Stromverbrauch von Netzwerken Energieschleuder Ethernet

Einer Studie zufolge verbrauchen ineffiziente Netzwerke allein in den USA Strom für 450 Millionen US-Dollar pro Jahr. Hauptverursacher sollen Privathaushalte sein.


Dem Stromverbrauch von PCs und Servern widmet die IT-Industrie seit Jahren viel Aufmerksamkeit. Da werden Prozessoren darauf getrimmt, selbst die kürzesten Arbeitspausen für Strom sparenden Sekundenschlaf zu nutzen, während Festplatten und Bildschirme sich nach Phasen der Inaktivität gleich ganz abschalten. Einem der vielen Stromverbraucher im PC-Umfeld wurde dagegen bisher keinerlei Aufmerksamkeit gewidmet: dem Netzwerk.

Kabelwirrwarr im Netzwerk: Im Leerlauf wird Strom im Wert etlicher Millionen US-Dollar verschleudert
DDP

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Dabei scheint in Netzwerken ein ungeheures Einsparpotential zu schlummern. Das legt zumindest eine Studie der "Energy-Efficient Ethernet Study Group" (EEE) nahe. Die hat berechnet, dass schlecht genutzte Ethernet-Verbindungen allein in den USA unnötigerweise 5,8 Terawattstunden Strom im Wert von 450 Millionen US-Dollar verbrauchen. Im Rest der Welt könnten es sogar dreimal so viel sein.

Schuld an dieser Verschwendung ist offenbar die Gigantomanie, mit der vielerorts Vernetzung betrieben wird. Das legt zumindest der EEE-Vorsitzende Mike Bennet gegenüber "The Register" nahe. So habe seine Arbeitsgruppe bei Messungen festgestellt, dass bei einer Gigabit-Verbindung, die mit weniger als einem Zehntel ihrer Maximal-Leistung genutzt wird, vier Watt eingespart werden könnten, würde man sie gleich im langsameren 100-Megabit-Modus verwenden. Das mag nach wenig klingen, summiert sich angesichts der riesigen Zahl vernetzter Computer und Endgeräte jedoch zu stattlichen Mengen. Weiter steigende Netzwerkgeschwindigkeiten würden dieses Problem noch verschärfen, so Bennet. Auf bis zu 24 Watt taxiert er den Stromverbrauch neuer Hochgeschwindgkeits-Netzwerkkarten für Server.

Hauptursache Heimvernetzung

Doch die Masse der unnützen Stromverbraucher liegt der Studie zufolge weder in den großen Rechenzentren noch im Unternehmensbereich. Vielmehr sind, zumindest in den USA, offenbar Privathaushalte die größten Netzwerk-Stromverschwender. Breitbandmodems, die 24 Stunden am Tag online bleiben, IPTV-Settop-Boxen und private Netzwerkdrucker verheizen mit ihren leer laufenden Ethernet-Schnittstellen Energie im Wert von 200 Millionen US-Dollar pro Jahr - so die Schätzung.

Abhilfe soll einem Vorschlag des Netzwerk-Ausrüsters Cisco zufolge ein Mechanismus bringen, der die Geschwindigkeit von Netzwerkverbindungen automatisch an die jeweils benötigte Bandbreite anpasst, ohne dabei die Verbindung zu unterbrechen. Bisher ist eine solche Geschwindigkeitsanpassung nur möglich, während die Verbindung hergestellt wird.

Die EU arbeitet schon dran

Paolo Bertoldi von der EU-Kommission begrüßt diese Bestrebungen. Einer Hochrechnung zufolge könnte sich der Stromverbrauch von Netzwerkgeräten innerhalb der EU bis 2015 auf bis zu 50 Terawattstunden summieren. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Kommision einen "Code of Conduct" festgelegt, in dem sich Hersteller verpflichten, ihre Netzwerk-Produkte so zu konstruieren, dass sie bestimmte Obergrenzen beim Stromverbrauch nicht überschreiten. Eine Ausweitung dieser Willenserklärung auf den Stromverbrauch der Ethernet-Ports käme ihm da gerade recht.

Wer schon jetzt etwas gegen unnötig hohen Stromverbrauch von Netzwerkkomponenten tun will, muss allerdings nicht warten, bis entsprechende Geräte verfügbar sind. Stattdessen gilt auch hier die Empfehlung, abzuschalten was nicht benötigt wird. Wer tagsüber im Büro sitzt, sollte das private DSL-Modem bis zum Feierabend und auch nachts vom Netz trennen. Hat das Gerät keinen Aus-Schalter, leistet eine schaltbare Steckdosenleiste denselben Dienst. Teure Gigabit-Switches, die mittlerweile auch zur Heimvernetzung angeboten werden, braucht im Heimbereich kaum jemand. Um MP3-Dateien zu kopieren oder womöglich einen Film vom PC auf das TV-Gerät zu streamen, reicht auch ein 100-Megabit-Switch vollkommen aus. Der kostet nicht nur bedeutend weniger, sondern verbraucht auch weniger Energie.

mak



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