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Post-Müll ohne Ende: Zeit für Filter

Die EU-Wahl ist gelaufen und noch immer pumpt "Sober.h" seine ausländerfeindlichen Botschaften hinaus in die Welt. In den überfüllten Postfächern hat er allerdings Konkurrenz bekommen: "Erkez" alias "Zafi" lockt mit "Flashcard fuer Dich!" und erhöht das Müllaufkommen. Zeit für Notwehr-Maßnahmen.

Die eigentlichen Schäden, die Spam und Viren täglich verursachen, sind schwer zu beziffern. Wenn das Postfach überquillt und man sich genervt durch Unzahlen von Virenmails, schwachsinnigen oder ausländerfeindlichen Spam-Zuschriften, Zustellungs-Fehlermeldungen und "Bouncer"-Mails von Virenschutzprogrammen wühlen muss, dann kostet das mehr als nur Nerven.

Es kostet Arbeitszeit und Informationen - denn allzu oft landet die wichtige Firmenpost wegen eines falsch gewählten Brief-Betreffs im immer weiter definierten Spamfilter, immer öfter landet der echte Kommunikationsversuch per "Del"-Taste im Papierkorb. Kein Wunder: In vielen Unternehmen beträgt die Quote der Spam-, Viren- und Bouncermails derzeit deutlich über 90 Prozent des gesamten E-Mail-Aufkommens.

E-Mail als Kontaktierungsmedium fällt damit aus, denn wer öffnet bei diesem Müllwust noch Post von Menschen, die er nicht kennt?

Da sind dringend Notwehrmaßnahmen geboten.

Zum einen gilt es, den Spamfilter so weit wie nötig zu definieren, um möglichst viel von dem hereinflutenden Schwachsinn abzufangen. Dazu gehören auch die Benachrichtigungen über Post, die nicht zugestellt werden konnte: Die bestehen zu satt über 99 Prozent aus "Bouncern", die entweder durch so genannte Autoresponder an Mailgateways oder aber von Virenschutzprogrammen verursacht werden.

Postmaster: Schaltet endlich die Autoresponder ab!

Solche Nachrichten waren für eine gewisse Weile eine nützliche Sache. Wer sich ein Virus gefangen hatte, erfuhr dies durch ein Feedback der Gegenseite: Ihr Brief, heißt es da stets, konnte nicht zugestellt werden, weil er ein Virus enthielt. "Ups, da muss man was unternehmen!", soll der Empfänger da denken.

Seit rund zwei Jahren ist diese Funktion dermaßen sinnlos und zweckfrei, dass man die Verantwortlichen für Mail-Gateways, die sie noch immer nicht deaktiviert haben, mit einem Gewicht an den Füßen im Nordsee-Schlick versenken sollte (im Winter). Viren versenden sich heute in der Regel mit einer "geliehenen" Absenderadresse: Die Fehlermeldung bekommt also nicht der Virenversender, sondern ein Unbeteiligter. Die Warnung vor dem Virus wird zum Teil des elektronischen Schadens - täglich zu besichtigen in Ihrem elektronischen Postfach.

Mail-Gateways sollten so konfiguriert werden, dass sie eindeutig als Virenpost oder Spam identifizierte Botschaften gar nicht mehr durchlassen. Auch die noch immer beliebte Auslieferung nach "Reinigung" ist ziemlich sinnlos und kostet nur Zeit.

Der Sommer 2004 droht, in Sachen Viren alle bisherigen Rekorde zu brechen. Nach über 900 Neuviren im Mai plagen uns in der ersten Junihälfte ein paar durchaus originelle Konsorten, die es weitgehend hinbekommen, E-Mail als Kommunikationsmedium außer Funktion zu setzen.

Noch immer hält die Flut ausländerfeindlicher Spam-Mails, die durch das Sober.H-Virus verschickt werden, an. Am Wochenende gesellte sich Konkurrenz dazu: "Erkez" alias "Zafi" schneit mit aussagekräftigen Lockrufen ins Postfach. In der Regel ist das das Versprechen auf eine E-Card. Wer auf den angeblichen HTML-Link in der Mail klickt, fängt sich was. Ein Blick ins Postfach genügt, um zu zeigen, dass das offenbar häufig gelingt. Eine Variante von Zafi trägt als Betreff nur den Namen des angeblichen Versenders (wie üblich ist auch der nicht echt). Zu erkennen sind alle Zafi-Variationen an der Größe der Datei (15 - 15,6 kb).

Wohl dem, der die Virenschutz-Software täglich updated. Die Virenpostflut wird man damit allerdings nicht los: Da helfen nur Filter.

Jedes moderne E-Mail-Programm bietet die Möglichkeit, Filterregeln zu definieren, um bestimmte E-Mail-Absender, Betreffzeilen oder Inhalte in gesonderte Ordner laufen zu lassen. Das kann man nutzen, um beispielsweise die kursierenden ausländerfeindlichen Spams mit ihren bekannten Betreffzeilen (siehe Kasten) auszusortieren.

Vorsortierung echter Post per Filter

Schon bei der Definition einer Filterregel gegen das Zafi-Virus zeigt sich aber das Problem: Wer "Flashcard fuer Dich" sperrt und aussondern lässt, verhindert für die Zukunft, dass er echte Flashcards mit gleichem Betreff bekommt. Das klingt konstruiert, ist es aber nicht: Noch immer kursieren Virenmails mit Betreffzeilen wie "Mahnung", "Rechnung" oder "Ihre Dokumente". Fazit: Je mehr Spamfilterregeln man setzt, desto übersichtlicher wird das Postfach - und zwar auch, weil eigentlich gewollte Kommunikation mit "versenkt" wird.

Also sollte man Filter auch "positiv" einsetzen. In der Kommunikation mit bekannten Partnern bietet es sich an, ein Codeword zu vereinbaren, das dem Briefbetreff vorgestellt wird. Konstrukte wie "Com4U", "js61lkw" oder "738CCC1" bieten sich an - je kryptischer, desto unwahrscheinlicher, dass sie bald zum Bestandteil eines Virenmail-Headers werden. Regelmäßige E-Mail-Partner kann man auf eine Positiv-Liste setzen.

Eigentlich ist es bitter, dass so etwas nötig geworden ist, aber es ist auch effektiv: Statt morgens als erstes ins Postfach zu sehen, schaut man dann in spezielle Ordner, in denen die Post vorsortiert bereit liegt.

Durch einen konstruktiven Einsatz von Filterregeln lässt sich das Postfach also einigermaßen sauber halten. Nicht vergessen darf man allerdings, die diversen Ordner regelmäßig zu leeren. Denn ob Mail-Account oder Festplatte durch vor- oder unsortierten Spam und Virenmüll verstopft werden, bleibt unterm Strich Jacke wie Hose.

Frank Patalong

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