Potente Wuchtbrummen Röhren-Fernseher meistern HDTV

Von Markus Wölfel

2. Teil: Weiter in Teil 2: Die erstaunliche Bildqualität der HD-Röhren


Mit besonderer Spannung erwarteten die Tester freilich die Bildprüfung. Zunächst fütterten sie beide Röhrengeräte mit analogem Kabelfernsehen und sahen ähnliche Bilder wie mit einem LC- oder Plasma- Display: Beide Kandidaten zeigten etwas matschige und unruhige Szenerien, die integrierte Rauschunterdrückung tilgte sämtliche Details in bewegten Bildern.

Wurde diese Funktion abgeschaltet, störte dagegen auf dem ganzen Bildschirm heftiges Rauschen. Nur bei sehr rauscharmen Kanälen war das Ergebnis annehmbar.

In die Röhre geschaut

Bekamen die TVs ihre Signale von einem digitalen Satelliten-Receiver, boten sie deutlich mehr Qualität. Die Bilder erhielten Brillanz und die nötige Schärfe, wobei gerade in der Detailzeichnung der Philips die Nase vorn hatte. Dagegen verrieten die Linien eines Fußballfelds, dass der Samsung Probleme mit der geometrisch korrekten Darstellung hat – bei Schwenks von einem Tor zum anderen verbog er die Linien deutlich. Auch die zu den Ecken zunehmende Unschärfe geht aufs Konto der schlanken Röhre.

Beim Philips störte dagegen die etwas rucklige Wiedergabe, langsame Schwenks über die Bandenwerbung in den WM-Spielen liefen nicht gleichmäßig über den Schirm. Schuld daran ist die Digital Scan-Funktion. Sie sorgt zwar für schön ruhige Standbilder, aber eben auch für die unruhige Wiedergabe bewegter Motive.

Als nächster Signal-Lieferant musste ein HD-Receiver mit "Premiere"-Empfang ran. Weil die meisten Spiele der WM gleichzeitig in Standardauflösung und in High Definition ausgestrahlt wurden, war ein direkter Vergleich der für TVs anspruchsvollen Sportübertragungen möglich.

Dabei schlugen sich beide Röhren recht wacker, gerade im Vergleich mit den dreimal teureren LCD-Referenzen. Dank seiner "Pixel Plus"-Schaltung bot der Philips HDTV mit 1080 Zeilen klar schärfer als der Samsung. Der Pferdefuß: Wie schon bei TV-Signalen in PAL-Auflösung ruckelten die Bilder bei langsamen Schwenks in der Totale.

Aber auch der Samsung zeigte die gleichen Bildfehler wie bei den Tests mit Standard-TV. Trotz heruntergeregelter Schärfe zeichnete er um kleine Motive Doppelkonturen, die das Bild unschärfer wirken ließen. Die Kontrastdarstellung gelang dem Koreaner aber in allen Testsituationen etwas besser als dem Niederländer, der besonders in dunklen Bildpartien weniger Grauabstufungen zeichnete.

Aller Kritik zum Trotz – beide Röhrengeräte erreichten locker den Kontrast von 1500 Euro teuren Plasma-TVs. Und auch die Farbwiedergabe gelang den beiden Testkandidaten geradezu grandios, hier spielten die Dickerchen ihre flachen Konkurrenten geradezu an die Wand.

Fazit

Von Vielen wurden sie schon tot geglaubt, aber siehe da: Röhren-TVs sind zwar immer noch ziemlich fette Brocken, aber ansonsten fit fürs hoch auflösende Fernsehen und obendrein sehr günstig. Natürlich haben sie unabhängig von der Auflösung mit systembedingten Schwierigkeiten zu kämpfen wie Großflächenflimmern sowie Fehlern in der Bildgeometrie und Farbdeckung.

Doch abgesehen davon können sie mit besonders natürlichen Kontrasten und knackigen Farben begeistern. In diesem Test schneidet der günstigere Philips etwas besser ab, im Bildtest gelangen dem Samsung nur Bewegungs- und Kontrastdarstellung etwas besser. HDTV für den kleinen Geldbeutel ist also durchaus möglich.



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