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Sony BMG Kopierschutz: Jetzt gibt es echte Viren

Es war nur eine Frage der Zeit: Seit zwei Tagen machen findige Virenschreiber aus Sony BMGs umstrittenen Kopierschutz ein echtes Sicherheitsrisiko. Ein Problem ist das weniger für die Internet-Nutzer, als vielmehr für Sony BMG.

Knapp eineinhalb Wochen, nachdem auf einer IT-Sicherheitsseite der CD-Kopierschutz "XCP" von Sony BMG als potenzielles Sicherheitsrisiko thematisiert wurde, wurde er zu einem echten. Nach dem eher theroretischen "Exploit" (so nennt man die Ausnutzung einer Sicherheitslücke) Ende der ersten Novemberwoche, mit dem Gamer den Kopierschutz dafür nutzen wollten, bei Online-Spielen zu pfuschen, kursieren nun echte Viren und Trojaner.

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Ein erster Trojaner tauchte im Laufe des Donnerstag auf, wurde von Sicherheitsfachleuten aber als nicht effektiv eingestuft. Eine verbesserte Version folgte wenige Stunden später - und der hatte das Potenzial, einen Rechner mit Sony BMGs Kopierschutz komplett zu übernehmen.

"Wir reden hier nicht mehr von einer theroretischen Bedrohung", kommentierte Sam Curry von der IT-Sicherheitsfirma Computer Associates. "Es geht auch nicht mehr um Kopierschutz oder Digital Rights Management. Hier geht es um Leute, deren Rechner übernommen werden."

Dramatik, lass dich umarmen: Allzu viele werden das wohl nicht sein. Der XCP-Kopierschutz wurde bisher nur auf 19 Sony-BMG-Alben gefunden: Die Digital-Rights-Gruppe Electronic Frontier Foundation EFF veröffentlichte eine entsprechende Liste.

Der europäische Arm des Unternehmens versichert, dass XCP nur in den USA zum Einsatz gebracht wurde. Einzelne Exemplare mögen es per eBay oder Amazon über den Atlantik geschafft haben, ein großes Virenproblem ergibt sich daraus aber nicht. Die "Zielgruppe" des Virus ist auf den Kreis der Käufer eingeschränkt - und überaus erfolgreiche Kassenschlager finden sich unter den bisher identifizierten Alben eher nicht (siehe unten).

Den Virenautoren geht es wohl eher darum, einen Punkt zu beweisen: Dass Sony BMG Kopierschutz entgegen aller Versicherungen des Konzerns eben doch ein Sicherheitsrisiko darstellt. Das Unternehmen könnte das teuer zu stehen kommen: Eine Sammelklage ist in Kalifornien bereits eingereicht worden, zwei weitere sind in Vorbereitung. Sollten bei Privatnutzern echte Schäden durch Viren oder Trojaner entstehen, dürfte das zu erhöhten Schadenersatzforderungen führen. Bisher geht es nur um eine angenommene Rechtsverletzung: Die Kläger deuten die Installation des Kopierschutz-"Rootkits" als eine Form des Computer-Einbruchs.

Aufgrund des mit der Software verbundenen Sicherheitsrisikos kommt Sony BMGs Kopierschutz als erstes solches Programm in den Genuss einer Behandlung als zu deinstallierendes PC-Virus: Die meisten IT-Sicherheitsunternehmen haben bereits entsprechende Tools vorgelegt, "XCP" in ihre Virenscanner-Filter aufgenommen oder werden dies in den nächsten Tagen tun.

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