Stiftung Warentest gegen Nokia: Streit über explodierende Nokia-Akkus

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Als die Nachricht von explodierenden Nokia-Akkus um die Welt ging, schrillten beim Handy-Hersteller die Alarmsirenen. Der beharrt darauf, seine Akkus seien sicher, die Stiftung Warentest habe Fälschungen getestet. Die will das nicht ganz ausschließen - reicht den Schwarzen Peter aber weiter.

Schriftzug, Strichcode, Typbezeichnung: Dieser von Stiftung Warentest getestete Akku, sagt Nokia, ist eine Fälschung
Stiftung Warentest

Schriftzug, Strichcode, Typbezeichnung: Dieser von Stiftung Warentest getestete Akku, sagt Nokia, ist eine Fälschung

Wenn ein Unternehmen ins Gerede kommt, setzt heutzutage die so genannte Krisen-PR ein: Kommunikationsprofis bemühen sich um Entschärfung der Situation. Die Profis von Nokia standen am 10. November vor einer ziemlich heftigen Aufgabe: Die Tester der Stiftung Warentest, die in Deutschland seit Jahrzehnten eine Aura der Unfehlbarkeit besitzen, warnten vor der Gefahr explodierender Handy-Akkus.

Das ist eigentlich erstens eine alte Kamelle, zweitens war es bisher eher verkaufsfördernd, denn immer waren es Billig-Akkus, die ihren Nutzern um die Ohren flogen. Der Industrie gab das Gelegenheit, die liebe Kundschaft zart zum Kauf teurer Markenprodukte zu mahnen: Kauft bei uns Leute, war die auch von Warentestern gestützte unterschwellige Botschaft, oder die Tage von Handy und Ohr sind gezählt.

Diesmal jedoch, behauptete die Stiftung Warentest, habe man original Nokia-Akkus per Kurzschluss zur Bombe gemacht. Nokia dementierte umgehend und vehement.

Und machte Druck: Beim Kooperationspartner der Stiftung Warentest, der belgischen Testzeitschrift "Test-Aankoop", gewährte man Nokia-Leuten Zugang zu den getesteten Geräten. Und siehe da: Die explodierten Akkus, sagt Nokia, sind Fälschungen.

Umso schlimmer, sagt die Stiftung

Unmöglich sei das nicht, gibt auch "Test"-Redakteur Henning Withöft zu. Allerdings mache das die ganze Sache ja noch

viel schlimmer: "Wir sind wie ganz normale Verbraucher in den Handel gegangen und haben Nokia-Handys gekauft. Was finden wir darin? Billig-Akkus, die gar nicht von Nokia waren, und mit dem Nokia-Schriftzug versehene Akkus der Typen BML-3 und BMC-3, von denen uns Nokia nun sagt, dass diese Fälschungen seien!"

Ein Aufreger für den Redakteur, der klar sagt, dass er zu seinen Testergebnissen stehe: "Theoretisch könnte ich mir für meine Tests die Geräte direkt beim Hersteller anfordern. Ich kann das, der Verbraucher aber nicht. Also muss man doch die Frage stellen, wieso Nokia seine Vertriebskanäle nicht unter Kontrolle hat? Wie kann das sein, dass die wissen, dass Nokia-Fälschungen unterwegs sind, und sie tun nichts dagegen? Wenn ich eine DVD kaufe, ist da ein Hologramm drauf, Softwarefirmen machen es auch so."

Schwarzer Peter: Weitergeben, bitte!

Nokia sieht das natürlich anders. Wie genau, dass will das Unternehmen erst heute Nachmittag im Rahmen einer Pressekonferenz erörtern - bis dahin gilt: So gut wie kein Kommentar. Immerhin ist bereits zu erfahren, dass "das Unternehmen bei der Produktion einer Ware nicht grundsätzlich davon ausgehen kann, dass diese gleich plagiiert wird".

Bei der Kontrolle der Vertriebswege setze Nokia "höchste Ansprüche an sich selbst" an, verriet eine Sprecherin vorab. Es sei zwar richtig, dass beispielsweise die Akkus keine fälschungssicheren Merkmale wie Hologramme trügen, doch könne man "im Fachhandel" sicher davon ausgehen, "dass ein eingeschweißtes, Original-verpacktes Nokia-Produkt auch garantiert echt" sei. Auf der Umverpackung stehe dann "Nokia OK".

Damit läge der Schwarze Peter dann beim betrügerischen Einzelhändel, doch dazu will Nokia sich wieder nicht äußern und verweist auf kommende Presseerklärungen (Update bei SPIEGEL ONLINE am Nachmittag).

Das Argument jedoch, Tester sollten sich ihre Untersuchungsgeräte direkt beim Hersteller besorgen, zieht einwandfrei nicht: Jedes seriöse Testlabor bezieht seine Untersuchungsobjekte aus dem Handel. "Test"-Redakteur Withöft: "Wenn ich im Autohandel einen Wagen kaufe, gehe ich ja auch nicht davon aus, dass es sich um ein falsch beschriftetes Plagiat handeln könnte."

Wichtiger noch sei aber die Wahrung eines Grundprinzipes: Getestet werden Waren, die unter den gleichen Umständen erworben werden, wie vom Verbraucher. Selbst für den Fall, dass die Warentester dann gefälschten Produkten aufgesessen wären, sieht Withöft dann vor allem Handlungsbedarf beim Unternehmen. "Die scheinen das doch zu wissen, dass es so etwas gibt. Warum tun sie dann nichts dagegen?"

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