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Suse 10: Linux leicht gemacht

Linux, einst als Betriebssystem für Freaks und Experten verschrien, entwickelt sich mit Siebenmeilenstiefeln weiter. Die neueste Version unter dem Suse-Label verspricht das einfachste Linux aller Zeiten. Der Clou daran: Es installiert sich als Alternative zu Windows.

Ein halbes Jahr nach der letzten Suse unter dem Firmendach von Novell ist jetzt das erste Linux-Paket in der Verantwortung des freien Software-Projekts openSUSE.org erschienen. Dieses wird zwar weiter von Novell unterstützt, arbeitet aber unabhängig von dem amerikanischen Software-Haus, das die Nürnberger Firma Suse vor knapp zwei Jahren übernommen hatte und sich nun unter anderem auf Linux-Lösungen für Unternehmen konzentriert.

Zur Premiere gibt es gleich einen großen Sprung von der Version 9.3 auf 10.0 - eigentlich ungewöhnlich in der sonst auf kleine Schritte bedachten OpenSource-Community. Der neue Auftritt ist aber an vielen Ecken des Pakets zu spüren, mit dem die Suse zu den Wurzeln des freien Betriebssystems zurückkehrt. Statt der Vielzahl von unterschiedlichen Ausgaben zwischen "Personal" und "Professional" gibt es jetzt nur noch eine einzige Version - wahlweise als kostenloser Download mit einem Umfang von etwa drei Gigabyte oder als Paket zusammen mit einer DVD, fünf CDs und Handbuch zum Preis von rund 60 Euro.

Die Installation ist eigentlich kein Thema mehr. Bei der Hardware-Erkennung gibt es nur in Einzelfällen Probleme, die man manuell lösen muss. Wenn Linux als Zweitsystem neben Windows installiert werden soll, wird dem Anwender einfach angeboten, die Windows-Partition zu verkleinern, damit sich das Suse-Linux daneben einrichten kann. Im Ergebnis wird dann ein "Bootloader" installiert, der dem Nutzer nach dem Einschalten des Computers vor die Wahl stellt, entweder Windows oder Linux zu starten.

Auch die Bedienung der Linux-Oberfläche stellt kaum jemand vor Probleme. Der KDE-Desktop, inzwischen in der Version 3.4.2 angelangt, ist so eingängig und auf Anhieb zu verstehen, dass manche eingefleischten Linux-Freaks schon schimpfen, dass Linux immer Windows-ähnlicher werde. Als Hintergrundbild hockt nach der Installation ein dickes grünes Chamäleon, das Suse-Symboltier, in der Ecke.

Die Entscheidung für Linux unterstützt die Suse 10.0 mit einer Reihe von guten Gründen. Dazu gehört für DSL-Nutzer jetzt auch die Internet-Telefonie (Voice over IP). Bei der Standardinstallation mit einer gängigen Auswahl aus insgesamt mehr als 1.000 verschiedenen Programmen wird das Werkzeug kphone gleich mit eingerichtet. Es bietet die Herstellung von Telefonverbindungen über den verbreiteten SIP-Standard (Session Initiation Protocol) an. Zusätzlich kann man aber auch KCall installieren, das praktischerweise das KDE-Adressbuch verwendet - so muss man die Daten für die persönlichen Kontakte nur einmal eintragen. Wer statt KDE den Gnome-Desktop bevorzugt, telefoniert mit dem Programm linphone.

Akregator sammelt Nachrichten aus dem Internet

Die RSS-Technik für das Abonnement aktueller Internet-Dienste wird im nächsten Jahr in Windows Vista integriert. Bei Linux ist ein solcher RSS-Reader bereits jetzt fester Bestandteil: Der Nachrichtensammler Akregator gehört in der bereits recht ausgereiften Version 1.1.2 zum Linux-Desktop KDE dazu.

AP
Wenn eine Website einen RSS-Feed anbietet, also eine Übersicht ihrer aktuellsten Beiträge, kann man im Firefox-Browser auf den entsprechenden Button rechts unten klicken. Daraufhin erscheint die Option, diesen RSS-Feed dem Akregator hinzuzufügen. Der Nachrichtensammler nimmt diese Liste dann in sein Verzeichnis auf. Dort können alle Nachrichtenquellen in thematisch geordnete Verzeichnisse einsortiert werden. Für jede Quelle wird bestimmt, wie oft die Software im Internet nach einer Aktualisierung der Liste suchen soll. Einzelne Artikel können besonders markiert werden, so dass sie über längere Zeit aufbewahrt werden.

Mit der Zeit entsteht auf diese Weise eine übersichtliche Zentrale für alle als wichtig und interessant eingeschätzten Informationsportale im Internet mit ihren jeweils neuesten Nachrichten. Unten rechts wird am Bildschirm stets angezeigt, wie viele ungeöffnete Nachrichten bereit stehen.

Podcasting mit amaroK

Neben dem Firefox dient auch der Konqueror als Browser. Außerdem kann man sich auch noch Opera 8 installieren - mit der Unterstützung für die Filesharing-Technik BitTorrent, die vor allem zur Übertragung großer Datenmengen geeignet ist. Opera ist allerdings nur im Suse-Paket enthalten; die Download-Version enthält ausschließlich Open-Source-Software.

Für Dokumente aller Art steht OpenOffice 2.0 in der aktuellsten Beta-Version bereit, das auch die Formate von Microsoft Office kennt. Für das Erstellen von Web-Seiten steht standardmäßig OpenOffice.org Writer/Web bereit. Allerdings lässt hier die CSS-Unterstützung zu wünschen übrig, so dass man sich zusätzlich den Web-Editor nvu installieren sollte. Neben OpenOffice wird auch das KOffice des KDE-Projekts weiterentwickelt; unter der Bezeichnung krita gibt es hier jetzt auch eine eigene Bildbearbeitung.

Gut entwickelt hat sich amaroK, eine sehr flexible Musikbox-Software, mit der man Musikdateien verwalten, sortieren und abspielen kann. Die Version 1.3 unterstützt auch Podcasts und Internet-Radio-Streams.

Der Suse 10.0 liegt der Kernel (Betriebssystemkern) 2.6.13 zu Grunde. Über ein Online-Update können alle installierten Software-Pakete stets auf dem neuesten Stand gehalten werden. Voraussichtlich im März 2006 soll das nächste Suse-Linux erscheinen, dann wieder mit einem kleinen Versionssprung auf 10.1. In der Zwischenzeit sind alle Suse-Linux-Nutzer - weltweit wohl einige Millionen - dazu aufgerufen, sich mit ihren jeweiligen Fähigkeiten an dem Projekt zu beteiligen.

Peter Zschunke, AP

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