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Roboter-Ausstellung: Das Konzert der Blechmänner

Von Khuê Pham

Putzen, Musizieren, Reiten, Kicken: Es gibt kaum etwas, das Roboter nicht können. Die Entwicklung der Maschinenmenschen zeigt jetzt eine Berliner Ausstellung. Publikumslieblinge sind die Blechfiguren aus den fünfziger Jahren - die sind so schön harmlos.

Berlin - Dieser Band fehlt der Soul. Routiniert und etwas blechern spielt das Trio aus Frankreich Hits wie "An der schönen blauen Donau" und "I want to be in America". Das Publikum klatscht begeistert, denn die drei Musiker an Akkordeon, Saxophon und Schlagzeug sind mannsgroße, golden glänzende Roboter. 500 Titel können sie spielen - nicht schlecht für fast 50 Jahre alte Blechmänner.

"Les Robots Music" hat 1958 der französische Tüftler Edouard R. Diomgar entworfen. Noch bis Sonntag tritt die blecherne Band im Berliner Museum für Kommunikation auf. Dort zeigt die Ausstellung "Die Roboter kommen!" bis zum 2. September alte und neue Service-, Industrie- und Spielzeugroboter. Was ein Roboter ist, definiert Ausstellungsmacherin Johanna Sänger so: "Alles, was Arbeiten erledigt und über eine künstliche Intelligenz verfügt".

Die Intelligenz der Staubsauger

Anschaulich macht diese funktionale Definition ein riesiger Roboter am Museumseingang, der normalerweise in einer deutschen Chrysler-Fabrik Armaturenbretter in Neuwagen montiert. Er begrüßt die Ausstellungsbesucher, indem er seinen Greifarm geräuschvoll hin- und herschwingt. Manche seiner Kollegen bemerkt man kaum, zum Beispiel den fußballgroßen "Robo Cleaner RC3000". Dieser kleine runde Staubsaugerroboter flitzt kreuz und quer durch die drei Ausstellungsräume und saugt den Boden - 20 Zentimeter in der Sekunde schnell und so leise wie ein Computerlüfter.

Andere Robos bleiben trotz Mobilitätsfunktion statisch. So kann man den krabbelnden Gang des spinnenartigen Geländeroboters "Sechsbeiner MAX" nur erahnen und auch der Prototyp "Rohrkrabbler MORITZ" verharrt still in der Vitrine. Diese Roboter sind aufgrund ihrer schwierigen Beinkoordinationen besonders komplex, sie sollen in für Menschen schwierig oder gefährlich zugänglichen Gebieten eingesetzt werden.

Klobig, glänzend, liebenswert

Ganz technisch unprätentiös sind dafür die überdimensionalen Blechmänner aus den fünfziger Jahren, dem goldenen Zeitalter der Werberoboter. "Roberto", der Klotzartige - man könnte glatt glauben, er wäre aus mit Silberfolie überzogenen Pappkartons gebastelt - erreichte seinerzeit trotz geringen technischen Vermögens Kultstatus. Er wurde allerdings in jeder Hinsicht von seinem 2,37 Meter großen Schweizer Kollegen und Zeitgenossen "Sabor" übertrumpft. Der konnte nämlich nicht nur laufen, rauchen und sprechen, sondern flirtete auch gern mit schönen Frauen und reiste als Werbeträger um die Welt.

In der Kunst haben Roboter schon früh eine wichtige Rolle gespielt: Ein Schriftsteller gab ihnen ihren Namen. 1921 veröffentlichte der tschechische Autor Karel Capek sein Theaterstück "R.U.R. - Rossum's Universal Robots". So setzte sich die heute gängige Bezeichnung für jene Automatenpuppen durch, die schon im 19. Jahrhundert Menschen faszinierten. In der Berliner Ausstellung sind einige der Stars unter den Robotern zu sehen. "Maschinen-Maria" zum Beispiel aus Fritz Langs Metropolis (1926) und die skelettartige Androidin aus dem Musikvideo zu "All is full of love" (1999) der Sängerin Björk.

Heute können Roboter reiten und kicken

Neben "Maschinen-Maria" sitzt der nur aus einem Oberkörper bestehende Jockeyroboter "K-MEL", der die Kinderjockeys in den Kamelrennen der Golf-Staaten ersetzen soll. Zu sehen sind auch die variationsreichen Fußballroboter, die alljährlich bei den "RoboCups" gegeneinander antreten - bis 2050 sollen sie sich sogar mit menschlichen Spielern messen.

Und natürlich gibt es da noch die Spielzeugroboter. In einer großen Vitrine ist eine regelrechte Armee der bunten Spielgefährten aufgestellt. Ihr Besitzer, der Literatur- und Medienprofessor Jörg Jochen Berns, hat sie in einer eigenwilligen Typologie geordnet: kastenförmige, rundliche, ritterartige, skelett- und tierähnliche Roboter stehen da zusammen.

Kaum jemand will Roboter als Haushaltshilfe

Die Besucher begutachten die Roboter interessiert - aus der Distanz. Als Helfer im Haushalt will sie kaum jemand um sich haben. Brigitte Ilmen, die ihren neunjährigen Enkel Joshua begleitet, findet die Vorstellung abschreckend. Aber "das könnte an meiner Generation liegen". Auch Camillo, 9, und Elias Weber, 11, stehen der Idee kritisch gegenüber, wenn auch aus anderen Gründen. Natürlich wäre es sehr praktisch, zu Hause einen Roboter zu haben, der sie rundum versorgen kann. Aber "das Problem ist, dass die Menschen dann ja fett und unsportlich werden".

Dass die Abhängigkeit der Menschen so groß wird, dass sie eines Tages von Robotern dominiert oder ersetzt werden könnten, glaubt allerdings niemand. "Sie werden niemals so intelligent sein, dass sie unsere Komplexität erreichen", glaubt Ausstellungsmacherin Sänger. Joshua bringt die Beziehung zwischen Mensch und Maschine auf den Punkt: "Roboter sind doch nur die Diener der Menschen."


Die Roboter kommen! Museum für Kommunikation, Berlin. Vom 5. April bis 2. September 2007. Eintritt: Erwachsene 3 Euro, Kinder 1,50 Euro. www.museumsstiftung.de

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