrete Hinweise liefern diese aber auch nicht. Auch nach dem Kauf ist der Stromverbrauch nur schwer nachvollziehbar. Ein Indiz gibt höchstens die Stromabrechnung, die allerdings keine Rückschlüsse auf den Stromkonsum einzelner Geräte zulässt. Letztlich bleibt nur der Einsatz eines Strommessgeräts. Aber mal ehrlich: Würden Sie damit beim Elektrodiscounter herumhantieren wollen? Es fehlt eindeutig ein Label, das Verbrauchern bei der Suche nach einem stromsparenden PC weiterhilft. Statt Funktions- und Leistungs-Protzereien wäre dies eine Information, die potentiellen Käufern wirklich weiterhelfen würde.

Faktor Nummer Eins: Der Prozessor

Dennoch gibt es einige Faktoren, die Rückschlüsse auf den Stromverbrauch zulassen. Der Prozessor ist Verbraucher Nummer eins im System. Zum Stromhunger finden sich, tief versteckt in technischen Datenblättern, sogar einige Hinweise. Letztlich bringen diese Angaben aber nicht viel, da Intel und AMD diese Zahlen auf unterschiedliche Weise ermitteln. AMD gibt den maximalen Verbrauch an, Intel dagegen nennt Zahlen der "Thermal Design Power", also die Leistung, die eine Kühllösung in gewöhnlichen Anwendungsszenarien zu bändigen hat. Hilft also wieder nur der Griff zum Strommessgerät.

Als besonders stromhungrig entpuppt sich alles, was auf der nicht mehr ganz taufrischen Pentium-4-Architektur basiert: Pentium D, Pentium XE, Celeron D und natürlich der Pentium 4 selbst. Entsprechende Prozessoren stecken noch immer in günstigen Komplettsystemen.

Mittelmäßig schneiden ältere Athlon 64-CPUs ab. Besser sieht es bei vielen aktuellen Modellen aus, die neue Kenngröße lautet "Leistung pro Watt". Das wird vor allem mit so genannten Dual- und Multi-Core-Prozessoren erreicht, die zwei oder mehr Prozessoren auf einem einzigen Chip vereinen und so die Leistung steigern, ohne den Stromverbrauch zu erhöhen. Bestes Beispiel sind Intels aktuelle Core2Duo-Prozessoren, die im Vergleich zum Pentium 4 rund 50 Prozent weniger Strom verbrauchen, dabei aber trotzdem deutlich mehr Rechenpower bieten. Auf ähnlichem Niveau bewegt sich AMD mit den "Energy Efficient“-Varianten des Athlon 64, erkennbar am Suffix "EE". Mit derartigen Lösungen ist es möglich, selbst spieletaugliche Desktop-PCs mit einer Leistungsaufnahme von rund 110 Watt zu bauen.

Grafikkarte: Viel Leistung – hoher Verbrauch

Nach dem Prozessor ist die Grafikkarte Stromfresser Nummer zwei im PC. Dies gilt vor allem für leistungsfähige 3D-Boliden und noch viel mehr für SLI- und Crossfire-Systeme, die auf zwei oder mehr Grafikkarten setzen und beim Spielen jede Stunde schon mal 150 Wattstunden verbrauchen. So wie Nvidias GeForce 8800 GTX, die schon im Leerlauf rund 90 Watt zieht. Wer aber volle 3D-Leistung benötigt, muss wohl oder übel einen schnell drehenden Stromzähler in Kauf nehmen. Im Gegensatz zu den Prozessorherstellern hat hier noch kein Umdenken stattgefunden. Ganz im Gegenteil. Jede neue Generation von Grafikkarten hatte bis jetzt stets einen höheren Stromverbrauch als ihre Vorgänger. Wenn man allerdings auf 3D-Applikationen und Spiele verzichten kann, genügt auch eine niedrig getakteten, passiv gekühlte Grafikkarte oder, besser noch, eine Onboard-Lösung, die den Stromhunger des PCs deutlich senken. Im Vergleich zu Highend-Lösungen ist die Leistungsaufnahme im 2D-Modus bis zu 50 Watt niedriger. Komplettsysteme mit einer Leistungsaufnahme von 60 Watt sind keine Utopie.

TFTs sparen Strom

Auch wenn Sie einen ressourcenschonenden PC zusammengestellt haben, werden alle Ihre Bemühungen, die Stromrechnung niedrig zu halten, nicht fruchten, wenn Sie sich einen großen Röhrenmonitor auf den Schreibtisch stellen. Denn diese Monster verschlingen mitunter mehr Energie als der komplette PC. Schon ein 17-Zoll-CRT nimmt im Betrieb um die 75 Watt auf – 21-Zöller genehmigen sich sogar 135 Watt und mehr. Der erste logische Schritt, um Strom zu sparen, liegt also in der Anschaffung eines Flachbildschirms. Diese verbrauchen je nach Größe und Modell zwischen 20 (15 Zoll) und 45 bis 60 Wattstunden (21 Zoll) pro Betriebsstunde. Sicherlich sind TFTs in der Anschaffung noch etwas teurer als Röhrenmonitore – angesichts der deutlich niedrigeren Stromkosten kann sich der höhere Kaufpreis für Vielnutzer im Laufe der Zeit aber amortisieren.

Wer nicht zwangsläufig auf einen Desktop angewiesen ist, greift ohnehin zum Notebook. Diese sind in aller Regel auf einen möglichst niedrigen Stromkonsum ausgelegt. Schließlich sollen sie auch abseits von Steckdosen möglichst lange durchhalten. Ein gut ausgestattetes Notebook nimmt nicht mehr als 30 Watt auf – inklusive Monitor. Da kann kaum ein Desktop mithalten. Es sei denn, er arbeitet ebenfalls mit einer Mobil-CPU. Bestes Beispiel für einen stromsparenden Desktop ist Apples Mac Mini. Bestückt mit einem Core-Duo-Prozessor mit 1,66 GHz, 80-Gigabyte-Festplatte und Onboard-Grafik nimmt er nur 21 Watt auf und bietet trotzdem mehr als genug Leistung zum Surfen, Briefe schreiben und DVD gucken.

Nachtrag: Im 1. Absatz dieses Artikels stand ursprünglich "Server und zugehörige Kühlanlagen verbrauchten im Jahr 2005 in den USA insgesamt 45 Millionen Kilowattstunden Strom". Es handelt sich aber um 45 Milliarden, nicht Millionen Kilowattstunden. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
PC und Klimaschutz: Stromfresser unterm Schreibtisch

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: