Super Audio CD Zu gut für normale Ohren

Vier Jahre nach ihrer ersten Präsentation soll die CD der Zukunft nun endlich den Durchbruch schaffen. Von der Super Audio CD verspricht sich die Musikindustrie eine bislang kaum gekannte Qualität - sowohl beim Klang als auch beim Kopierschutz. Stars wie Sting sollen den neuen Standard pushen.

Von Alexander Stirn


Sting-Album "Sacred Love": getunt und geschützt als SACD

Sting-Album "Sacred Love": getunt und geschützt als SACD

Heute kommt sie in Deutschland auf den Markt, doch wer gleich zu Beginn die neue Scheibe von Sting kauft, dürfte eine Überraschung erleben. Sie sieht aus wie eine CD, fühlt sich an wie eine CD und ist dennoch viel mehr. Nur können das die meisten Käufer überhaupt nicht hören.

In einer Zeit, in der höchstens noch der Verkauf von Rohlingen boomt, suchen Platten- und CD-Industrie händeringend nach neuen Märkten. Und sie haben einen Hoffnungsträger ausgemacht: die Super Audio CD (SACD). Der erklärte Nachfolger der CD kombiniert eine verbesserte Tonqualität mit einem angeblich kaum zu knackenden Kopierschutz, spielt sein ganzes Können aber nur auf speziellen Playern aus.

Wie jetzt im Fall Sting, erscheinen immer mehr Alben zunächst exklusiv im neuen Format - und das zu absoluten Kampfpreisen. Eine oder zwei Wochen später kommt die Musik dann auch auf herkömmlichen Silberscheiben in die Läden.

"Die CD ist einfach nicht mehr so sexy wie früher", sagt Dirk de Clippeleir, der beim Plattenlabel Universal für das neue Format zuständig ist. "Ihr Nachfolger muss deutlich aufregender werden." Emotion lautet das Schlagwort, mit dem in Zukunft verstärkt für die neuartige Silberscheibe geworben werden soll.

Kopierschutz klingt gut

Auf die SACD passen etwa viermal so viele Informationen wie auf eine herkömmliche CD. Anders als bislang werden die analogen Studio-Klänge mit einer deutlich höheren Rate abgetastet, digitalisiert und ohne großartige Filterung oder Konvertierung abgespielt. 70 bis 80 Minuten Musik lassen sich sowohl in einer Stereo- als auch in einer Mehrkanal-Fassung auf die SACD pressen, wobei letztere die Wiedergabe mit bis zu sechs sorgfältig angeordneten Lautsprechern ermöglicht.

Auch wenn die SACD-Befürworter die Klangqualität ihres neuen Mediums einstimmig und in höchsten Tönen loben, eigentlich steht für sie eine ganz andere Qualität im Vordergrund. Die ungeahnten digitalen Töne wird zukünftig wohl nur schätzen können, wer über eine hochwertige Anlage verfügt. Eine andere Veränderung ist dagegen viel offensichtlicher: Die SACD verfügt über einen sehr effektiven Kopierschutz. Ein vom Player verlangtes Wasserzeichen, das sich nicht digital kopieren lässt, soll jede Scheibe schützen. Zudem wird der Inhalt der Tonträger aufwändig verschlüsselt.

Doch wie sieht es mit der Kompatibilität aus? Die ersten SACDs konnten lediglich in speziellen Playern abgespielt werden - und stapelten sich in den Läden statt in den heimischen Regalen. "Der Markt hat uns eine harte Lektion erteilt", sagt Christian Reiser vom CD-Hersteller Sony DADC.

"Die Kunden schrieen geradezu nach einer Hybrid-Lösung." Mittlerweile werden rund 85 Prozent aller SACDs als so genannte Hybride ausgeliefert, neben den qualitativ hochwertigen Inhalten befindet sich auf den Scheiben auch eine herkömmliche CD-Schicht, die sich mit jedem Player abspielen lässt.

Dass es sich dabei nur um eine Übergangslösung handelt, gibt die Industrie offen zu. Sollte die SACD eines Tages auf breite Akzeptanz gestoßen sein, fällt auch die CD-Schicht weg - schließlich verfügt sie über keinen Kopierschutz. Wer dann noch einen alten CD-Spieler im Schrank stehen hat, wird - so die Hoffnung der Hersteller - zwangsläufig zu einem SACD-Gerät greifen. Oder aber noch mehr CDs selbst brennen.

Zehn Millionen Super-Scheiben

Mehr als 1000 verschiedene Titel werden Ende des Jahres in Europa auf SACD zu haben sein, hofft Philips-Marketing-Chef Jos Bruins. Im nächsten Jahr sollen zehn Millionen Super-Scheiben über die Ladentheke gehen.

Als besonders zugkräftig hat sich zuletzt eine neu abgemischte Sammlung aus Songs der Rolling Stones erwiesen. Auch Best-of-Alben von Pink Floyd, Bob Dylan und The Police waren erfolgreich. Doch nicht nur in die Jahre gekommene Künstler - mit ihren ebenfalls nicht mehr so jungen, dafür überdurchschnittlich kaufkräftigen Anhängern - sind im Angebot. Werke von Ronan Keating oder den No Angels tragen ebenfalls das SACD-Logo.

Auch auf der Hardware-Seite geht es langsam voran: In Europa hat sich die Zahl der verkauften SACD-Player in den vergangenen acht Monaten verdoppelt - auf jetzt zwei Millionen Geräte. Rund 70 unterschiedliche Player sind im Angebot, hauptsächlich im High-End-Bereich, doch auch die ersten SACD-Kompakt-Anlagen stehen mittlerweile bei den Händlern. Als nächstes soll das Geschäft auf den Auto-Hifi-Bereich ausgedehnt werden. "Super Audio CDs sind einfach zu handhaben, sicher und bieten pure Qualität", tönt Bruins.

Doch sie sind nicht allein. Auch die Audio-Variante der DVD ist angetreten, das Erbe der CD anzutreten. Ihr großer Vorteil: DVD-Player stehen fast in jedem Haushalt, zudem lassen sich auf der Scheibe Ton und Bild kombinieren.

Konkurrenz jedoch belebt nicht immer das Geschäft - zumindest nicht bei technischen Weiterentwicklungen. Im Gegenteil. Wie schon bei den DVD-Rekordern, wo eine Vielzahl unterschiedlicher Aufnahmeformate die potenziellen Käufer verwirren, bringen auch die beiden CD-Alternativen die Kundschaft ins Grübeln: Was, wenn sich die heute angeschaffte Anlage in einigen Jahren als Fehlkauf, als Weg in eine wohlklingende, aber teure Sackgasse erweist?

Selbst SACD-Antreiber Universal will nicht alles auf ein Produkt setzen und hat auch einige Audio-DVDs im Angebot. Allerdings, wie Dirk de Clippeleir umgehend betont, gerade einmal 20 Titel, und die gebe es auch nur in Japan und den USA. Bislang.



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