Reaktionen auf Apple-Coup "Bloß keinen Windows-Support"

Mit der überraschenden Ankündigung, dass Windows künftig auch auf Macs laufen darf, hat Apple Fans und Fachwelt verblüfft. Die Reaktionen reichen von Begeisterung bis Entsetzen. Der Fachhandel freut sich und hofft auf Umsatzzuwächse, Hardcore-Fans fürchten um die Zukunft des Mac-Betriebssystems.

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Was für ein Knalleffekt. Ohne jede Vorwarnung ließ Apple heute eine wahre PR-Bombe platzen. Windows XP soll nun auch auf Intel-Macs laufen. Ganz offiziell und ohne Hacks. Die Vorbereitungen müssen unter strengster Geheimhaltung abgelaufen sein, denn selbst hartnäckige Gerüchte-Websites waren vollkommen ahnungslos. Die Skeptiker von "The Inquirer" waren sich vor wenigen Wochen sogar noch absolut sicher, dass es unmöglich wäre, Windows XP jemals offiziell auf einem Mac zu installieren.

Apple-Rechner, Windows-Logo: Bärendienst erwiesen?

Apple-Rechner, Windows-Logo: Bärendienst erwiesen?

Umso größer ist nun das Echo auf die Meldung von der "Boot Camp" genannten Software. Allein das Mac-Portal "Mac Essentials" beispielsweise verzeichnete innerhalb der ersten zwei Stunden nach Veröffentlichung der Meldung bereits 59 Kommentare. Die Reaktionen auf Apples Ankündigung sind dabei stets geteilt. Während einige Mac-Anwender jubilieren, endlich auch das eine oder andere Windows-Programm nutzen zu können, schrecken andere schon bei der Vorstellung zusammen, das Microsoft-System können sich jetzt auch auf ihrem Lieblings-Rechner breit machen.

So auch Archibald Horlitz, Geschäftsführer der größten deutschen Handelskette für Apple-Computer, Gravis. "Bei der Vorstellung, Windows auf meinen Mac zu installieren, dreht sich mir der Magen um", so Horlitz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Dennoch könne er Apples Schritt verstehen und findet die Entscheidung, Windows XP auf Macs lauffähig zu machen "durchweg positiv". Schließlich gebe es immer noch etliche Anwendungen, für die keine Mac OS X-Version verfügbar sei, beispielsweise Datev, sagt Horlitz.

Der iPod war für viele der erste Schritt

Schon in den vergangenen zwölf Monaten seien die Verkaufszahlen der Mac-Computer um 50 Prozent angestiegen, berichtet Horlitz. Verantwortlich für diesen Anstieg sei der Musikplayer iPod. Der habe viele Windows-Anwender Vertrauen in Apple fassen lassen. Von der künftigen Windows-Fähigkeit verspricht er sich noch weiter steigende Absätze. Schließlich könnten Windows-Anwender sich nun einen Mac kaufen, ohne auf liebgewonnene Windows-Programme verzichten zu müssen.

Am meisten Potential sieht er dabei bei fortgeschrittenen Anwendern, denn für Anfänger sei es eigentlich egal, für welches System sie sich entschieden. "Die wichtigen Anwendungen, wie Office, das Internet und E-Mail laufen auf beiden gut." Zudem glaubt er, dass Windows-fähige Macs auch im Business-Bereich viele Türen öffnen könnten. Schließlich hätten Einkäufer und Systemadministratoren künftig die Möglichkeit, mit Intel-Macs nach Belieben die Plattform zu wechseln. Egal ob eine Anwendung Windows oder Mac OS X erfordert, die Hardware wäre dieselbe, was den Wartungsaufwand und damit die Kosten zwangsläufig senken und zudem langfristige Sicherheit geben würde. Die Börse, so scheint es teilt den Optimismus des Fachhändlers.

"Das Betriebssystem macht einen Mac aus"

Oliver Krüth, stellvertretender Chefredakteur der Fachzeitschrift "Macup", sieht das Ganze nicht mit so viel Begeisterung. "Ich glaube, dass sich Apple mit Boot Camp einen Bärendienst erwiesen hat", sagt Krüth. Seine Befürchtung: Wenn auf Macs künftig auch Windows-Programme laufen, könnten Software-Hersteller aufhören, spezielle Mac-Versionen ihrer Applikationen zu programmieren. Das, so fürchtet Krüth, könnte Apple schlecht bekommen, denn "schließlich ist es nicht die schicke Hardware, sondern das Betriebssystem, das einen Mac ausmacht". Horlitz ist da viel pragmatischer und hofft nur, "dass wir keine Windows-Support-Anfragen bekommen". Denn darauf sind die Mac-Händler nun wirklich nicht vorbereitet.



Forum - Wurm im Apfel?
insgesamt 301 Beiträge
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Seite 1
Thomas List 05.04.2006
1.
---Zitat von sysop--- Die Macianer haben es befürchtet - nach Intel-Inside kommt nun die Öffnung Richtung Windows. Das Ende der Kultmarke? Oder der Anfang einer neuen Erfolgsstory? ---Zitatende--- Ich bekenne es: Ich bin als Schlangenbeschwörer geboren, werde mein Leben lang Schlangenbeschwörer bleiben und als Schlangenbeschwörer sterben. Ich habe garnichts befürchtet, Apple ist Kult und Legende zugleich. Dies jetzt ist ein Geniestreich: Eine neue Erfolgsgeschichte und ein wahnsinniger Druck auf Microsoft. Stellen Sie sich vor, jetzt kann man beide Systeme auf der gleichen Kiste miteinander vergleichen. WOW!
Penalty Master 05.04.2006
2. ProApple
Ich bin erst vor wenigen Wochen auf Apple umgestiegen und ich bin hellauf begeistert von der gesamten Philosophie von Mac OS X. Als Forscher habe ich bei meiner Arbeit bisher Windows, Lniux und Unix parallel benutzt und habe deswegen stets drei Rechner mit den drei Systemen auf meinem Schreibtisch stehen. Als es hieß, Apple baue den neuen Mac mit intel CPU's, hab ich sofort einen MacBookPro bestellt. Seitdem arbeite ich auf der Arbeit nur noch mit dem Mac und fasse die anderen Systeme kaum noch an. Was hat das mit dem Thema zu tun? Ich will damit naemlich sagen, dass auch ein Windows-User sehr bald sich an die Vorzuege von Apple gewoehnen wird, sobald er sich mit dem neuen System vertraut gemacht hat. Danach gibt es kaum noch Gruende, warum man unbedingt wieder zum Windows zurueck will. Dementsprechend glaub ich kaum, dass die Moeglichkeit, Windows auf den Macs laufen zu lassen, von vielen Mac-Users heiss erwartet wurde, sondern lediglich dazu da ist, diejenigen Windows usern zu uebezeugen, die bisher sich vor dem Kauf zurueckschrecken, weil sie saemtliche Softwares neukaufen muessten. Diese Sorge ist auch berechtigt: man muss auch neben dem Geld fuer die Hardware auch tatsaechlich eine Menge Geld noch fuer zusaetzliche Software ausgeben, wenn man so manche kommerzielle Pakete weiternutzen will wie Office oder Adobe Photoshop. Wer das sich ersparen will und trotzdem Apple (vielleicht auch einfach wegen des Designs) kaufen will, hat jetzt eine finanzielle Barriere weniger. Nur: Wer einmal mit Mac OS X gearbeitet hat, der kann unmoeglich noch irgendetwas an Windows gut finden, egal von der Optik her, von der Handhabung, vom Arbeitsgefuehl oder von Effizienz.
mischa1, 05.04.2006
3. XP auf Mac
Bei meiner täglichen Arbeit benutze ich einen Mac. Manchmal muss ich jedoch auf Windows ausweichen (z.B. Eine Website läuft nur korrekt unter InternetExplorer für Windows). Bisher habe ich dazu Virtual-PC von Microsoft benützt. Der Weg von BootCamp scheint mir ein falscher. Wenn ich für Windows den Mac neu starten muss, wird das alles viel zu umständlich. Wie transferiere ich die Daten von der WIN-Partition auf die Mac-Partition? Der bessere Ansatz wäre ein Dual-Boot mit virtuellen Rechnern, d.h. ich starte Windows wie eine normale Applikation in einem separaten Fenster (wie bei Virtual-PC). Dadurch wäre ich in der Lage schnell zwischen den beiden Systemen zu wechseln und Daten problemlos hin & her zu schieben.
Schreiber5.1 05.04.2006
4. Apple öffnet Mac-Rechner für Windows
---Zitat von Penalty Master--- ... Nur: Wer einmal mit Mac OS X gearbeitet hat, der kann unmoeglich noch irgendetwas an Windows gut finden, egal von der Optik her, von der Handhabung, vom Arbeitsgefuehl oder von Effizienz. ---Zitatende--- Ich arbeite schon seit 20 Jahren auf einem Mac. Manchmal muß ich im Geschäft auch mal auf Dosensenf arbeiten. Da wird mir jedesmal bewußt: Gut, dass es den Mac gibt. Die Strukturen der Windowsseite sind so umständlich und schlecht überschaubar, daß sich selbst ausgefuchste Windowsfreaks bei Problemen oft schwer tun, wieder etwas zum Laufen zu bringen oder zu installieren. Selbst dort, wo Profis am Werk sind, tun die sich oft schwer, wie sich bei vertraglicher Softwarepflege im Geschäft herausgestellt hat. Da Apple inzwischen die umsatzstärkste Computerfirma ist (kürzlich wurde Dell überholt), wird dieser Schritt dem Mac weitere Erfolge und erheblichen Auftrieb bescheren. Wer danach mal umfangreich auf Mac OS X gearbeitet hat, der mag kein Microsoft-Betriebssystem mehr. Auch wenn manche zu der Erkenntnis länger brauchen oder aus ideologischen Gründen ablehnende Haltung einnehmen, der Mac wird seinen Erfolgsweg fortsetzen. Seit der Rückkehr von Steven Jobs, ist die Innovationskraft von Apple unantastbar geworden.
tromberg 05.04.2006
5. Prost Microsoft!
Sicher wird der Mac durch diesen Schritt attraktiver. Aber einige scheinen zu übersehen, dass man das Windows XP ja immer noch kaufen muss, und dass Microsoft sein Geld eben nicht mit Hardware, sondern mit Software verdient. Denen kann es wurscht sein, auf was für einer Kiste ihr Zeug läuft und wie oft man es wirklich benutzt. Zunächst mal bedeutet dieser Schritt in relativ kurzer Zeit einige Millionen mehr verkaufte Windows-XP-Lizenzen, während er sich auf die Mac-Verkäufe nur allmählich auswirken wird. Die Sektkorken knallen heute in Redmond.
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