Roboter im Altenheim: "Es ist nicht das Ziel, die Menschen zu pflegen"

Bis Roboter eingesetzt werden, um das Pflegepersonal bei Routineaufgaben zu entlasten, ist es nur eine Frage der Zeit - glaubt man am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung. Dort zeigt ein Prototyp in einer Testwohnung, was er kann: als kühler, aber zuverlässiger Butler.

Die Trainingswohnung von " Care-O-bot 3" hat eine Küchenzeile und ein Wohnzimmer mit Sofa. Der vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart entwickelte Serviceroboter kann Getränke holen oder auch den Mülleimer leeren.

"Er kann perfekt bedienen", erzählt Christopher Parlitz, der mit seinen Kollegen den hilfreichen Assistenten mitentwickelt hat. Rund 250.000 Euro kostet der Prototyp. Fernziel ist der Einsatz im Pflegebereich. Doch der Weg bis dahin ist noch lang.

Zwar läuft seit Anfang November ein Modellprojekt in einem Altenheim. Aber dort will man erst einmal ausprobieren, für welche Aufgaben die Maschine überhaupt einsetzbar ist. Parlitz stellt klar: "Es ist nicht das Ziel, die Menschen zu pflegen." Vorstellbar wäre beispielsweise die Ausgabe von Essen oder der Transport von Akten. Damit könnte das Personal von Routineaufgaben entlastet werden und sich intensiver um die Patienten kümmern.

Der 32 Jahre alte Diplom-Mathematiker meint, dass sich die Menschen erst an die rund 150 Kilogramm schwere Maschine gewöhnen müssten. Dabei strahlt diese sogar etwas Menschliches aus, wenn sie kurz nickt und damit signalisiert, dass sie verstanden hat, was ihre Aufgabe ist.

Gesteuert wird der Assistent der Zukunft mit der Stimme des Menschen. Der Prototyp ist bewusst durch ein kühles und sachliches Design gekennzeichnet. "Je menschlicher der Roboter aussieht, desto mehr Erwartungen werden geweckt", erklärt Parlitz. Ein Gesicht besitzt die mobile und sehr gelenkige Maschine nicht.

Kühler Kerl mit Manieren

Zur Erkennung der Gegenstände, die er überreichen soll, benutzt der Roboter eine Spezialkamera. Sie ist gekoppelt mit einer Farbkamera, die ein farbiges dreidimensionales Bild der Umgebung liefert. Der Roboter kann in jede beliebige Richtung fahren und auch enge Stellen souverän passieren. Wird er in seiner Trainingswohnung von einer Person, die er kennt, angesprochen, verbeugt er sich.

An der Vorderseite ist ein Tablett angebracht, die Schnittstelle zwischen dem Roboter und seinem Benutzer. Durch die Verwendung des Tabletts für die Übergabe beispielsweise einer Flasche ist sichergestellt, dass es "zu einer sicheren Interaktion zwischen Mensch und Roboter" kommt, wie Parlitz das nennt.

An der Rückseite von "Care-O-bot 3" ist ein 120 Zentimeter langer Greifarm montiert. Insgesamt 28 Motoren und zahlreiche Gelenke sorgen dafür, dass die Maschine mobil und flexibel einsetzbar ist. Doch bevor sie möglicherweise einmal richtig im Pflegebereich Dienst tut, müssen die Fraunhofer-Wissenschaftler noch zahlreiche weitere Erfahrungen sammeln.

Von Oliver Schmale, AP

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