Sony PSP Ratzfatz kahle Regale

Wer gerade vorhat, sich eine der mobilen PSP-Spielkonsolen zuzulegen, dürfte sich in den nächsten Tagen fühlen wie zu Zeiten finsterster DDR-Planwirtschaft: "Ausverkauft!" ist vielerorts die Standard-Auskunft. In Großbritannien und Deutschland setzt die PSP Verkaufsrekorde.


Schwer begehrt: Die Nachfrage nach der PSP ist höher, als selbst Hersteller Sony erwartete

Schwer begehrt: Die Nachfrage nach der PSP ist höher, als selbst Hersteller Sony erwartete

Mit der neuen mobilen Spielekonsole PSP verband Sony hohe Hoffnungen: Seit das Konsolengeschäft bei Japans Elektronikriesen maßgeblich über Plus und Minus der Bilanz entscheidet, besitzen die Daddel-Projekte höchste Priorität. Mit der Nintendo DS hatte der einzige echte Konkurrent am Nischenmarkt der Mobilkonsolen Anfang Dezember 2004 in Japan vorgelegt, Sony folgte nur Tage später. Grund genug für Nervosität, denn bis zum Winter letzten Jahres hielt Nintendo mit den Gameboy-Geräten satte 90 Prozent des Weltmarktes.

Doch bald schon konnten die Sony-Mächtigen erleichtert durchatmen. Noch im Weihnachtsgeschäft setzten sie über 200.000 PSPs ab, und die Nachfrage ließ nicht nach. Ende August konnte Sony weltweit fünf Millionen verkaufte Exemplare des schicken Entertainment-Flachmanns melden.

Dabei hatte der Verkauf in Europa noch gar nicht begonnen.

Der begann offiziell am Donnerstag letzter Woche, und Sony gab sich selbstbewusst. Bis Weihnachten, sagte ein Sony-Manager gegenüber SPIEGEL ONLINE auf der Games Convention, wenige Tage vor dem Verkaufsstart, erwarte man "Warenknappheit".

In der Tat: Nach sechs Verkaufstagen meldet der Handel weitgehend leere Regale. An etlichen Orten sei die PSP völlig ausverkauft. Für Deutschland sensationelle 75.000 Geräte seien für den stolzen Preis von je 250 Euro abgesetzt worden - jetzt bemüht sich Sony um Nachschub. Da sage noch einer, Geiz sei geil.

Nintendo DS: Nur noch die Nummer 2?
AFP

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Die Briten, seit langem spielfreudiger als deutsche Verbraucher, langten noch weit kräftiger zu, aber hier zeigte sich Sony besser vorbereitet. Stolze 185.000 PSP-Geräte brachte der dortige Handel allein bis zum Wochenende an den Mann. Schneller und in höherer Stückzahl hat sich in Großbritannien noch kein elektronisches Spielgerät verkauft: Bisher hielt den Rekord Nintendo mit der DS, von der sich in der ersten Verkaufswoche vergleichsweise bescheidene 87.000 Stück verkauften.

Sorgen hatte Sony im Vorfeld unter anderem die Frage bereitet, ob sich das speziell für die PSP entworfene und nur für diese Konsole brauchbare Speichermedium würde durchsetzen können. Nachdem in nicht einmal einer Woche 20 der 24 zum Produkt-Launch veröffentlichten PSP-Titel in den TOP 40 der britischen Spielecharts landeten, dürften da einige Bedenken zerstoben sein. Dass derzeit vier der TOP 5-Titel PSP-Spiele sind, überrascht da kaum mehr.

Fraglich bleibt noch, ob sich Sonys "Universal Media Disk" UMD auch als Film-Datenträger wird durchsetzen können. Hier liegen noch keine Zahlen vor. Erste Versand-Videotheken haben das UMD-Format aber bereits in ihr Angebot aufgenommen.

Nachtrag: Sony hat inzwischen bekanntgegeben, dass es sich bei den genannten 75.000 Geräten um die Zahl der an den Handel ausgelieferten PSPs handelt. Wie viele tatsächlich an Endkunden verkauft wurden, ist noch nicht klar. In verschiedenen Elektronikmärkten sind noch Geräte zu haben, und auch Amazon.de hat noch PSPs im Angebot.



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