Suchmaschinen Yahoo durchsucht Podcasts

"Podcasts" sind kleine, oft von Privatleuten produzierte "Radioprogramme", die als MP3-Dateien via Internet verteilt werden. Die Suche nach den Perlen in diesem ständig wachsenden Audio-Angebot im Internet will Yahoo ab sofort erleichtern. Wir hörten mal rein.


Gerüchte darüber, dass Yahoo am Montag einen Suchservice für Podcasts aus der Taufe heben wird, kursierten bereits am Wochenende. Online ging der Betatest von "Yahoo!Podcasts" dann schon, als Amerika noch selig schlief: Während die US-Zeitungen am Morgen noch verkünden, dass da was in der Mache sei, läuft die Sache längst.

Nagelneu: Yahoos Podcast-Suche ging in der Nacht von Sonntag zu Montag online

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Und zwar recht ordentlich: Neben der üblichen Suchmaske bietet "Yahoo!Podcasts" auch eine redaktionelle Auswahl empfehlenswerter Podcasts sowie einen Überblick über die aktuell populärsten Clips. Wie groß der erfasste Bestand ist, ist bisher nicht bekannt.

Die Ergebnislisten berücksichtigen sowohl "Tags", über die Podcasts kategorisiert werden, als auch Stichworte aus der in der Regel nur einen Satz kurzen Beschreibung des Podcasts. Die Tags können durch registrierte Nutzer ergänzt werden, so dass die Podcast-Suche theoretisch auch von ihren Nutzern lernt.

"Pods" für Anfänger

Die Zielgruppe des neuen Suchservices liegt offenbar auch bei Internet-Nutzern, die Podcasts bisher nicht für sich entdeckt haben. Yahoo bietet solchen "Neulingen" eine ausführliche Erklärungsseite, wie man an Podcasts kommt und womit man sie dann hören kann. Bald sollen "Werkzeuge" zum Erstellen eigener Podcasts folgen. Als Software für das Hören abonnierter Podcasts bietet Yahoo sowohl das "Yahoo! Music Engine with Mediacast Plugin", als auch Apples iTunes 5.0 zum Download an.

In der Praxis aber hofft Yahoo offenbar, die Hörer ganz im eigenen Angebot halten zu können. Die Suchergebnisse werden mit Links zum direkten Hören oder zum Download (zumeist als MP3) serviert sowie mit einem Link zum Download des zugehörigen RSS-Feed (über den man die Sendungen "abonnieren" kann).

"Hören" und "RSS-Feed" erscheinen dem Neueinsteiger als integraler Teil des Yahoo-Podcast-Angebotes: Im Zweifelsfall nimmt er gar nicht wahr, dass die Inhalte von jemand anderem geliefert werden (zumal vor dem Abo des RSS-Feed grundsätzlich das Login als Yahoo-Member steht).

Nicht schlimm, eine Hand wäscht die andere: Immerhin bietet das Angebot vielen Podcasts, die sonst eher Hörerfrei im Web dümpeln, die Chance auf ein großes Publikum. Darunter finden sich viele kleine, wahrhaft exotische Sendungen, die man über die freie Suche erschließt. Das ist stark.

Eher schwach ist dagegen die "Listen"-Funktion zum direkten hineinhören ins gewünschte Podcast. Der Klick öffnet ein kleines Flash-Fenster mit einem rudimentären Mediaplayer. So weit, so gut - aber das Ding funktioniert nur mit dem Internet Explorer richtig.

In Firefox oder Opera kennt es noch nicht einmal eine Pausentaste. Wer den Podcast unterbrechen muss, darf sich anschließend den ganzen Kram noch einmal anhören: Hier sollte Yahoo nachbessern.

Nutzer des Internet Explorer kommen dagegen sogar in den Genuss einer kleinen, skurrilen Zusatzfunktion. Hier soll Yahoo die Möglichkeit bieten, sich einen (wohl langatmigen, wenn nicht sogar langweiligen) Podcast in doppelter Geschwindigkeit anzuhören, ohne dass dabei die Stimmfrequenzen merklich nach oben verschoben werden ("Mickey-Mouse-Effekt"). Im Test gelang der Abruf dieser Funktion jedoch nicht.

Vielleicht sollte man da lieber auf den ganzen "Listen"-Schnickschnack verzichten? Der "Download"-Link bietet genau dasselbe und zudem die Möglichkeit, einen guten Podcast am Ende abzuspeichern, sich in der Sounddatei zu bewegen und sie beliebig oft zu unterbrechen. Auch daraus ließe sich, wenn's denn sein muss, locker ein Popup gestalten, von dem der Nutzer aber mehr hätte.

Fazit: Yahoo legt nicht die erste Podcast-Suche vor (das bieten auch AOL und Blinkx an), aber schon eine recht ordentliche Betaversion, die viele Hörer für Podcasts gewinnen könnte. Die Anbindung an die Yahoo Music Engine hat natürlich strategische Gründe; sie soll ihr auch Nutzer zuführen, gleichzeitig ihre Attraktivität erhöhen. Im Dauerwettkampf der Suchmaschinenriesen rennt Yahoo zudem mit der Podcast-Suche einmal nicht dem Platzhirsch Google hinterher - auch um solche Image-Punkte geht es den Wettbewerbern.

Frank Patalong



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