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Wer surft, hinterlässt unfreiwillig Spuren. Immer mehr persönliche Daten werden erfasst, der Schutz davor wird immer schwieriger. Doch noch ist es möglich, sich weitgehend anonym durch das Netz zu bewegen.

Von Niels Gründel


Trend: Das Sammeln persönlicher Daten
DPA

Trend: Das Sammeln persönlicher Daten

Seit dem 11. September tobt die Debatte um die Frage, ob man Datenschutzrechte nicht zu Gunsten der Sicherheit einschränken müsste. Polizeibehörden und Geheimdienste wünschen sich natürlich einen Freibrief zum Schnüffeln. Doch im Grunde ist die Diskussion fast hinfällig: Nicht nur viele Staaten, auch zahlreiche Unternehmen beanspruchen einfach dieses Recht zu schnüffeln und fragen nicht nach Gesetzen.

Mit zunehmender Verbreitung des Internet und der Telekommunikation hat sich auch das Netz um die Privatsphäre enger gezogen. Längst ist der gläserne Surfer eine Realität, und zahlreiche Überwachungssysteme bedrohen unbescholtene Bürger und Unternehmen. Das Beispiel Echelon zeigt, dass selbst befreundete Staaten nicht davor zurückschrecken, deutsche Unternehmen systematisch auszuforschen: Selbst Geheimdienste treiben heute Industriespionage, nicht zuletzt mit Hilfe des Webs.

Betroffen von legalen wie illegalen Schnüffelaktionen sind in aller Regel die Unbescholtenen. Wer wirklich etwas zu verbergen hat, greift auf die Verschlüsselung von E-Mails und für Telefonate auf abhörsichere Leitungen zurück. Für die Übermittlung von geheimen Daten ist ganz besonders die Methode der Steganografie geeignet. Dabei werden Nachrichten in Bildern versteckt und verschlüsselt. Dagegen nämlich gibt es keine erfolgreiche Überwachungs- und Entschlüsselungstechnik.

Surfen, aber anonym

Wo aber liegen nun die Risiken für den privaten Surfer, und was kann er unternehmen?

Wer über eine Standleitung für seinen Internetzugang verfügt, besitzt eine eindeutige IP-Adresse, die sich dauerhaft leicht zurückverfolgen lässt. Wer sich aber über einen der großen Provider wie T-Online, AOL oder gar per Call-by-Call ins Internet einwählt, erhält bei jedem Einwählvorgang für die Dauer der Sitzung eine andere IP-Adresse. Eine Zuordnung zum Surfer ist daher nur während der bestehenden Internetverbindung möglich, ansonsten nur für den Provider. Doch egal welchen Weg man im Internet einschlägt, die benutzten Pfade werden von den Seitenbetreibern unabhängig vom eingesetzten Webserver gnadenlos mitgeloggt.

Schließlich möchten sie alles über ihre Nutzer wissen: Von welchen Seiten kommen die Nutzer, wie lange bleiben sie, mit welchen Browserversionen betrachten sie die eigenen Seiten und welche Seiten rufen sie auf? Wer genau wissen möchte, welche Informationen er über sich preisgibt, sollte einmal bei der Verbraucherorganisation privacy.net vorbeischauen. Dort werden auf Mausklick alle persönlichen Daten präsentiert, die sich aus den übergebenen Browserinformationen online zusammenstellen lassen.

Wer nach solcher Erkenntnis doch lieber unerkannt bleiben möchte, kann sich mit einem so genannten

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Anonymizer auf seinem Weg durch das Web tarnen. Diese Hilfsseiten im Netz (wie zum Beispiel www.anonymizer.com, www.allgemeiner-datenschutz.de) wählt man direkt nach der Einwahl bei seinem Provider an und gibt hier seine eigentliche Zieladresse an.

Anonymizer sorgen dafür, dass die persönlichen Daten vollständig gefiltert werden. Die Seitenbetreiber angewählter Internetseiten können so zwar noch die einzelnen Seitenaufrufe auf ihren Servern nachvollziehen, nicht aber die mit dem Browser übermittelten Daten. Stattdessen erhalten sie von den Anonymizern nur falsche oder sogar unsinnige Informationen. Für den Dauerbetrieb bietet Anonymizer.com eine kleine Ergänzung für die Toolbar des Internet Explorers.

Noch komfortabler ist ein Tool wie der Stealther, der auf dem eigenen PC installiert wird und die Funktionalität der Anonymizer-Webseiten übernimmt, also die Tarnung im Netz. Die Vollversion von Stealther kostet 79 Mark. Aber die Sicherheit der Zivilgesellschaft hat eben ihren Preis - wie ja auch unsere Politiker nicht müde werden zu betonen.



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