Schrift ohne Schnörkel 50 Jahre Helvetica

Zu ihrem 50. Geburstag widmet das New Yorker Museum of Modern Art der Schrift Helvetica eine Ausstellung. Denn Experten schätzen, dass sie die populärste Schriftart der Welt ist. Nur Microsofts Helvetica-Klon Arial wird noch häufiger eingesetzt.


Genf - Lange vor dem Internet und der Globalisierung hat die Schriftart Helvetica einen beispiellosen Siegeszug angetreten: Das Buchstaben-Design, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, findet sich in zahllosen Zeitungen, auf Straßenschildern und Werbetafeln. Die Helvetica hat die lateinische Schriftkultur so sehr geprägt, dass sie jetzt sogar mit einer Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art und mit einem Dokumentarfilm geehrt wird.

Szene aus dem Dokumentarfilm "Helvetica": Hommage an eine schnörkelose Schrift
AP

Szene aus dem Dokumentarfilm "Helvetica": Hommage an eine schnörkelose Schrift

"Sie kommuniziert viele Qualitäten, die wir mit den Schweizern in Verbindung bringen", sagt MoMa-Kurator Christian Larson. "Das sind die Ideen, die sich mit den Begriffen rational, funktional, neutral und universal verbinden." Begonnen hat die Helvetica-Geschichte 1957 in Münchenstein bei Basel. Damals wollte der Unternehmer Edouard Hoffmann mit dem Grafikdesigner Max Miedinger eine Schriftart entwerfen, die so erfolgreich wie die damals weit verbreitete "Akzidenz Grotesk" sein sollte.

Bis zum Sommer entwarfen sie eine überaus klare, serifenlose (also schnörkellose) Schrift, der sie den Namen "Neue Haas Grotesk" gaben. Hoffmann war nämlich Geschäftsführer der Haas'schen Schriftgiesserei AG. Weil dieser Name für eine internationale Verbreitung kaum geeignet schien, folgte aber bald die Umbenennung in "Helvetica".

Die ebenso moderne wie seriöse Anmutung dieser Schrift löste überall wo sie hinkam Begeisterung aus. Und das war zu Beginn der 60er Jahre nahezu der gesamte Kulturraum mit einer lateinischen Schrift. "Die Helvetica ist überall", sagt der Schweizer Verleger Lars Müller, der für die MoMa-Ausstellung einen zwölf Kilogramm schweren Originalsatz mit Helvetica-Lettern aus Blei beigesteuert hat. "Man würde die Helvetica vermissen, wenn es sie nicht gäbe." So erhielt die Helvetica in den 80er Jahren auch ihren Platz in der Sammlung von ursprünglich elf Schriftarten, die mit dem Apple-Computer ausgeliefert wurden. Und damit startete die Revolution des "Desktop Publishings", die jeden kreativen Menschen zum Verleger machen kann. "Heute ist die Helvetica die am meisten verbreitete Schriftart der Welt, wenn man Arial außer Acht lässt", sagt Otmar Hoefer von der deutschen Firma Linotype, die inzwischen die Rechte an der Helvetica besitzt.

Es gab zahllose Versuche, die Helvetica zu imitieren. Am erfolgreichsten wurde die Schriftart Arial, die Microsoft für sein Betriebssystem Windows entwickelt hat. Wegen ihrer massenhaften Verbreitung in E-Mails oder Word-Dokumenten hat sie der Helvetica inzwischen den Rang als meistverwendete Schriftart abgelaufen. In der Druck- und Werbebranche aber ist die Bedeutung der Helvetica ungebrochen. "Ich denke, die Helvetica ist immer noch Weltmeisterin", sagt Larson. "Man kann sie einfach nicht verbessern."

Frank Jordans/AP



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