Robo-Rennen Auslese im Trainingslager

Abbiege-Fehler, Computerpannen, Blechschäden: Die Qualifikationsrunde des Roboterautorennens Darpa Urban Challenge läuft nicht für alle Teams so wie geplant. Die ersten zwölf können schon nach Hause fahren - wenn sie es schaffen.

Von


Sie müssen Aufgaben bewältigen, mit denen jeder Fahrschüler in seine ersten Fahrstunden konfrontiert wird: Abbiegen, Einfädeln, Abstand halten. Doch was für Fahrschüler meist nach ein paar Übungsstunden zur Routine wird, bereitet den computergesteuerten Fahrzeugen bei der von der US-Militärforschungsbehörde Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) veranstalteten "Urban Challenge" offenbar heftige Probleme - trotz des gemächlichen Tempos.

Zum Beispiel dem dunkelroten Toyota Prius vom Team "Golem 3". Nach einigen erfolgreichen und vollkommen problemlosen Testläufen, entschied sich der Computer am Lenkrad bei einer weiteren Runde auf dem Test-Parcours, dieses Mal etwas anders zu machen als zuvor. Er schlug voll nach links ein, gab forsch Gas und knallte den Prius wenig elegant über die als Fahrbahnbegrenzung gedachten Kantsteine.

Das Resultat: Blechschaden, zerschrammter Unterboden und verwirrte Programmierer. Der zerbeulte Bolide musste von einem Abschleppwagen Huckepack in die Box gebracht werden.

Irritation durch Metallic-Lack

Kaum besser erging es Alice, dem Vehikel vom Team Axion Racing. Offenbar hatte der Geländewagen Probleme mit dem Abbiegen nach links. Nachdem er eines der als Dummies im Kreis fahrenden Hindernisfahrzeuge hatte passieren lassen, bog er sportlich in den Verkehr ein - und rammte einen blauen Ford Taurus am Heck. Wahrscheinlich habe der dunkle Metallic-Lack die Kameras, mit denen sich Alice orientiert irritiert, vermuten die Konstrukteure.

Immerhin, so Teamchef Bill Kehaly, sei Alice auf diese Weise in die Geschichte eingegangen, wenn auch nicht ganz so, wie man sich das vorgestellt hat. Denn Alice dürfte das erste Roboterauto gewesen sein, das einen von Menschen gesteuerten Wagen gerammt hat. Als Erinnerung an den "Treffer" malten die Teammitglieder ein Kreuz "X" auf die Wagenseite.

Doch so humorig nehmen nicht alle Teilnehmer des Roboter-Rennens ihre Fehler hin. Denn alle jetzt auftauchenden Probleme müssen in den nächsten Tagen gelöst werden. Schließlich geht es bei dem Rennen am Samstag nicht nur um Sieg oder Niederlage, sondern auch um viel Geld. Zwei Millionen Dollar erhält das Sieger-Team, eine Million der Zweitplazierte und immerhin 500.000 Dollar der Dritte. Geld, das einige der Teams gut gebrauchen können, denn die Entwicklungskosten für ihre Gefährte sind extrem hoch.

Ein Rennen für die Militärs

Hoch sind auch die Erwartungen. Durch den Wettbewerb soll die Entwicklung autonomer Roboterfahrzeuge gefördert werden. Damit verfolgen die US-Militärs ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2015 soll ein Drittel aller motorisierten Militärfahrzeuge computergesteuert durch die Lande brausen. Wie die Drohnen in der Luft sollen die Fahrzeuge am Boden den Einsatz von Menschenleben in bewaffneten Konflikten minimieren.

Deshalb veranstaltete die Darpa bereits 2004 und 2005 Roboterrennen, bei denen die von Computern gesteuerten Fahrzeuge einen vorgegebenen Kurs durch die Wüste steuern mussten. Nachdem beim zweiten Mal gleich mehrere Fahrzeuge tatsächlich das Ziel erreichten, hat man nun die Messlatte höher gelegt.

Drei müssen noch raus

Jetzt müssen die Computer nicht einfach durch eine Wüste steuern, sondern sich im Stadtverkehr bewähren. Eine ungleich kompliziertere Aufgabe als zuvor, die Hightech und Rechenleistung satt verlangt. Kein Wunder also, dass reichlich Technologie-Firmen als Sponsoren auftreten und darauf hoffen, dass ein Fahrzeug mit ihrem Logo auf der Motorhaube als erstes durchs Ziel rollt.

Doch bis es soweit ist, müssen die Entwickler noch einiges Hirnschmalz investieren, um ihre Gefährte wirklich straßentauglich zu machen. Die Rennleitung hat mittlerweile zwölf Mannschaften aus dem Rennen geworfen. Darunter auch das Team Berlin, eine Gruppe die von der Freien Universität Berlin mit einem computerisierten "Spirit of Berlin" ausgezogen war, um in Kalifornien den Sieg zu holen.

Für die übrig gebliebenen 23 Teilnehmer steigt mit dieser Auslese nun der Druck, die letzten Fehler auszumerzen. Denn zum Finale am Samstag werden nur 20 Fahrzeuge zugelassen. Oder anders ausgedrückt: Drei müssen noch rausfliegen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.