Spionage- und Hackerabwehr: Bundeswehr baut geheime Cyberwar-Truppe auf

Massive Angriffe auf Kanzleramt und Ministerien haben die Bundesregierung aufgeschreckt: Mit einer Bundeswehr-Sondereinheit will sie nach SPIEGEL-Informationen jetzt dem elektronischen Ernstfall begegnen. Die Hacker in Uniform sollen auch lernen, fremde Netze auszukundschaften und zu zerstören

Handy-Nutzer: Wie ist Regierungskommunikation zu schützen?
REUTERS

Handy-Nutzer: Wie ist Regierungskommunikation zu schützen?

Berlin - Die Bundeswehr wappnet sich mit einer bislang nicht bekannten Einheit für künftige Internet-Konflikte.

Nach Informationen des SPIEGEL arbeiten die derzeit 76 Mitarbeiter der im Aufbau befindlichen "Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen" streng abgeschottet in der Tomburg-Kaserne in Rheinbach nahe Bonn und sollen bis zum kommenden Jahr voll einsatzfähig sein.

Die Hacker in Uniform, die unter dem Kommando von Brigadegeneral Friedrich Wilhelm Kriesel stehen und organisatorisch dem Kommando Strategische Aufklärung angehören, trainieren für den elektronischen Ernstfall, wie es ihn zuletzt mit den Cyber-Angriffen auf Estland und Georgien gab.

Die Soldaten sind vor allem aus den Fachbereichen für Informatik an den Bundeswehruniversitäten rekrutiert. Sie beschäftigen sich auch mit den neuesten Methoden, in fremde Netzwerke einzudringen, sie auszukundschaften, sie zu manipulieren oder zu zerstören – digitale Angriffe auf fremde Server und Netze inklusive.

Parallel investiert die Bundesregierung weithin unbemerkt in die Verbesserung der eigenen IT-Sicherheit. Nach massiven Angriffswellen mit Schadprogrammen auf Bundesministerien und das Bundeskanzleramt im Frühjahr und Sommer 2007, die Ermittler auf Server in der chinesischen Provinz Lanzhou zurückführten, soll das Bonner Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einer Cyber-Verteidigungsagentur für die Behörden aufgewertet werden.

Schon Mitte Januar verabschiedete das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur "Stärkung der Informationssicherheit des Bundes". Ihm zufolge erhält das BSI mehr Geld, Personal und deutlich erweiterte Befugnisse. So soll es künftig die Datenströme der Behörden automatisiert überwachen und ihnen konkrete IT-Sicherheitsvorgaben machen. Bislang dürfen die Bonner Sicherheitsexperten nur Empfehlungen aussprechen.

Anfang März soll der Bundestag über das Gesetz beraten. Die "besondere Eilbedürftigkeit" ergebe sich aus der "notwendigen Absicherung der Regierungskommunikation", heißt es in der Begründung.

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Forum - Was tun gegen Hacker?
insgesamt 81 Beiträge
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1.
Baikal 07.02.2009
Zitat von sysopDie Bundeswehr wappnet sich mit einer bislang nicht bekannten Einheit für künftige Internet-Konflikte - ist das die richtige Methode, um effektiv gegen Hacker und Spione vorzugehen?
Auf jeden Fall die richtige Methode, um die Militarisierung der Gesellschaft im Inneren voranzutreiben. Schäuble is watching you - ein Mann, der den Zweck heiligt für alle Fälle.
2. seufz
nepo77 07.02.2009
Ich entnehme dem Bericht das die 3. größte Wirtschaftsmacht seit Monaten oder Jahre offen wie ein Scheunentor ist. Naja bauen wir eben Kartoffelchips und die Chinessen Computerchips....
3.
Chrysop 07.02.2009
Zitat von sysopDie Bundeswehr wappnet sich mit einer bislang nicht bekannten Einheit für künftige Internet-Konflikte - ist das die richtige Methode, um effektiv gegen Hacker und Spione vorzugehen?
So geheim scheint die "geheime" Cyber-War Truppe der Bundeswehr ja nicht zu sein, wenn über ihren Sinn hier diskutiert werden soll. Ich bezweifle, dass eine militärische organisierte Truppe jemals in diesem Bereich erfolgreich arbeiten wird, scheuen sich doch talentierte Hacker vor Autorität und Disziplin, wie der Teufel vor Weihwasser.
4. So doof können sie nicht sein,10 Jahre schlafen?
1lauto 07.02.2009
Die Angriffe sind lange dokumentiert: http://www.zeit.de/1999/40/199940.nsa_2_.xml ob Freund ob Feind- 70 Leute als Abwehr gegen den Xyberangriff? Die träumen wohl?
5. Das klingt ja alles total geheimnisvoll
fastwalker 07.02.2009
"Geheime Cyberwar Gruppe" Naja so geheim ist die ja jetzt nicht mehr, "Parallel investiert die Bundesregierung weithin unbemerkt in die Verbesserung der eigenen IT-Sicherheit" Investiert die Regierung so irgendwie öffentlicher, was bitte schön ist denn unbemerktes investieren. Hoffentlich ist es nicht unbedachtes investieren in irgendeinen unnützen Schrott. Ich dachte ohnehin, das mit Hilfe des Hackerparagraphen das Netz in Deutschland schon ausreichend geschützt ist ;-) Auf diese Weise hat mans in D ja auch schon geschafft, die Leute die wirklich Ahnung von der Materie haben, am arbeiten zu behindern. Gelten die Bestimmungen des Hackerparagraphen eigentlich auch für die BW oder sind die da als Staatsgewalt von ausgenommen?
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