Selbstblockade Druckerhersteller gängelt Nutzer mit Seitenlimit

Diese Funktion treibt viele Computernutzer in die Verzweiflung: Der Drucker stellt einfach seine Arbeit ein - weil der Hersteller eine Obergrenze an Druckaufträgen programmiert hat. Jetzt gelang einem Bastler der Befreiungsschlag.

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Diesen Spruch las Maschinenbauer Christian Zabel zum ersten Mal auf dem Display seines Epson-Tintenstrahldruckers: "Wartung erforderlich. Die Lebensdauer einiger Druckerteile ist abgelaufen." Und es sollte vorerst das letzte Mal sein: Der Drucker schaltete sich daraufhin ab, verweigerte den Dienst.

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Zabel suchte im Internet nach einer Erklärung, fand in Web-Foren die Lösung: In dem Drucker läuft ein Zähler mit, der nach einer bestimmten Anzahl von Ausdrucken die weitere Arbeit blockiert. Hintergrund: Im Drucker fängt ein Vlies überschüssige Tinte bei Reinigungsvorgängen auf. Irgendwann könnte es voll sein, dann würde Tinte aus dem Drucker laufen. Um das zu vermeiden, baut Epson Tintenstrahldruckern die Selbstblockade ein.

Zabel findet im Web auch ein Hacker-Werkzeug, mit dem er den Zähler seines Druckers auf Null setzt. Er ersetzt das Auffang-Vlies nicht. Seit drei Monaten laufe der Drucker problemlos, als ob nichts gewesen wäre - keine Störung, keine Probleme. Diese erstaunliche Geschichte erzählt das Fernsehmagazin des Computerhefts "c't".

Die Begebenheit überrascht Tim Gerber, Drucker-Experte bei "c't", nicht. Er hat zum ersten Mal vor acht Jahren über das eingebaute Ausdruck-Limit von Tintenstrahldruckern berichtet. Sein Urteil: "Trotz der Kritik haben die Hersteller am Funktionsprinzip dieser Drucker-Bremsen nichts geändert: Überschüssige Tinte ist tatsächlich ein technisches Problem. Nur lösen die seit Jahren eingesetzten Mechanismen das ganz klar im Sinn der Hersteller." (Tipps gegen die Druckerblockade im Kasten unten)

Im Webforum zum "c't"-Beitrag empören sich nun Nutzer über die Drucker-Selbstblockade ohne Vorwarnung: "Das ist ja Betrug", "Da ist der Gesetzgeber gefragt" und: "Ist das mit deutschem Recht überhaupt vereinbar?"

SPIEGEL ONLINE zählt die Vorwürfe auf und konfrontiert die in Deutschland führenden Anbieter von Tintenstrahldruckern Epson, Canon und HP mit der Kritik.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
nr23 16.01.2008
1. Einfach Drucker tauschen
Ich hatte einen Epson Photo R200, der auch dieses Problem hatte und mit einem Programm konnte ich den Drucker zurücksetzen. Dann hat er aber irgendwann ganz gesponnen. Da ich noch etliche Patronen hatte, habe ich einen Epson Photo R340 gekauft, der die gleichen Patronen benutzt. Der hat mit 6 neuen Patronen 80 Euro gekostet - _nur_ 6 neue Original-Patronen hätten mehr gekostet. Also ist es billiger einen neuen Drucker zu kaufen als die Patronen, da geht der Druckerwahnsinn weiter...
Peter Carl1 16.01.2008
2. Drucker
Mann sollte einen neuen Drucker kaufen, und wenn die Patronen leer sind einfach statt Patronen einen neuen Drucker kaufen. Rechnet sich vielleicht. Ich habe das schon lange satt mit dieser Abzocke.
Hans58 16.01.2008
3. anderer Drucker
Zitat von Peter Carl1Mann sollte einen neuen Drucker kaufen, und wenn die Patronen leer sind einfach statt Patronen einen neuen Drucker kaufen. Rechnet sich vielleicht. Ich habe das schon lange satt mit dieser Abzocke.
Vielleicht rechnet sich sogar ein Farb-Laser Drucker auf lange Sicht (da gibt es einen Discounter, der mit "A" anfängt).
Flachländer, 16.01.2008
4. Auf Laserdrucker ausweichen!
Ich nutze seit Jahren auch privat nur noch Laserdrucker. Beim Laserdrucker kann - auch nach wochenlangem Nicht-Gebrauch - keine Tinte eintrocknen und ich kann billigstes Papier verwenden. Farbfoto-Abzüge bestelle ich für wenig Geld im Online-Labor. Kleine Farb-Laserdrucker sind inzwischen recht preisgünstig zu haben. Die etwas höheren Anschaffungskosten macht der Laserdrucker durch seine viel geringeren laufenden Kosten schnell wieder wett, auch wenn wenig gedruckt wird.
Emmi 16.01.2008
5. Aber der Toner kann festbacken!
Zitat von FlachländerIch nutze seit Jahren auch privat nur noch Laserdrucker. Beim Laserdrucker kann - auch nach wochenlangem Nicht-Gebrauch - keine Tinte eintrocknen und ich kann billigstes Papier verwenden. Farbfoto-Abzüge bestelle ich für wenig Geld im Online-Labor. Kleine Farb-Laserdrucker sind inzwischen recht preisgünstig zu haben. Die etwas höheren Anschaffungskosten macht der Laserdrucker durch seine viel geringeren laufenden Kosten schnell wieder wett, auch wenn wenig gedruckt wird.
Tinte natürlich nicht. Aber das Tonerpulver, das statt dessen zum Einsatz kommt, kann in der Kartusche festklumpen, wenn der Drucker LAAAAANGE nicht verwendet wird. Ist mir dann mit meinem Panasonic Laserdrucker passiert (war ein Höllengerät mit Duplexfunktion und 300dpi von Anfang der 90er...). In der Tat ist das Problem, dass ich mitunter monatelang nichts ausdrucke, der Grund dafür, dass in meinen Haushalten mittlererweile 3 Tintenstrahldrucker stehen, die nicht mehr verwendet werden können, weil auch nach 100x Reinigen der Düsen kein vernünftiger Ausdruck mehr zustandekommt. Und eine Instandsetzung käme teurer als ein neuer Drucker... Wenn ich aber meine Schreibmaschine Typ "Erika" aus den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus dem Kasten hole und ein neues Farbband einsetze, dann schreibt die immer noch... Irgendwas ist hier in den letzten Jahrzehnten gründlich falsch gelaufen... Emmi
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