Projektoren Beam mich ab, Schotti

Was für den Auto-Fan der Golf sind für den TV-Beamer-Fan die Mittelklassemodelle der DLP- und LCD-Projektoren: Sie bieten solide Leistung zu einem nachvollziehbaren Preis. Wir wollten wissen, was die aktuellen Modelle von Acer und Panasonic zu bieten haben.

Von Raphael Vogt


Kaum sonst irgendwo auf der Erde verkaufen sich preiswerte Heimkino-Projektoren in so großen Stückzahlen wie in Deutschland. In den USA beispielsweise besetzen große Rückprojektionsfernseher die Preisklasse zwischen umgerechnet 1000 und 2000 Euro. Hierzulande begannen vom Jahr 2000 an die ersten leisen 16:9-LCD-Projektoren wie Sanyo PLV-Z1 und Panasonic PT-AE 100 dieses Preissegment zu erobern und verteidigen es seither tapfer. Seit relativ kurzer Zeit klettern auch zunehmend DLP-Modelle die Preisleiter auf diese Stufen herunter. Derzeit liegt die Schwelle für echte Heimkinoprojektoren beider Bauarten bei etwa 1000 Euro.

Beamer-Duell: Acer gegen Panasonic
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Beamer-Duell: Acer gegen Panasonic

Für diesen Vergleich suchten die Tester je einen Vertreter der opponierenden Technologielager. Neu im Heimkino taucht die Firma Acer auf, deren Hauptgeschäft bislang die Computerbranche mit all ihren Nebenschauplätzen im Präsentationsbereich darstellt. Der DLP-Vertreter PH 730 aber ist ein echtes Heimkinogerät mit 16:9-Bild im 720p-Raster und all den notwendigen Fähigkeiten fürs Pantoffelkino. Gegner ist der LCD-Beamer Panasonic PT-AX 100 E, der Quasi-Nachfolger des beliebten PT-AE 900.Mit Preisen von 1500 und 1700 Euro liegen beide im vernünftigen Mittelfeld - quasi der Golfklasse - des Einsteigersegments.

Der Acer steckt in einer schicken Reisetasche mit vielen Abteilen für all die Kabel, die Fernbedienung und die sonstigen Kleinigkeiten, die zum Betrieb des Beamers unterwegs notwendig sind. Hier zeigt sich die Verwandtschaft mit der Präsentationstechnik. Ausgepackt schmeichelt das Leichtgewicht mit seinem dezentem Design zwar dem Auge, aber die Anfassqualität erinnert leider eher an einen Joghurtbecher. Das Objektiv arbeitet mit einem außergewöhnlich großen Offset, beamt also sein Bild sehr hoch, etwa von einem Couchtisch aus, an die Wand - oder wie eine Fliege an der Decke haftend auf eine weit unten hängende Leinwand. Das erscheint praktisch; man muss sich nur darauf einrichten, denn der Offset ist mangels Lensshift unveränderbar.

So erfolgreich sind Einsteiger-Projektoren nur in Deutschland

Panasonics Topmodelle mit dem Kürzel AE im Namen arbeiten künftig mit voller HD-Auflösung. Die entstandene Lücke füllt fortan die AX-Serie, beginnend mit dem PT-AX 100 E. Der wiederum erbt einen Großteil der Technik aus dem PT-AE 900 E wie etwa die bewährte Lightengine mit dem praktischen 2-D-Lensshift per Joystick. Vollkommen neu präsentiert sich das Gehäuse in unschuldigem Weiß. Die Lampenleistung ist deutlich gestiegen: Mit einem 220-Watt-Leuchtmittel sind glaubwürdige 2000 ANSI-Lumen Lichtleistung in das Datenblatt einzutragen. Viel Licht und das komplett neue Bedienkonzept sollen vorwiegend auf den Gelegenheitszuschauer und weniger den Heimkino-Enthusiasten zielen, für den der Full-HD-Beamer PT-AE 1000 vorgesehen ist. Die Idee für den AX: Hinstellen, einschalten, mit einer Taste den Modus wählen, fertig. Und wer sagt's: Es klappt!

Als gelungen darf man die neue, Seifenstück-große Fernbedienung bezeichnen, die gleich in der obersten Reihe drei Speicher-Sets auf Abruf bereit hält: zwei festgelegte Einstellungsmöglichkeiten für abgedunkelte und helle Räume und ein Set für eigene Wünsche. In den von Hollywood-Mastering-Ingenieuren mitgestalteten festen Speichern findet sich für fast jede Umgebungslicht-Situation ein harmonisches Bild mit ausgewogener Detail- und Farbwiedergabe. Dank der großzügigen Lichtleistung gelingt das sogar in sehr hellen Räumen noch mit ausreichend kontrastreicher Darstellung.

Die Speicher "Vivid Cinema" für helle Räume und "Kino1" und "Kino2" für abgedunkelte Zimmer zeigten auf Anhieb lineare Farbbalance und einen harmonischen Gammaverlauf. In Kombination mit dem komfortabel einstellbaren Objektiv wird so der Traum vom Gelegenheitskino - mal eben den Projektor hinstellen und nach Gebrauch wegräumen - möglich. Für den Vergleich korrigierten die Tester die Werte von "Kino2" leicht, um genau auf Videostandard zu liegen.

Prima Voreinstellungen: Ein Lob an die Hersteller

Auch der Acer liefert ab Werk im Modus "Theater" bereits ein sehr ausgewogenes Bild, das nach geringer Kalibrierung die Normpunkte für den Vergleich traf. Hier haben die Hersteller wirklich dazugelernt. Zugespielt von der DVD, analog per Y/C und digital per unskaliertem HDMI, sowie von der Blu-ray-Disc in 1080i und 1080p, konnten beide Beamer mit dem Action-Film "S.W.A.T." beweisen, was sie in der SD- und HD-Welt zu leisten vermögen.

Was dann auf der neuen großen Referenzleinwand von Stewart erschien, war noch vor wenigen Jahren teuren High-End-Projektoren vorbehalten: Strahlende, ausgewogene Bilder ohne große Schnitzer oder gar Ausrutscher, kontrastreich und scharf von DLP und LCD. Dabei malten die Kristalle ein geringfügig weicheres und unauffälligeres Gemälde, während die Spiegel etwas knackigere Konturen und subjektiv mehr Tiefe zeichneten. Die Signalverarbeitungen für PAL und HD lagen jeweils auf gleichem Niveau, denn der unterschiedliche Charakter blieb unabhängig von der Zuspielung erhalten. Subjektiv wirkte das Bild vom Acer etwas knackiger, obwohl er in der Lichtleistung leicht unterlegen war; der Panasonic hielt sich da etwas zurück.

FAZIT

Es ist kaum möglich, einen Sieger in diesem ungewöhnlichen Vergleich zu benennen - zu unterschiedlich sind die Konzepte von Acer und Panasonic. Beide Beamer liefern ab Werk sehr gute Voreinstellungen und zauberten Bilder auf die Leinwand, die noch vor wenigen Jahren High-End-Projektoren vorbehalten waren: hell, kontrastreich, satt, ausgewogen, scharf. Der PH 730 ist dabei die bessere Heimkinomaschine; für Gelegenheits-Cineasten gab es nie etwas Geeigneteres als den PT-AX 100 E.

Technik-Info: Kontrast-Mittel


Beamer im Test:

Acer PH 730

Panasonic PT-AX 100 E



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