Studie Web-Telefonie bedroht UMTS-Geschäft

Das Telefonieren über Internet wird auch auf Handys in Mode kommen, prophezeit eine deutsche Unternehmensberatung. Weil die Datentarife im UMTS-Netz deutlich günstiger sind als Gesprächsminuten, könnte Voice-over-IP sogar die Umsätze mit UMTS gefährden.


UMTS-Handy Samsung Z105: Spricht noch kein IP
DPA

UMTS-Handy Samsung Z105: Spricht noch kein IP

Als Konkurrenz zum Festnetz nimmt Voice-over-IP langsam aber sicher an Fahrt auf. Schon seit einigen Monaten können deutsche Kunden IP-Telefone kaufen, die an das DSL-Modem angestöpselt werden. Die Apparate funktionieren genau wie ein herkömmliches Telefon, nur dass sie das Gespräch komplett übers Internet abwickeln. Gesprochenes wird in kleine Datenpakete zerlegt, die durch das Web zum Gesprächspartner rasen.

Webtelefone verstehen sich inzwischen auch mit herkömmlichen Festnetzanschlüssen oder Handys, die Verbindungspreise liegen meist deutlich unter normalen Telefontarifen. Von Webtelefon zu Webtelefon kostet das Telefonieren sogar nichts, sieht man von der notwendigen DSL-Flatrate ab.

Doch damit ist Voice-over-IP, wie die Internet-Telefonie auch genannt wird, noch lange nicht am Ende der Möglichkeiten. Die Unternehmensberatung Mummert Consulting geht davon aus, dass schon in einigen Jahren auch Mobiltelefone Voice-over-IP (VoIP) beherrschen werden.

Die schnellen UMTS-Datendienste, mit denen T-Mobile & Co vor allem Geschäftskunden zum Mobilsurfen motivieren wollen, könnten ebenso gut für VoIP genutzt werden. Weil die Mobilfunkbetreiber daran weniger verdienen würden als bei der herkömmlichen Minutenabrechnung von Gesprächen, könnte VoIP sogar die Umsätze einbrechen lassen, glauben die Berater.

Ein dafür erforderliches UMTS-IP-Telefon wäre technisch leicht herzustellen. "Bisher gibt es so etwas noch nicht", sagte Mummert-Berater Bernd Janke dem Wissenschaftsmagazin "Technology Review". "Aber Hersteller sind interessiert, wie wir hören." Anbieter von VoIP- und WLAN-Telefonen wie Cisco könnten das Geschäft für sich entdecken.

Laut Berechnungen von Mummert könnten die mobilen Gesprächspreise auf rund zwölf Cent pro Minute sinken. Die Einsparmöglichkeiten seien größer als im Festnetz. "Wir sehen ein Marktpotenzial bereits im Mittelstand", erklärte Janke.

Laut Mummert könnten VoIP-Anbieter schnell in den UMTS-Markt einsteigen; auch Mobilfunkvermarkter könnten das Geschäft für sich entdecken und UMTS-Datenpakete samt VoIP-Tarifen anbieten.

Den UMTS-Netz-Betreibern wie Vodafone und T-Mobile dürfte eine derartige Marktentwicklung kaum passen, schließlich würden ihre Umsätze im Bereiche Sprachtelefonie einbrechen. Sie sind sich der Situation bewusst: "Wir hätten keine Chance, das zu kontrollieren", sagte Vodafone-Sprecher Heiko Witzke gegenüber "Technology Review". Das sei jedoch auch gar nicht gewollt: Vodafone biete den UMTS-Nutzern einen vollwertigen Internet-Zugang und dies solle auch so bleiben. Laut Witzke gehörten VoIP-Anwendungen dazu. Auch ein eigener Einstieg in VoIP ist denkbar. Janke berichtete von ersten Analysen bei den Netzbetreibern: "Man guckt sich gerade an, was man damit machen kann."

Der einfachste Weg, um sich unliebsame Konkurrenz vom Hals zu halten, sind jedoch für VoIP unattraktive Datentarife. Solche gibt es bei Vodafone und T-Mobile bereits ansatzweise. Zwar kosten 30 Stunden UMTS-Datenübertragung im Paket nur 70 Euro, was einem Minutenpreis von 3,8 Cent entspricht. Doch abgerechnet wird bei beiden Anbietern im 10-Minuten-Takt. Ein Telefonat schlägt somit mit mindestens 38 Cent zu Buche, auch wenn es nur wenige Sekunden dauert.



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