Schneller surfen Der Browser, der aus der Kälte kam

Wer surft, tut dies meist mit den Browser-Schlachtschiffen von Netscape oder Microsoft. Doch es geht auch anders - mit dem schnellen Opera-Browser aus Norwegen. SPIEGEL ONLINE stellt das Programm in einem zweiteiligen Workshop vor.

Von Niels Gründel


Opera liegt inzwischen auch in einer deutschen Version vor

Opera liegt inzwischen auch in einer deutschen Version vor

Spätestens wenn sich andere Browser mit Heißhunger über die letzten Systemressourcen des eigenen Rechners hermachen, ist Opera die Lösung. Zwar hinkt der norwegische Browser im Design und vor allem der Versionsnummer seinen großen Konkurrenten hinterher, aber technisch kann er sich sehen lassen: Unter der aufgeräumten Oberfläche verbergen sich Browser, E-Mail-Client, Newsreader, Download-Manager, Adressbuch und ICQ-kompatibler Instant-Messaging-Client. Die neue Version 5 läuft unter den Windows-Systemen Win 9.x, ME, NT 4.0 und 2000 weitgehend tadellos.

Schon immer haben die Entwickler von Opera viel Wert darauf gelegt, sich möglichst genau an den Standards des World Wide Web Consortiums (W3C) zu orientieren. Insofern galt der bisher eher exotische Browser bei den Programmieren seit jeher als Referenzbrowser.

Die wichtigsten Funktionen innerhalb der Opera-Fortschrittsleiste

Die wichtigsten Funktionen innerhalb der Opera-Fortschrittsleiste

Installation

Zum Download bietet der Hersteller Opera Software gleich zwei Versionen: Knapp 10 Megabyte ist die Komplettversion inklusive des Java 2 Runtime Environment (JRE) groß, kaum 2 Megabyte umfasst die Version ohne die JRE. Wer innerhalb eines firmeneigenen Netzes über einen Proxy mit dem Internet verbunden ist, sollte unbedingt JRE vor dem Browser installieren. Andernfalls ist nach Konfiguration und Neustart ein Systemabsturz möglich.

Die Programminstallation geht so schnell - und ohne Neustart - vonstatten, dass man es fast nicht für möglich hält, einen vollständig funktionierenden Browser installiert zu haben. Eine bereits installierte ältere Version wird allerdings ohne Sicherheitsabfrage überschrieben, alte Bookmarks und Einstellungen bleiben aber erhalten.

Der Browser erscheint nach dem Start sofort auf dem Schirm, und im Gegensatz zu der von Netscape hochgelobten Gecko-Engine fällt es Opera wirklich leicht, neue Geschwindigkeitsrekorde beim Seitenaufbau aufzustellen, auch wenn mehrere Browser-Fenster gleichzeitig geöffnet sind. Nicht zu Unrecht also bezeichnen die Norweger ihren Alternativbrowser als "fastest browser on earth".

Opera ist erstmals kostenlos, wird aber durch einen integrierten Werbebanner in Standardgröße innerhalb der Navigationsleiste finanziert. Da aktuelle Banner paketweise nur einmal wöchentlich vom Server geholt werden, belasten sie nicht die Geschwindigkeit beim Surfen. Ein externer Anzeigen-Broker wickelt das Bannergeschäft ab. Opera versichert ausdrücklich, dabei die Privatsphäre der Surfer nicht zu verletzen. Die Bannereinblendung ist nicht weiter störend, doch mit einem Update zum Preis von 39 US-Dollar kann man sich davon jederzeit erlösen.

Tipp: Noch schneller surfen!

Ein weiterer Geschwindigkeitstrumpf ist der besonders leicht zu aktivierende Verzicht auf allzu viele Bilder. Im Gegensatz zu den großen Konkurrenten lassen sich Werbebanner und Grafiken innerhalb der Browserfenster ganz einfach mit der Taste "G" ausschalten (oder per Mausklick auf das Bildschirmsymbol in der Fortschrittsleiste). Wird die Taste noch einmal gedrückt, werden die Grafiken wieder geladen.

Auch WAP-Angebote lassen sich problemlos mit Opera besuchen

Auch WAP-Angebote lassen sich problemlos mit Opera besuchen

Tipp: Surfen auf WAP-Seiten

Interessant ist auch die experimentelle Implementierung von WML für WAP-Entwickler und neugierige Surfer. Mussten sie sich bisher noch immer einen Spezialbrowser - wie etwa WinWAP von Slob-Trot - installieren, so lassen sich die WAP-Seiten nun dank Opera problemlos auf Fehler prüfen und einfach ohne WAP-Handy durchsuchen.

Tipp: Integrierte Suche

Mit der integrierten Suchfunktion lassen sich schnell und komfortabel die wichtigsten Suchmaschinen wie Google, AltaVista, HotBot und GoTo nach Begriffen, Bildern und Videos durchpflügen. Das Eingabefeld befindet sich in der Fortschrittsleiste, über das nebenstehende Dropdown-Menü lässt sich die Suche einschränken auf Domainnamen, Bücher, Unternehmen, Börsenkurse oder Dateitypen wie Audio-, Bild- und Videodateien.

Noch schneller geht es mit der "Kürzelfunktion" direkt im Adressfeld für die URL: Für alle Suchmaschinenabfragen gibt es eine Abkürzung. "g" steht für Google und so bildet die Verknüpfung "g Opera" eine Suchanfrage nach dem Begriff Opera bei Google. Alle Kürzel finden Sie unter Datei/Einstellungen/Suchen.

Der Import der Favoritenliste muss leider manuell vorgenommen werden

Der Import der Favoritenliste muss leider manuell vorgenommen werden

Tipp: Bookmarks in die Hotlist übernehmen

Eine bereits vorhandene Bookmark-Liste übernimmt Opera automatisch, die Favoriten von Netscape Navigator und Internet Explorer lassen sich nur nachträglich einfügen.

Mit einem rechten Mausklick auf das Bookmark-Register wird das Kontextmenü der im Opera als Hotlist bezeichneten Favoritenliste geöffnet. Unterhalb von Datei/Internet Explorer Favoriten importieren lassen sich die Bookmarks aus der Favoritenliste des Internet Explorers bequem übernehmen, über den weiteren Weg Datei/Datei importieren lässt sich eine beliebige HTML-Datei importieren. Bei Netscape enthält in der Regel die Datei bookmark.htm die Favoriten.

Vielfach werden Internetseiten nur für die zwei Browsergiganten optimiert. Das ist für Opera-Nutzer zuweilen ärgerlich, lässt sich aber mit einem Trick umgehen

Vielfach werden Internetseiten nur für die zwei Browsergiganten optimiert. Das ist für Opera-Nutzer zuweilen ärgerlich, lässt sich aber mit einem Trick umgehen

Tipp: Browser-Identifikation

Vielfach werden Internetseiten nur für die zwei Browsergiganten optimiert. Vor allem die Programmierer von JavaScript-Anwendungen erliegen häufig der Illusion, dass die digitale Welt nur aus Microsoft- und Netscape-Nutzern besteht. Da kann es leicht passieren, dass man trotz aktueller Browserversion von ganzen Seiten ausgesperrt wird. Bei Opera selbst bezeichnet man dieses Verhalten als PAS ("PageAuthorStupid").

Opera bietet glücklicherweise die Möglichkeit, sich etwa als Internet Explorer 5 auszugeben. Diese Strategie hilft zwar nicht, Opera in den Browserstatistiken der Webmaster präsenter zu machen, aber als Surfer bleibt man stets im Rennen. Und so geht es: Datei/Einstellungen/Verbinden/Browser-Identifikation.

Die Kennzeichnung als Internet Explorer ist auch von Vorteil, weil Opera in Ausnahmefällen beim Aufruf von DHTML-Seiten schon mal schlapp macht und mit einer Fehlermeldung komplett abstürzt - Opera verwendet das zugrunde liegende "Document Object Model" des W3C leider nur mit Einschränkungen. Im Explorer-Modus werden einige Microsoft-spezifische Eigenheiten zusätzlich unterstützt.

Weitere wichtige Funktionen werden am Mittwoch in Teil zwei des Opera-Workshops vorgestellt: Sicherheit und Datenschutz, Download-Manager, E-Mail und Newsreader.

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