Schadprogramme: Wenn der Rechner zum Zombie wird

Die Schädlinge lauern auf Internet-Seiten oder kommen per Mail. Viren, Trojaner und Würmer machen das Netz zu einem Ort, an dem es keine absolute Sicherheit gibt. Haben sie sich erst auf einem Computer eingenistet, sind sie oft nur schwer wieder zu entfernen.

Viren, Trojaner, Würmer - im Internet lauern viele Gefahren für Festplatten und darauf gespeicherte Daten. Selbst eine Firewall und ein Virenscanner bieten keinen hundertprozentigen Schutz vor unerbetenen Eindringlingen, die im Hintergrund alles dokumentieren, was der Nutzer gerade tut, Passwörter sowie andere geheime Daten ausspionieren.

Alarm im Posteingangsordner: Viren, Trojaner, Würmer stellen für jeden Computer eine Gefahr dar
DDP

Alarm im Posteingangsordner: Viren, Trojaner, Würmer stellen für jeden Computer eine Gefahr dar

Oft merke der Nutzer zunächst nicht, dass sein Rechner infiziert sei und ein Trojaner fleißig Schädlinge nachlade, warnt Daniel Bachfeld von der Computerzeitschrift "c't". Früher wurden die befallenen PCs meist langsamer. Die Malware, die im Hintergrund ihr Unwesen trieb, bremse den PC aus. Die Rechenleistung eines modernen Computers ist aber so hoch, dass zusätzliche Programme kaum noch ins Gewicht fallen. Zudem arbeiten Schädlinge sehr unauffällig, um einer Entdeckung so lange wie irgend möglich zu entgehen.

Stutzig sollte man auf jeden Fall werden, wenn sich wichtige Programme nicht mehr auf den neuesten Stand bringen lassen und sich beispielsweise der Virenscanner gegen ein Update sträubt. Der Wurm Conficker etwa sperrt den Zugang zur Homepage des Virenscanners. Das Schutzprogramm wird damit für den User nutzlos.

Untergrundwirtschaft im Netz

Besonders gefährlich wird es, wenn ein Trojaner Schadprogramme nachlädt, bis der PC komplett ferngesteuert werden kann. Dann mutiert der Computer zum "Zombie", der unkontrolliert Spam versenden, Passwörter auslesen oder Malware verbreiten kann. Laut Bachfeld gibt es inzwischen eine regelrechte Untergrundwirtschaft im Netz. Kreditkartennummern oder Bankdaten, der Versand von Spam - alles hat seinen festgesetzten Preis.

Haben sich solche Schadprogramme erst einmal auf der Festplatte eingenistet, ist es ziemlich schwierig, sie wieder vollständig zu entfernen. Virenscanner erkennen die Malware zwar im laufenden Betrieb, können sie aber so nicht entfernen. Auch im oft empfohlenen abgesicherten Modus ist das eher schwierig.

Bachfeld empfiehlt, den Rechner von der bootfähigen CD des Anti-Viren-Programms hochzufahren. Dann startet Windows nicht und die Schädlinge können sich nicht schützen. Die Hersteller kostenpflichtiger Anti-Viren-Programme liefern solche CDs im Normalfall mit.

Viren und Trojaner - Informationen im Netz
Vireninfos von der Behörde
bsi-fuer-buerger.de: Wer sich im Internet über Viren und andere schädliche Programme informieren will, ist auf der Seite des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) richtig. Die Behörde mit Sitz in Bonn untersucht Risiken bei der Anwendung moderner Informationstechnik wie dem Internet und entwickelt Sicherheitsvorkehrungen. Für Bürger wurde die Infoseite eingerichtet, die über Gefahren im Netz informiert. Auch für Laien verständlich ist dort erklärt, wie Cyberkriminelle agieren, was Viren, Würmer und Trojaner sind. Außerdem bekommen Bürger Tipps, wie sie sich vor Gefahren aus dem Netz schützen können.
Mittel gegen Schädlinge auf dem Rechner
trojaner-info.de: Die Seite beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema Trojaner. Nutzer können nachlesen, wie diese Computer-Schädlinge generell funktionieren, wie man sich am besten vor ihnen schützt und wie man sie entfernen kann. In der Rubrik Downloads gibt es kostenlos Programme, um Schädlinge von der heimischen Festplatte zu tilgen. Ein zuverlässiges Anti-Viren-Programm ersetzen diese Gratis-Downloads aber nicht.
Welche Würmer durchs Netz kriechen
viren-ticker.de:Sober, Bagle, Mytob - welche Schadprogramme aktuell im Netz kursieren, listet der Viren-Ticker des Bonner Fachverlags für Computerwissen auf. In kurzen Viren-Steckbriefen wird beschrieben, auf welchem Weg der Eindringling auf einen Rechner gelangt, woran er zu erkennen ist und wie er auf der Festplatte wütet, wenn er sich erst mal eingenistet hat.
Echte und unechte Viren
hoax-info.de: Mehr über Viren, die derzeit im Internet die Runde machen, liefert diese im Kooperation mit der Technischen Universität Berlin betriebene Seite. Ein Weblog bietet einen Überblick über Artikel in der Fachpresse, die sich mit der Internet-Sicherheit beschäftigen. Dazu gibt es Informationen über Hoaxes - vermeintliche Virenwarnungen per Mail - die Empfänger oft grundlos verunsichern.

Nachdem der Schädling entfernt wurde, sollte man den Virenscanner das System im normalen Betrieb prüfen lassen. Schlägt das Anti-Viren-Programm erneut Alarm, sind noch Rückstände der Malware auf der Festplatte. Dann ist die Gefahr groß, dass erneut Schädlinge auf den Rechner geladen werden oder der PC weiter ausspioniert wird. Daher hilft im Fall eines derart ernsthaften Virenbefalls meist nur eins: Der Rechner muss neu aufgesetzt, die Festplatte also neu formatiert werden. Nicht gesicherte Daten sind dann verloren.

Eine neue Masche der Cybergangster

Wenn man von seiner eigenen E-Mail-Adresse Spam-Mails bekommt, bedeutet das übrigens noch lange nicht, dass der PC Teil eines sogenannten Botnetzes geworden ist, das Spam verschickt. Die Adresse des Absenders ist meist gefälscht. Für den Betroffenen ist das ärgerlich, schließlich wird unter seinem Namen Spam verschickt. Doch wirklich tun könne man dagegen leider nichts, sagt Bachfeld. Es sei so gut wie unmöglich, den tatsächlichen Absender ausfindig zu machen.

Eine relativ neue Masche der Cybergangster ist sogenannte Scareware. Um Geschäfte mit der Angst vor Viren und Trojanern zu machen gaukeln Internetseiten einen Sicherheitstest vor, der natürlich negativ ausfällt. Sie bieten dann kostenpflichtige Programme an, um die vermeintlichen Probleme zu beheben. Diese Software sei meist völlig funktionslos und der Betroffene habe für nichts und wieder nichts Dutzende Euro ausgegeben, warnt Bachfeld.

Um sich vor Internet-Schädlingen zu schützen, sollte auf jedem Internet-fähigen PC ein aktueller Virenscanner mitlaufen. Auch die Firewall muss stets aktiviert bleiben. Sämtliche Programme sollten zudem auf dem aktuellen Stand sein. Das gilt insbesondere für die typischen Einfallstore für Malware wie den Browser, die PDF-Lese-Software Adobe Reader, den Windows Mediaplayer sowie Quicktime und Java. Beim regelmäßigen aktualisieren helfen auch kostenlose Update-Manager, die es beispielsweise unter secunia.com und updatestar.com im Netz gibt. Und natürlich gilt: Immer die Augen offen halten, denn das Internet ist gefährlich für die Sicherheit des PCs.

Sandra Schipp/ddp

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