Schluss mit dem Geflimmer: Ein Ausschalter für 1000 Fernseher

Weil ihn die vielen TV-Geräte in seiner Kneipe nervten, entwickelte ein Kalifornier einen Universalausschalter für über 1000 verschiedene Modelle. Ein Knopfdruck bringt praktisch alle gebräuchlichen Fernseher im Umkreis zum Schweigen. Jetzt wird der Unternehmer mit Bestellungen überrannt.

TV-B-Gone: Ruhe im Restaurant für 15 Dollar
AP

TV-B-Gone: Ruhe im Restaurant für 15 Dollar

Ein Bericht im Online-Magazin von "Wired" am Dienstagmorgen zwang den Server von Mitch Altman in die Knie. Tausende Amerikaner interessierten sich brennend für den kleinen schwarzen Schlüsselanhänger, den man auf Altmans Website für 15 US-Dollar bestellen kann. Das unscheinbare Ding erinnert am ehesten an einen Autoschlüssel - hat aber mit Autos nichts zu tun.

TV-B-Gone heißt das begehrte Objekt - die Anspielung auf "TV be gone" (Fernseher verschwinde) versteht man in der Heimat von BBQ und Room4rent sofort. TV-B-Gone ist eine TV-Fernbedienung, die ohne Bedienungsanleitung auskommt, denn sie hat nur einen einzigen Knopf. Drückt man darauf, dann sendet der kleine Schlüsselanhänger nacheinander Dutzende verschiedene Ausschaltsignale aus. Zuerst verabschieden sich die Sony-Geräte ins Stand-by, dann die von JVC und Apex. Nach etwa einer Minute sind alle Codes gesendet und es herrscht endlich paradiesische Stille, so wie sie sich Altman wünscht.

"Die meisten Fernseher sind nach 17 Sekunden aus", berichtet der TV-B-Gone-Erfinder. Die Idee zu dem Glotzenkiller kam dem 47-jährigen Computerexperten vor zehn Jahren in einer Kneipe. Er saß dort mit Freunden zusammen und ärgerte sich darüber, dass alle auf einen der in jeder Ecke hängenden Fernseher starrten, anstatt miteinander zu reden. Damals habe man darüber gesponnen, wie es wäre, die Geräte alle mit einem Mal auszuknipsen.

Moderne Fernseher: TV-B-Gone kennt sie alle
DPA

Moderne Fernseher: TV-B-Gone kennt sie alle

Seit 1980 besitzt Altman keinen Fernseher mehr. Doch inzwischen, nach einigen Jahren intensiver Beschäftigung mit über 1000 Modellen, kennt er sich mit praktisch allen in den USA gebräuchlichen Geräten aus. Genau 209 verschiedene Infrarotcodes brachte der seiner kleinen Fernbedienung bei - sie bewirken alle das gleiche: Der Fernseher schaltet ab.

Das Geld für sein Projekt stammt aus einer IT-Firma, die Altmann vor Jahren mit gegründet hat. Er glaubte zwar an die Idee seines Universalausschalters, die Resonanz hat ihn aber doch überrascht: "Ich wusste nicht, dass so viele Menschen Geräte ausschalten wollen."

Altman testete den Ausschalter heimlich an vielen Orten: im Waschsalon, in Kneipen, auf dem Flughafen. Bis auf wenige Ausnahmen bekamen die Umstehenden nicht einmal mit, dass die Fernseher plötzlich aus waren. Außer in Hong Kong: Dort schauten sich sofort alle um und suchten denjenigen, der auf den Ausschalter gedrückt hatte.

Auf die Idee, sein Gerät einfach mal im Elekrogroßmarkt zu testen, wo sich Dutzende verschiedene Modelle türmen, würde Altman nicht kommen: "Ich kann hinterlistig sein, aber nicht bösartig. Ich möchte niemandem Probleme bereiten." Auch in einer Sports Bar würde er TV-B-Gone lieber nicht aus der Tasche holen, denn dort gehen die Leute ja hin, um Football oder Basketball zu schauen.

"Ich mag einfach kein Fernsehen", sagt Altmann. "Ich möchte, dass die Leute mehr über dieses mächtige Medium nachdenken. Wir haben so wenig Zeit in unserem Leben. Warum sollen wir so viel Zeit mit Fernsehen verbringen?"

Damit übereifrige Fernsehausschalter sich aus brenzligen Situationen retten können, hat Altman seiner Fernbedienung auch noch etwas anderes beigebracht: Das Einschalten von beliebigen TV-Geräten.

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